Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

27

lauge Streit. Anfangs sah inan mit großer Erwartung auf dieneuen Anstalten hin, Beweis genug, daß die Idee einer Um-gestaltung des Schulwesens vorbereitet war, aber bald gerietdie Sache, teils weil man von ihren Urhebern zu sanguinischeHoffnungen gehegt hatte, teils weil dieselbe auch nicht in dieallerbesten Hände geraten sein mochte, wenigstens wie es schien,in Vergessenheit. Dieses Ereignis konnte den Fortschritt dessen,was in der Idee der Philanthropinisten Wahres enthalten war,wohl aufhalten, aber nicht vernichten, und in den letzten Jahr-zehnten sind die Ansprüche des Realismus so energisch und nn-abweislich aufgetreten, daß jetzt schon der Baum der Bildungsich in zwei verschiedene Äste verläuft, deren verschiedene Früchtees Nachweisen werden, daß sich auf dein Wege des Natur-stu diu ms ebenso gründliche Bildung gewinnen läßt, als aufdem des Studiums des Geistes. Alsdann hat das ange-fochtene Prinzip der Naturgemäßheit einen neuen, kostbaren Siegüber das Prinzip der Kulturgemäßheit davon getragen, dessenhohe uird wichtige Ansprüche wir keineswegs verkennen wollen,das sich aber bescheiden muß, dein höheren Prinzip der Natur-gemäßheit untergeordnet zu werden.

Indem hier zuletzt das Streben der Philanthropinisten alsmit der Verteidigung des Prinzips der Naturgemäßheit gegen diezum Teil veralteten Ansprüche der Knlturgeniäßheit und des Her-kommens zusammenfallend angenommen wurde, habe ich meineAnsicht dahin ausgesprochen, daß die realistische Bildung weitallgemeinere Ansprüche mache, als die humanistische, und aus derBerücksichtigung allgemein menschlicher Verhältnisse hervorgehe,wohingegen die Ansprüche des Humanismus sich nur ans einenverhältnismäßig kleinen Teil -der Erdoberfläche, nämlich aufEuropa beschränken und ihr Gewicht gewiß nicht für alle ewigeZeiten geltend zu machen haben. Überall auf der ganzen weitenErde steht der Mensch mit der Natur im weitesten Sinne desWortes in Verbindung, und überall bietet sie darum dein Menschendie Gelegenheit und die Mittel zur Bildung dar. Die Ab-hängigkeit der Bildung von Griechen und Römern erstreckt sichdagegen nur auf wenige Völker und wird sich, je selbständiger,