Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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bestehenden Komment unterwerfen. Will der christliche Missionarunter einem heidnischen Volke etwas wirken, so muß er aus denStandpunkt desselben, seine Sitten, Gewohnheiten, Ansichten,Geschichte rc. Rücksicht nehmen und das Pfropfreis des Baumesdes Christentums auf den alten Stamm pfropfen, damit es ausdemselben hervorwachse und die edleren Säfte jenes diesen dasLeben und Gedeiheil sichern. Gerade also verfuhr auch derStifter des Christentums, indem er sein Wirken an das aus deinAltertum seines Volks stammende Bessere und an die Sprücheder Propheten der Nation anschloß. Will ein Lehrer, der ineine längst bestehende Anstalt tritt, gleich von Anfang an seinenSamen nicht aus den harten Weg ausstreuen, so hat er den Zu-stand der Anstalt zu erforschen und darnach sein Thun einznrichten.In Wien v'ertangt mail anderes, als in Berlin; in Berlinanderes, als iu einer kleineren Provinzialstadt. Kinder verbildeterStände wollen und müssen anders behandelt werden, als dieKinder reicher und gebildeter Landbewohner und Gutsbesitzer.Und so weiter. Dieses Undsoweiter läßt sich sehr weit allsdehnen.Die Ansprüche des Prinzips der Kultur gemäß heit sind uu-abweislich; das Prinzip steht fest.

Aber welches ist nun sein Verhältnis zu dem Prinzip derNaturgemäßheit? Stehen sie nebeneinander, oder steht daseine über das andere und beherrscht es?

Das Prinzip der Naturgemäßheit ist ewig und unwandelbar,wie die Bestimmung und die Natur des Menschengeschlechts. Eskann in den verschiedenen Perioden und Kulturzuständen andersund anders erkannt werden, aber es behält seinen unbedingtenabsoluten Wert. Als Ideal nähert man sich ihm nur, ohne eszu erreichen. Es ist der ewige Zielpunkt alles Strebens undWirkens. Mag die Bildung des Menschengeschlechts das Zielnie erreichen; nähern soll sie sich ihm stets, wie die Asymptoteder Hyperbel. Nach ihm richtet der vernünftige Gesetzgeber seineVerordnungen, der Lehrer seine Ideen, wie die Magnetnadel ewignach Norden weist.

Alles aber mit Berücksichtigung des Orts, wo man sich be-findet, des Standpunktes, den man erreicht, der Kultur, die man