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der Begründung dieses Urteils fragt: so hört inan gewöhnlich eineder folgenden Antworten: Es ist nachteilig für den Charakter desZöglings; es verdirbt sein Herz; es flößt ihm falsche Ansichtenein; es verleitet ihn zu Anmaßung und Dünkel; er wird ver-zogen, verbildet; er verwildert; er paßt nicht in die Welt; erwird ein gottloser Mensch; es ist ganz unnatürlich, naturwidrig;die Erfahrung hat längst die Verderblichkeit dieses Verfahrensnachgewiesen; in dieser Ansicht stimmen alle denkenden Männeraller Zeiten miteinander überein rc.
Fassen wir diese Urteile unter einem Gesichtspunkte auf, solaufen sie darauf hinaus, daß sie sich 1) entweder ans die mög-lichen Folgen, welche durch Erfahrung erkannt worden sind, alsoauf Erfahrung; oder 2) ans die Autorität anderer, oder 3) aufein Prinzip stützen.
Schon aus dem Früheren erhellt, daß die Erfahrung nichtals höchste Instanz zur Beurteilung des Heilsamen und Verderb-lichen in der Erziehung angesehen werden kann. Außerdem be-weiset die Erfahrung zuletzt alles, d. h. nichts. Denn untergleichen Umständen erfahren verschiedene Menschen oft das Ver-schiedenste. Nimmt man noch hinzu, daß bei einem bedingt freienWesen, wie der Mensch ist, nicht alles auf die ihn erregendenäußeren Mächte und Einflüsse, sondern mehr noch auf die Ge-staltung und Mischung der Anlagen und Kräfte ankommt; ver-gißt man nicht, daß daher ein Mensch ungeachtet der besten Er-ziehung verdorben (Nero z. B.), und ein anderer ungeachtet derschlechtesten Erziehung ein edler Mensch werden kann: so wirdes uns nicht einfallen, die Erfahrung als oberste Richterin inSachen des Guten und Bösen in der Erziehung anzuerkennen.Doch werden wir auf ihre Stimme hören. Nur hat sie in derWissenschaft der Erziehung zunächst keine Stimme.
Aber auch die Macht der Autorität entscheidet in wissenschaft-licher Hinsicht nichts. Es kommt hier gar nicht darauf an, weretwas gesagt hat, sondern darauf, ob das, was irgend jemandgesagt, wahr sei, d. h. ob sich seine objektive Wahrheit darthunlasse. Denn kein Satz wird dadurch wahr, daß dieser oder jenerihn gesagt oder nicht gesagt hat.