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1 (1890)
Entstehung
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gewann alles, auch das Alltäglichste, den Reiz der Neuheit lindFrische, weil er alles untersuchte und von allen Seiten unter-suchte. Es gibt keine Methode, die so den Geist erregt, als die,die er anwandte. Es war ein lebendiger Denkprozeß, der Prozeßdes Denkens stand jedem, der vor Schleicrmacher saß, in derlebendigstell, unmittelbarsten, ergreifendsteil Anschauung vor Allgen;man sah denken, man hörte denken, man fühlte es. Mail er-kannte iil ihm die lebendige Werkstätte des zeugenden Geistes,man beobachtete das Werden der Gedanken und mail fühlte sichselbst znm Gedankenerzeugen erregt und bewegt. Wer von ihmnicht denken lernte, konnte es nirgends lernen. Er war der So-krates der Studenten, lind wenn es erlaubt ist, nach Personendie Methode zu bezeichnen, so kann man mit eben dein Recht,wie man von einer sokratischen Methode spricht, auch von derschleiermacherschen redeil. Wie jener die Zuhörer fragte unddiese antworteten, so fragte Schleiermacher sich selbst lind denMenschengeist, lind er antwortete. Seine Methode war diesokratische in ihrer zeitgemäßen Allwendung ans die Wissenschaftender Gegenwart in den Hörsälen der Universitäten des 19ten Jahr-hunderts. Es ist mir scholl als Student zweifelhaft gewesen, obdas Acroama geeignet sei zur Erreichung des höchsten Zieles derAkademie: geistige Selbstthätigkeit und Selbständigkeit der Aka-demiker; und je mehr ich darüber nachdenke, desto zweifelhafterist es mir, ja ich bin eigentlich vom Gegellteile überzeugt; aberwenn die gewöhnlichen Umstände eine andere Methode nicht zu-lassen, so war die schleiermachersche Methode das Vollendetste,das sich erreichen läßt. Denn seine acroamatischen Vorträge warender ganzen iiinern Form nach erotematische. Der Zuhörer ant-wortete zwar nicht laut, aber er antwortete im stillen, und erhörte Antworten des Meisters, die er sich gab auf seine Fragen.Das Wesen der sokratisch-dialektischen, erotematischen Methodebesteht nicht darin, daß der Lehrer den Schüler fragt, also nichtin der Auflösung der grammatischen Sätze in Fragen, sonderndarin, daß der Gegenstand, der behandelt wird, sachlich oder seineminnern Wesen nach in Fragen dargestellt wird. Wer sich daherdes Fragennterrichts bedient, ist oft noch sehr weit davon ent-fernt, sokratisch zu verfahreil. Oft ist es nur ein leeres und