Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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nicht in derselben präformiert, sondern weil das ursprünglichAngeborene eine Smnmlnng von inneren Spuren oder Anlagenbedingt, so entstehen durch diese, vermöge der übrigen psychischenEntwickelungsgesetze, die höheren Formen mit Notwendigkeit.

5. Die Wahrnehmungen der aus ge bildeten Seele sindein sehr zusammengesetztes Produkt: ans der neu gebildeten sinn-lichen Empfindung und ans den unendlich vielen inneren Spurenoder Anlagen, von früheren Empfindungen gleicher Art in derSeele gebildet. Die erste Empfindung war der Empfindung inder ansgebildeten Seele zwar der Art nach gleich, aber unendlichschwächer. Durch die Ansammlung und das Hinzntreten gleich-artiger Spuren erwachsen die Empfindungen allmählich zu Wahr-nehmungen, und das ursprünglich Unbewußte bildet sich zum klarBewußten empor. Die zurückgebliebenen Spuren wirken alsAuffassnngskrast, die Aktivität der Seele wächst. Das Hinzn-treten der angesammelten Spuren ist die Aufmerksamkeit, welcheerworben werden muß.

6. Die Auffassungen sind alle ganz individueller Art,es gibt kein allgemeines Anffassnngs- oder Anschauungsvermögen,außer inwiefern die gleichen Spuren in mehrere Empfindungenund Wahrnehmungen als Bestandteil einzugehen geeignet sind.Die Auffassung der Farben und Gerüche fördert nicht im mindestenin Hinsicht der Auffassung von Wörtern und Formen. Für jedenbesonderen Inhalt des Vorstellens und Empfindens müssenAuffassungsvermögen und Aufmerksamkeit besonders gebildetwerden. Darum sorge man für Mannigfaltigkeit der Erregung!

7. Die Erziehung hat den höheren Sinnen das Übergewichtzu verschaffen über die niederen. Die Harmonie der Bildungbesteht nicht in der gleichen Ausdehnung und Stärke der Kräfte,sondern in dem Übergewicht des Höheren über das Niedere. Diesist die Harmonie des menschlichen Seins im Gegensätze mitdein bloß tierischen. Ein einmal errungenes Übergewicht pflanztsich in der Regel fort. Es gibt daher keine angeborene Faulheit,Naschhaftigkeit rc. Faulheit beruht auf übermäßiger Airsammlungvoir Spuren und Kräfteir des tierischen Vegetationslebcns. Sieist, wie alle fehlerhaften Neigungen, Fehler der Erziehung.