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Gelegenheit hat man oft daheim bei sich zn Hause, sich in dieserBeziehung zu entwickeln und den Geschmack zn läutern, zu ver-edeln ! Wohl, die Werke der Rede und Dichtkunst kann man auchinnerhalb seiner vier Wände genießen; aber den vollen Genußeines dramatischen Kunstwerks kann man sich allein nicht ver-schaffen. Dasselbe gilt von den großartigen Schöpfungen in derWelt der Töne. Hier fließen Quellen der reinsten Freuden fürdie Empfänglichen und Geweckten.
Auch ich richte auf Reisen auf die bezeichnet«!: vier Gegen-stände hauptsächlich und in allgemeiner Hinsicht meine Aufmerk-keit. Gäbe es. Gelegenheiten, öffentliche Volksznstände zn be-obachten, ich würde sie nicht unbenutzt vorübergehen lassen. Abermir haben sich bis jetzt diese Gelegenheiten entzogen.
Ich verhalte mich ans Reisen, um die Zwecke der Belebung,Erfrischung und Belehrung zu erreichen, im ruhigen, mehr passivenals aktiven, im ausnehmenden Zustande. Ich lasse auf micheinwirken, ich öffne die Sinne, uni Eindrücke aller Art znempfangen, lasse zu allen Thoren die Welt in mich einziehen undfreue mich ihrer Kraft. Es gibt Personen, die es anders halten,es mag fürste gut sein; aber für den Lehrer, meineich, eignetsich jenes am besten. Von früh bis spät, so lange er unter derJugend weilt, ist er der schaffende, zeugende, erregende Geist.Seine Thätigkeit ist ein männliches Geschäft. Er weckt dieschlafenden Keime, treibt Knospen und Blüten hervor und be-fruchtet die Keime. Natürlich muß auch ihm die Zeit des Auf-nehmens kommen, damit sich die Leere wieder fülle und neueKraft iu ihn: gezeitigt werde. Auch der Mann soll in dieserBeziehung eine weibliche Seitein sich entwickeln, sich anregen,bestimmen lassen. Dazu bieten die Reisen die geeignetste Zeit,die willkommenste Gelegenheit.
Manchmal nach einem Tage, an dein des Lehrens recht vielwar, oder am Ende einer Woche, eines halben Jahres bin ichnur vorgekommen wie ein ausgeleerter Schlauch oder ein aus-gespielter Komödiant.
Mit welcher Begierde habe ich dann am Abend noch einigeSeiten eines, lehrreichen Stoff bietenden Buches verschlungen,