Branntwein.
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Bcstandtheile des Urins nach dem Genüsse von al-koholischen Flüssigkeiten in verminderter Mengedurch den Harn ansgcschieden werden, währenddie Harnmenge vermehrt ist. Infolge dieser ver-minderten Verbrennung häufen sich in den innerenOrganen die Fette an, n. findet man daher beiGewohnheitstrinkern die Leber, das Herz, die Nie-ren rc. verfettet, während anderseits die örtlichirritirende Eigenschaft des Alkohols, der als sol-cher im Körper circnlirt u. in den Geweben desKörpers sich anfhält u. als solcher durch die Harn-wege, Lungen n. die Milch wenigstens zum Theilaus dem Körper wieder ansgcschieden wird, ent-zündliche Verhärtungen der Leber (Cirrhose, 6inärinicsrs livor der Engländer, B.-Lcber), Katarrhedes Rachens, des Magens u. des Darmes erzeugt.Als fernere Wirkung der alkoholischen Flüssigkeitenhaben wir deren blutstillende u. fäulnißhemmcndcanznführcn. Bringt man ans blutende Flächeneine in B. getränkte Comprcssc, oder spritzt manbeim Nasenbluten B. ein, so coagnlirt das Eiweiß,u. dadurch, sowie durch die kühlende Eigenschaftder alkoholischen Flüssigkeiten steht die Blutung.Die fäuluißhemmende Wirkung benutzen wir nichtselten zur Aufbewahrung von Fleisch sin anatomi-schen Museen), von Früchten rc. Die B-Consnm-liou als Getränk ist besonders stark bei den nordi-schen Völkern, infolge des Klimas n. der sonstigenLebensweise. In Schweden war der Ertrag der B-stencr, in den 1830er Jahren nur 680,000 schw.Rthlr., 1855 bereits auf 3 Mill. gestiegen n. hatsich seitdem bis über 12 Mill. gehoben. In Ruß-land betrug die versteuerte Consnmtion 18742,263,463 Eimer; die Getränke-, vorzugsweise B-stener, liefert seit 36 Jahren gewöhnlich ein Drit-thcil aller Staatseinnahmen; im Budget für 1874ist dieser Ertrag selbst zu 179,098,500 Rubel ver-anschlagt, bei einer ordentl. Gesammteinnahmcvon 514,367,915. Vgl. Bonvier, Pharmakolog.Studien, Berl. 1872; Marvand, 1/L.lsool, sollaetion pllz-sloloxigns sie., mein, cts msä. rniiit..Innv.-Inin 1872; Rabow, Über die Wirkung desAlkohols, Straßb. Diss. 1872; Binz, Versuche,welche den Gründen der tcmperatnrcrniedrigcndcuWirkung des Alkohols näher treten, Verhandl. d.Niederrh. Gesellsch. f. Natur- n. Heilkunde, 1872;Riegel, Über den Einfluß des Alkohols auf die Kör-perwarme, Arch. f. klin. Med. XII.; de Ridder,Ds I'alvool sn Asueral: eilst« pllxsioloAlgussst tlisrapsnt., Iiz-Aisns pLtäioloAis, insäsoioo 1s-§ale, traibsmenb, lalsiüe-rtions, -Inn. eis la 8ocist.äs wsä. ä'^nvsrs. 1872 (Preisschrift); Straßburg,Experimenteller Beitrag zur Wirkung des Alkoholsim Fieber, Virch., Archiv, Bd. 60, 3. u. 4. Heft;Deutsche Zeitschr. f. prakt. Mcdiciu, Jahrg. 1874,S. 320.
6. Geschichtliches. Die Erfindung des B-s isturalt; in Europa wurde jedoch der B., durch Destil-lation des Weines erhalten (daher auch gebrann-ter Wein, lat. Vinnm ustum, genannt), erst durchdie Araber bekannt. In Indien u. China wur-den seit undenklichen Zeiten ans Palmen u. Dat-teln branntweinartige Flüssigkeiten bereitet, n. derWein der Inder, dessen Strabon gedenkt, ist wolkein anderer, als der aus Reis noch jetzt daselbstbereitete Arrak. Die arabischen Ärzte mögen sich
aber durch die Erfindung des Dcstillirens gegenAnfang des 9. Jahrh. mehrere Jahrhunderte ansdie Bereitung von destillirtcm Wasser zum Arz-neigcbrauche beschränkt haben und später erst aufdie B-bcreitung geleitet worden sein. Erst AbulKasein (zu Anfang des 12. Jahrh.) erwähnt derDestillation des Weines, u. zwar durch eine Ge-räthschaft, wodurch auswärts destillirt wurde.Durch die Araber wurde der gebrannte Weinauch den europäischen Chemikern bekannt, so n. a.dem Arnold de Villanova u. dessen Schüler Rai-mund Lnllus, welchen wol auch die Erfindung desB-s zngeschricben wird, obwol sic bloß zu bessererBereitung, auch zur Bekanntmachung desselben bei-trugen. Bald wurde nun der B. Gegenstand desHandels; besonders wurde in Modena zu Anfangdes 14. Jahrh. der B. für sich, oder auch inLiqncnrform (sehr zeitig als Rosmaringcisl) be-reitet. Er kam als Verlängcrnngsmittcl der Ju-gend u. des Lebens (Lebenswasser, Xgna vitas)in hohen Ruf, anfangs jedoch mehr nur als Arz-neimittel, besonders gegen die Pest n. ansteckendeKrankheiten, doch allmählich immer mehr als Ge-nnßmittel. Auch von Venedig ans wurde einstarker Handel damit, besonders auch nach derTürkei getrieben. Doch war die Bereitung langenoch ein Geheimnis; der Chemiker. Bald reichteindcß der Wein und auch die Weiuhcfeu, welcheman besonders für die Anfertigung desselben be-nutzte, nicht mehr hin, das Bedürfnis; zu decken,n. man fing zu Anfang des 15. Jahrh. an, Bier-hefen u. etwas später in weinige Gährung ver-setzte mehlige Substanzen dazu zu verwenden.Damals waren mit dem Verkäufe des B-s nurnoch die Apotheken privilcgirt. Später wurde derB. vielfach als Aufcuerungsmittel des Kriegs-mnthes im Felde angewandt. Mit der zuneh-menden Verbreitung des B-gcnusses lernte manaber seinen Nachrheil bei zu starkem, rücksichts-losem und anhaltendem Gebrauche kennen. Im
15. Jahrh. erschienen schon Schriften dagegen, u.mehrere Regierungen fanden sich besonders im
16. Jahrh. veranlaßt, polizeiliche Maßregeln ge-gen den Mißbrauch des B-s zu treffen. Im
17. Jahrh. erlangte das technische Verfahren bei
der Bereitung des B-s immer höhcre'Grade vonVollkommenheit, und man benutzte in diesem n.dem folgenden nun eine Menge Vcgetabilien mitMehl- und Zuckerstoffen zu dessen Anfertigung.Der Mißbrauch des B-s als Gcnnßmittel riefspäter wieder B-verbote hervor, so in Preußenunter Friedrich Wilhelm I. für Potsdam; ebensobei Thencruugcn, um Roggen, Kartoffeln rc.durch B-brcnnen nicht dem eigentlichen Gebrauchezu Speisen zu entziehen. Aber die Verbote er-wiesen sich als unausführbar n. ungenügend, na-mentlich da sich die Getreidcprcisc ungeachtet der-selben nicht minderten; jetzt, besonders bei demB. ans Kartoffeln, würde dasselbe noch erfolglosersein. Außerdem greift die B-brennerei so tief inden größeren landwirthschaftlichcn Betrieb ein, daßsie sich ohne bedeutende Störungen u. Nachtheilenicht mehr davon lostrcnncn läßt, sowie auch dasInteresse vieler Regierungen der B-besteuernngwegen mit der Production des B-s eng verbun-den ist. ä.. Hetzer. IZ. Kunze.