Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
53
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und es kehrt dem Dränger und Treiber wie einem Feinde denRücken zu. Langsam und allmählich, aber darum fest und sicher,ist der rechte Gang der Entwickelung der einzelnen und desGanzen; in langen Bahnen ziehen die Völker dem allgemeinenCentralpunkte zu, und Jahrhunderte zählen hier nur mit demGewichte einer Minute. Das Ziel liegt in unendlicher Ferne;darum ist auch der Weg zu ihm eine unendliche Größe.

Wohl wäre der der Held seiner Zeit, besonders der unsrigen,der den Völkern, besonders dem deutschen, das Gesetz seiner Ent-wickelung klar Vorhalten und ihm zeigen könnte, ans welchemPunkte es jedesmal angekommen, damit es wisse, was jetzt zuthun, um iu regelrechter gerader Bahn ohne Störungen und Per-tnrbationen seine Bestimmung zu vollenden. Aber dein schwachenSterblichen scheint solche Einsicht zu hoch oder zu tief zu liegen,und es mag erlaubt sein, zu vermuten, daß die vergangenen sechsJahrtausende nicht Elemente genug darbieten zur Bestimmung undBerechnung der Bahn. Denn sicher ist es, daß wir das Gesetzder Entwickelung des einzelnen Menschen genauer kennen, als dasder Nationen. Darum schwanken selbst diejenigen, welche vonoben her die Nationen betrachten, Historiker wie Politiker, Philo-sophen und Pädagogen; und daher die verschiedenen Maßregeln,wenn eine Nation einer Krisis sich nähert oder in sichtbarer Un-ruhe uud Gährung begriffe» ist. Erkennbar für den Menschen mußaber das Gesetz der Entwickelung sein. Darum hat man keineUrsache, jemals an der Lösung des Rätsels zu verzweifeln. Nurbleibt soviel gewiß, daß es wohl möglich ist, den Entwickelungs-drang eines Individuums zu alterieren, zu stören oder gar zuvernichten; daß solches aber bei einer ganzen Nation jemals mitgroßem Erfolge gelungen sei, davon liefert nach unserm Ermessendie Geschichte kein Beispiel. Der Schein spricht zwar dafür, aber sicher-lich wurzelte dann der scheinbar energische Drang der Entwickelungnicht in der Masse, nicht in ihrer Geschichte, nicht in ihren Ansichtenund Lebensbestrebungen. Beschleunigt oder verzögert kam: die Ent-wickelung werden, nicht aber vernichtet, was in dem natürlichen Gangeder Entfaltung liegt. Soviel ist aber gewiß, daß, wer die Richtungder Bewegung denn Entwickelung ist nur in der Bewegung,die ein Volk zu einer Zeit anstrebt, zu hindern vermöchte, dem