II
durch die Name» Zwitter, Aftergeschöpfe, Verkrüppelung, Ver-zerrung, Verrenkung lind Widernatttrlichkeit hinreichend charak-terisiert. Gerade also verhält es sich mit dem Menschen. Aucher kann und soll nur das werden, wozu die Natur (der Schöpfer»ihn bestimmte; und diese Bestimmung wird aus seinen Anlagenerkannt. Wozu er die Anlagen nicht besitzt, dazu suchst du ihnvergebens zu bilde». Ein Engel wird der Mensch nie werden,weil er nicht die Anlagen zu einem Engel, sondern zu eine»:Menschen in sich trägt. Der Mensch kann und soll nichts andereswerden, als ein Mensch. Und jedes Individuum wird wiedernur das, wozu dieses Individuum die Anlagen in sich trägt.Einen, der kein musikalisches Gehör hat, oder gar einen Taub-stummen kannst du wohl zu einem Mozart auszubildeu ver-suchen; aber was wird die Frucht der Mühe sein?
Das alles sind — nicht wahr, Leser! — Sätze, die sich vonselbst verstehe,:, die für sich klar sind, die gar nicht bewiesen zuwerden brauchen, die gar nicht bewiesen werden können. Und soist es. Das Prinzip: „Erziehe naturgemäß!" kann nicht be-wiesen werden und braucht nicht bewiesen zu werden. Es ver-steht sich von selbst. Wer seinen Sinn erfährt, ist gleich zurBeistimmung gezwungen. Es stellt eine für sich klare, unmittel-bar gewisse Wahrheit auf.
2) Der Grundsatz: „Erziehe naturgemäß!" ist ein ganzallgemeiner Satz, ist der allgemeinste Grundsatz allerPädagogik.
Er enthält nur ein einziges Merkmal, das der Naturgemäß-heit; weniger kann kein anderer Grundsatz aufstellen. Aber auchnichts Allgemeineres. Denn er geht unmittelbar von den: Wesendes Menschen aus; er schließt sich unmittelbar au den Menschenselbst an; er anerkennt den Wert und die Bedeutung der ab-soluten Zweckmäßigkeit der Einrichtung seiner Natur und ver-langt nichts Abgeleitetes, sondern das Unumschränkteste, Allge-meinste, bei aller erziehenden Thätigkeit der Natur gemäß zuverfahren. Sein Inhalt ist daher der möglichst kleinste, seinUmfang der möglich größte, d. h. er ist der allgemeinste Grund-satz aller Pädagogik.