Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
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Was nun die innere Seite des Lesens, den Inhalt an Vor-stellungen und Gedanken betrifft, so verlangt das Prinzip derVeranschaulichung des Unterrichts dies, daß den: Schüler derInhalt znin Verständnis gebracht werde, daß er nichts lese, waser nicht versteht, daß er zunächst die Bedeutung der einzelnenWörter und dann ihre Bedeutung in der Verbindung, in dersie Vorkommen, auffasse, und zwar auf unmittelbare Weise, d. h.so, daß er die Vorstellungen ans umnittelbare in: Leben aufge-saßte Empfindungen und Anschauungen zurückführen könne. Daßdieses nur allmählich und nur annäherungsweise geschehen könne,erhellet von selbst; auch wissen wir sehr wohl, wie unendlich vielmit der gestellten Anforderung gesetzt wird. Denn sie verlangtnicht weniger als daß, da im Lesen alle möglichen Arten vonVorstellungen: Begriffe, Urteile, Schlüsse, einzelne und verbundene,ja ganze Schlußreihe» Vorkommen, also jede Art der Erkenntnisauf den Grund der wirklich wahrgenommenen Anschauungen,seien es äußere oder innere, zurücUeführt werde, welche Forderungalso im allgemeinen in einem Satze diejenige ist, von der wireben überhaupt reden. Aber ihre unbedingte Notwendigkeit unddurchgängige Wahrheit steht fest, obgleich sie sich nie in vollkommenerWeise, wie wir demnächst noch sehen werden, wird lösen lassen.

3) Der Rechenunterricht.

Wohl sollte man meinen, daß in dem Unterricht über dieGesetze der Zahl nirgends mehr ein anderer als der Weg derAnschauung betreten und gewandelt werde. Denn welche Summevon Anleitungen zu einem bildenden, d. h. anschaulichen Rechen-unterricht ist nicht seit der Erscheinung der die alte Unterrichts-weise in diesen: Gegenstand umbildenden Pestalozzischen Schuleerschienen! Hat nicht jede Provinz Deutschlands wenigstens einigeans Licht gebracht! Und dennoch herrscht auch heutiges Tagesnoch in vielen Schulen der alte Schlendrian, der von Lehrernund Schillern unverstandene Formelkram, das geradezu geist-tötende Regelwerk, der blinde Mechanismus. Darum ist es auchjetzt noch an der Zeit, ja unbedingt notwendig, von neuem undin der stärksten Weise die Anschaulichkeit in: Rechenunterricht zuverlangen. Denn in keiner andern Weise gedeiht derselbe; in