Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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großen Städten wird man es bei lebhaftem Verkehr unausbleiblich,und ewig nachzusinnen über die Zwecke und Mittel, welche dieMenschen durch ihre Einrichtungen erreichen wollen, das hat aucheine Grenze, wo man gerne nachläßt; aber die Natur bleibt ewigneu und ewig jung und frisch. Sie bietet dem kranken GemüteLabung in Fülle, der Wald und die Wiese, das Gras wie derBaum, der Bach, der Strom uud das Meer, die Erde und derHimmel, Sonne, Mond und Sterne. Man hat gesagt, daß manden Schöpfer nicht sehen könne. Dies ist nur ein wahres Wort,wenn man den Begriff sehen ganz äußerlich nimmt. Sonstaber ist nichts falscher als dieses. Ganz in Wahrheit und zwarin tiefer, belebender Wahrheit kann man sagen, daß man denSchöpfer sehe, höre, empfinde. Tritt heraus aus der engen,dumpfen Stadt und betrachte in stiller Sammlung die wallendeSaat, empfinde die sanft wehende Luft, wirf einen Blick auf denbesternten Himmel und schaue hinaus in das unendliche Meerund dann sage mir, ob es unwahr sei, daß man den Schöpfersehe, seine Stimme vernehme, seinen Geist empfinde! Wenn esnicht zu materiell klänge, so würde ich sagen: man kann ihn mitHänden greifen. Wer das Werk des Meisters aufzusaffen vermag,empfängt damit den Geist des Meisters, d. h. sein Wesen. DieSchöpfung ist ein reiner Spiegel des Schöpfers. Darin liegtdie wunderbare innere Heilkraft der Natur, ihr geheimnisvollesWirken aus kranke Gemüter; das ist der tiefe Grund, warumdie Natur die Menschen veredelt und adelt.

Neben dem Reich der Natur steht das Reich der Kunst,verwandt dem zweiten Interesse, das ich namhaft inachte, aberdoch von ihm verschieden und darüber erhaben wegen der idealenRichtung, die sie erschafft und die sie in dem Beschauenden ent°wickelt. Ich meine die schöne Kunst, nicht die auf nützlicheDinge hinwirkende, technische. Man kann das breite Gerede überKunst, Kunstakademien und ähnliches, ja das sich leider oft sehrbreit machende Kunstgeschwätz recht von Herzen hassen; aber vonder eigentlichen, wahren Kunst kann man nicht zu hoch denken,von ihr, wie sie sich in großartigen Bauwerken und Domen, oderin vollendeten Statuen und Gemälden kund gibt. Wie wenig