Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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gut, dieses ist nicht gut jenes wirkt so, dieses wirkt sosondern daß wir auch die Gründe dieser Wirkungen, ja ihreNotwendigkeit angeben kömiten. Auf den Beweis (nämlich aufden a prioi-i'schen) wollten wir, die wir die Wissenschaften vor-nehmlich nach ihrem Einfluß ans die Veredlung des Lebens schätzen,allenfalls auch noch ohne Schmerz verzichten, hätten wir nureinmal solche Wahrheit über Erziehung ansgefunden, welche sichdes Beifalls denkender Menschen und der Bestätigung durch Er-fahrung zu erfreuen hätte. Wüßten wir nur erst einmal ganz un-trüglich, wie man es machen müßte, um gute, unfehlbar guteMenschen zu erziehen; besäßen wir also nur einmal die Er-ziehungskunst: dann wollten wir allenfalls die Erziehungs-wissenschaft noch ohne Schmerz entbehren. Denn es kommtim Leben ja aufs Können, nicht aufs Wissen an. Aber dasist das Unglück, daß jenes nicht ohne dieses sein kan», wenn vonder Erziehung des Menschen, von der Erziehung eines Geistesdurch einen Geist die Rede ist; das Unglück, daß, wenn es auch,wie in allen Fächern der Kunst, einzelne (geborene) erziehendeGenies geben mag, man wissen muß, was in der Erziehung ansden breiten Weg des Verderbens, oder auf den schmalen Wegdes Lebens führt, wenn man Erzieher bilden, wenn man An-sichten, Urteile, Grundsätze, Regeln und Thatsachen der Er-ziehung beurteilen will. Auf keinem andern Wege ist ja dieÜberzeugung eines andern Menschen von der Richtigkeit meinerAnsichten über Erziehung zu gewinnen, als dadurch, daß ich ent-weder ihm Bewährung durch die Erfahrung (insoweit diesmöglich ist) Nachweise, oder daß ich ihre Richtigkeit beweise,d. h. ans allgemein anerkannten Wahrheiten ableite.

In beiden Fällen kann das Wissen über die Erziehungnicht erlassen werden, um so weniger, da die Erfahrung in An-gelegenheiten der Erziehung nie zu ganz untrüglichen Schlüssenberechtigt; da vielmehr die Erfahrung nur zu bestätigen oder zuwiderlegen hat, was früher bereits aufgestellt war. Ohnedieskann der denkende Mensch niemals darauf verzichten, sich anzu-strengen, sich ein freies Urteil über das Thun und Lassenanderer und über sein eignes Thun und Lassen zu erwecken; und