Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
41
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nichtiges Spiel, ein Abfragen des Prädikates bei gegebenemSubjekte, oder des Objektes zu einen: vorliegenden Prädikate.Dieses formelle Fragen berührt das Wesen der echten Sokratikgar nicht. Diese besteht vielmehr darin, daß der Lehrer denSchüler, gleichviel, ob durch wirkliche Fragen oder durch acroa-matische Entwickelung, dazu erregt, die Fragen selbst anfznfinden,auf deren Beantwortung es bei einem Denkstoffe ankommt, undihn mit der Begierde, diese Fragei: gelöset zu sehen, durchdringet.Gegebene Antworten nützen nur dem, der in sich die Fragen nachinnen aufgeworfen hat, wie der Genuß der Speisen nur den:Hungrigen schmeckt und ihn: wohl bekommt. Daran: ist es dieHauptaufgabe des Sokratikers, in dei: Schülern den geistigenHunger zu wecken und ihnen den Weg anzndenten, ans den: siemit eigner Kraft die Befriedigung des angeregten Bedürfnissesfinden können. In solcher Weise erregte und ergriff Schleier-macher die denkende Seele des selbstthätigen Zuhörers, bethätigtedie schwache Denkkraft in der höchsten Potenz, und bildete Denkerund Forscher. Eine Schule hat der Meister nicht gestiftet, d. h.kein System geschaffen, auf das die Jünger gläubig dem Meisternachschwören könnten; er selbst verpönte und verschmähte alleAutorität, und er wollte nichts weniger sein als eine solche; seinTriumph war es, die Forschlnst in seinen echten Schülern zuerregen und sie fürs Leben dazu zu befähigen. Nicht Früchtewollte er erzeugen, sondern Knospen und Blüte::, die reisen möchtenin Zeiten, wo er nicht mehr sei. Nicht für schwache Jünglinge,die nur aufnehmen, nicht verarbeiten konnten oder mochten, warer, sondern für die starken. Von jenen hörte man wohl die Klage,daß sein Vortrag fast nur in einer Bewegung oder in analytischerZerarbeitung bestehe und daß die Resultate fehlten. Das wardie Rede der Schwachen, an dem Gängelbande des herkömmlichenVorsagens Großgezogenen, die sich in ihrer geistigen Impotenzzu stillen und lauten Vorwürfen gegen den großen Meister er-mutigen mochten. Noch andere meinten, daß er ihnen in Glaubens-sachen vieles nehme und sie beunruhige. Wir wollen diese mildbeurteilen, aber zu den starken Seelen, wie jede Zeit sie braucht,gehörten sie nicht. Allerdings glichen seine Vorlesungen nichtglänzend ausgeschmückten Warenlagern, wo man sich mit ererbtem