Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
81
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(Angelegtheit) begründet, die nun als solche oder als Kraftin die späteren Entwickelungen eingehen kan».

Wirkt z. B. die rote Farbe znm erstenmal auf den Gesichts-sinn eines Kindes, so wird von ihr noch keine deutliche Vor-stellung in seiner Seele zurückbleiben, wohl aber eine Spur. Beidem zweiten Eindruck der roten Farbe wirkt diese Spur mit, dasAuffassen des Eindrucks wird schon bestimmter, und die Spurwird verstärkt, u. s. w., so daß dadurch eine Anlage, die roteFarbe wahrzunehmen, entsteht.

So bilden sich Anlagen, Neigungen, Gemtttsbeschaffenheiten,Fertigkeiten, Talente.

Durch die Verbindung der gleichartigen Spuren ist ein un-endliches Wachstum in Hinsicht der Stärke der psychischen Ge-bilde bedingt; je mehr Spuren, desto stärker werden die Anlagen.Außerdem vereinigen sich die verschiedenen Spuren vermöge desGesetzes der Anziehung des Gleichartigen zu Gruppen und Reihen,entweder nach ihrer objektiven Verwandtschaft, oder nach sub-jektiven Verhältnissen, z. B. ihre Aufnahme zu derselben Zeit, indemselben Raume u. s. w.; dadurch entstehen schon unendlichviele Modifikationen, Verschiedenheiten und Ungleichheiten imfrühen Kindesalter.

4. Die Geistigkeit oder Vernünftigkeit der mensch-lichen Seele beruht auf der höheren Kräftigkeit, welche denUrvermögen der Sinne des Menschen, besonders der höheren, vorder der Tiere, inwohnt. Reizbarer sind znm Teil die Sinne derTiere als die der Menschen, und die Lebendigkeit scheint beiMenschen und Tieren keinen bestimmten Grenzen zu unterliegen.

Jene höhere Kräftigkeit ist ursprünglich nur ein Grad-unterschied, wird aber nach und nach durch tausendfache Kombi-nationen zu einem O r tunterschiede; das Sinnliche geht in Geistiges,das Unverünftige in Vernünftiges über. Die menschlichen Sinnesind vermöge der größeren Kräftigkeit ihrer Urvermögen vonAnfang an geistige. Schon die einfachste sinnliche Empfindungist beim Menschen eine andere als beim Tiere. Dadurch, daß sieeine andere ist, wird der Mensch fähig, Begriffe zu bilden. Diesehöheren Forme» sind der menschlichen Seele nicht angeboren,

Diesterweg, Ausgew. Schriften. 2. Ausl. s. 6