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Bd. 3 (1876) Baumpfähle - Brasilien
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Brasilien (Geschichte).

1823 wurde die erste Cortcsversammlung von B.eröffnet, die Verhaftung der Ultraliberalcn u. dasVerbot geheimer Gesellschaften fanden aber in ihr,besonders durch Aranjo Lima, solchen Widerstand,daß der Kaiser das Ministerium Andrada 11. Julientließ und ein republikanisches Ministerium an-nahm. Jndcß blieb der Widerwille,der Brasilianergegen die Portugiesen, welche viele hohe Stellenim Civil u. in der Armee innehatten u. für Be-günstiger des Absolutismus galten; ja, es kam,nachdem der Kaiser die ihm vorgelegte neue ultra-liberale Verfassung vom 10. Aug. zurückgcwiesenhatte, selbst in den Cortes zu Kämpfen und10 . Nov. zu einem Aufstande in Rio, worauf derKaiser 12. Nov. die Cortes mit Gewalt auflöste.Die Andrada, welche sich zur Opposition geschla-gen hatten, wurden verhaftet u. deportirt. Ähn-liche Unruhen hatten in den Provinzen stattgesun-den. Einer zweiten, durch neue Wahlen schon EndeNov. 1823 berufenen Cortesversammlung legte derKaiser nun 11. Dec. den Entwurf einer neuenVerfassung vor, welche auch angenommen und0. Jan. 1824 von dem Volke ü. 25. März vondem Kaiser beschworen wurde. Neue Unruhenbrachen in Pernambnco aus, welches unter Führ-ung des Präsidenten Carvalho Paez d'Andradasich zur Republik der Union des Äquators erklä-ren wollte, aber, 17i Sept. 1824 vom AdmiralCochrane u. General Lima gestürmt, mittels desMartialgesetzes im Zaume gehalten wurde. Unter-handlungen zu London u. Lissabon, bei Lenen derenglische Gesandte in Lissabon Stuart u. der por-tugiesische Minister Villareal besonders thätig waren,führten 29. Aug. 1825 zur Anerkennung der Un-abhängigkeit B-s von Seite Portugals, woraufdie der anderen Großmächte bald folgte; die diplo-matischen Verbindungen wurden nun wieder an-geknüpft. Ende 1825 begann auch ein Krieg mitder Republik La Plata wegen der Banda-Oriental,welche die La-Plata-Staaten in ihre Union aus-genommen und besetzt hatten. Zwar blokirte B.den La-Plata-Strom und hielt Montevideo be-setzt, aber da Montevideo sich entschieden gegenB. erklärte, so schloß der Kaiser 27. Aug. 1828Frieden, in welchem er die Banda-Oriental alseigenen Staat (Uruguay) anerkannte. 1826 starbder König von Portugal, Johann VI., PedrosVater, u. der Kaiser erbte Portugal. Da er abernach der Verfassung von B. das Land ohne Er-laubniß der Cortes nicht verlassen durfte, ver-zichtete er auf den Thron Portugals zu Gunstenseiner ältesten Tochter, Maria da Gloria (s. Por-tugal, Gesch.), 2. Mai 1826, u. fuhr fort, sich derRegierung B-s mir dem besten Willen u. uner-müdlichem Eifer anzunehmen. Aber die Ruhe desLandes wurde fortwährend durch republikanischeAufstände, durch Widerwillen gegen ein 1824 vonder Negierung organisirtes, zügelloses Fremden-corps, das 1830 aufgelöst werden mußte, u. a.Unruhe» gestört. Dessenungeachtet fanden zahl-reiche Einwanderungen statt, u. wurden Coloniengegründet. Im 1.1828 beschäftigten sich die Cortesmit Gesetzen über die Gemeindeverfassnng, Orga-nisation der Nationalgarde u. Emancipation derSklaven; sie beschlossen, allen Nationen gegen eineAbgabe von 15pCt. freien Handel zu bewilligen,Pierers Universal-Coiiversations-Lekikon. ö. Aufl. 1

wurden jedoch sehr bedenklich, als der Kaiser er-klärte, die Ansprüche seiner Tochter Donna Mariada Gloria auf den portugiesischen Thron, welchensein Bruder Don Miguel beanspruchte, ver-theidigcn zu wollen, u. dazu die Beihilfe derCortes verlangte. Die Truppen empörten sich u.mußten durch englische u. französischen Sccsoldaienvon den anwesenden Flotten zur Orduuug gebrachtwerden. 1829 traten die Cortes entschieden gegenden Kaiser auf. Das Budget u. eine vom Kaiservorgeschlagene Reichsbank ward verweigert, dieEntlassung der fremden Offiziere verlangt, undda man endlich den Kaiser persönlich beleidigte,löste dieser die Kammer 3. Sept. ans. Um indeßsich der revolutionären Partei geneigt zu machen,berief der Kaiser Ende 1829 ein neues Ministerium,das außer dem Kriegsminister nur aus geborenenBrasilianern bestand; allein auch dies vermochtedie Stimmung des Volkes nicht zu bessern. Inden neuen Cortes, die 3. Mai 1830 zusammen-znsammentraten, verwarfen die Demokraten alleVorschläge der Regierung, ja, sie setzten den Kriegs-minister in Anklagestand. Immer höher stieg derWiderwille gegen den Kaiser, u. als er statt derbisherigen Milde mit Strenge cinzuschreiten ver-suchte, brach 6. April eine Empörung aus, dieTruppen fielen ab, u. Pedro sah sich gcnöthigt,am nächsten Tage zu Gunsten seines siebenjährigenSohnes, Pedro II., abzudanken. Der neue Kaiserblieb, unter einer von den Kammern ernanntenRegentschaft, bestehend ans 6a,roarLlIn8, Vergneirou. Francisco de Lima, in Rio, während der ab-getretene Kaiser sich am 17. April mit seiner Fa-milie nach Europa einschifite. Es hatten sich in-zwischen in B. folgende Hauptparteien gebildet:Unitarier, die einer Central-Monarchie anhingen;zu ihnen gehörten anfangs die Oaraiuuros (Mo-narchisten), welche die Rückkehr Dom Pedros I.wünschten (hauptsächlich die großen Städte, beson-ders Rio); die Föderalisten, welche getrennte Pro-vinzialvcrwaltungen, nur durch eine Central-Mo-imrchie verbunden, verlangten, und Republikaner(§aronpiUra^), besonders die freien Neger, Mulattenund Mestizen, eine rohe, politisch völlig unreifeMenschenklafie. Gegen Letztere verbanden sich fastalle Grundbesitzer zu Bürgergarden, um ihr Ligcu-thum bei der Machtlosigkeit der Polizei gegenräuberische Angriffe zu schützen. Die Unordnungennahmen immer mehr überhand, u. der Staat drohtebei der Ohnmacht der unter den Einflüssen balddieser, bald jener Partei u. einzelner Persönlich-keiten schwankenden Regierung völlig anseinander-zufallen. Mit Mühe gelang es der interimistischenRcgenschast, die Ausstände zu Bahia, Pernambnco,Rio, Cearä u. in anderen Städten des Reiches zuunterdrücken. Sie sah sich mehrere Male gcnöthigt,die Hilfe der bewaffneten Bürger u. der englischenu. französischen Flotte gegen die Aufrührer in An-spruch zu nehmen. Um diesen heillosen Zuständenein Ende zu machen, erwählten die Kammern17. Juni 1831 eine permanente Regierung, dieaus Francisco de Lima, Costa Carvalho u. Bra-silia Muniz bestand; aber auch diese hatte kurznach ihrer Errichtung mit Aufständen zu kämpfen,welche mit Hilfe der Nationalgarden gestillt wer-den mußten, da das Militär sich den Insurgenten

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