Druckschrift 
Bd. 3 (1876) Baumpfähle - Brasilien
Entstehung
Seite
786
Einzelbild herunterladen
 

786

Brandt.

Holze, Ernten u. für solche Gegenstände gefähr-lichem Material Feuer anlcgte, mit dem Tode,indem das Gesetzbuch davon ansging, daß die B.Uo/on ä'assassinar sei; die im Jahre 1832 er-folgte Revision verließ diesen Standpunkt, indem siedabei Bewohnung der Gebäude durch Menschenoder wenigstens die Bestimmung dazu voraussetztc.In England beruht der Begriff der B. (^.rson)auf dem boshaften u. vorsätzlichen, auch wirklicherfolgten Anzünden von jederlei Art fremder Ge-bäude n. wird an Urhebern». Gehilfen als Felonie(vgl. Arrest cck snäx-smont), also mit dem Strangebestraft. Ein bloßer Versuch ohne Erfolg untersällthier ebenso wenig dem Begriffe der B., als dieFenerverwahrlosnng, welche nur alsEigcnthumsvcr-letznng, an Dienstboten mit Geldbuße bis 100Pfund oder 18 Monaten Corrcctionshaus bestraftwird. Absichtliche Anzündung des eigenen Hausesist schweres Polizeivcrgehen (Wsäsmoanour). wirdaber, wenn dabei die Gebäude Anderer mit ent-zündet werden, auch als B. bestraft. Vgl. Ed.Oscnbrüggen, Die B. in den StrafgesetzbüchernDeutschlands u. der Deutschen Schweiz, Leipz. 1851.

Grotefend.*

Brandt, 1) Sebastian, deutscher Dichter;s. Braut. 2) Heinrich v. B., prenß. Generaln. Militärschriftstcllcr, gcb. 1789 in WPrenßcn;verließ 1806 seine Studien in Königsberg u. nahmKriegsdienste gegen die Franzosen; nach dem Til-siter Frieden verabschiedet, trat er später in das2. polnische Weichselregiment u. ging mit nachSpanien; 1812 machte er den Feldzug in Ruß-land als Hauptmann mit, kehrte unter Poniatoswkidurch Böhmen zurück und nahm theil an derSchlacht bei Leipzig; 1815 trat er wieder in prenß.Dienste, ward 1829 als Lehrer an die Cadetten-schule nach Berlin berufen, bald darauf Majoru. Lehrer an der allgemeinen Kriegsschule, ging1831 zu Gncisenau nach Poseit, der ihn zu meh-reren Sendungen an Diebitsch, Paskewitsch undPahlen, sowie an die polnische Behörde in Kalischbrauchte; 4. October schloß er mit Wroniecki dieÜbereinkunft ab, nach welcher der polnischen Armeeder Übertritt aus prenß. Boden gestattet ward,n. leitete dann die Auswanderung der polnischenOffiziere nach Frankreich; 1840 wurde er Oberst-licntenant und Chef des Generalstabes des2. Armcecorps, 1842 Oberst u. 1848 General-major, 1850 Commaudant von Posen u. nahm1857 seinen Abschied. Seitdem lebte er als Ge-neral der Infanterie in Berlin n. wurde 1862Präses der Generalordenscommission. Er st. dort23. Jan. 1868. B. jchr.: Über Spanien, mitbesonderer Rücksicht auf einen etwaigen Krieg,Berl. 1823; Über die Dragoner als Doppclkämpfer,ebd. 1823; Ansichten über die Kriegführung imGeiste der Zeit, ebd. 1824; Handbuch für denersten Unterricht in der höheren Kriegskunst, ebd.1829; Geschichte des Kriegswesens des Mittel-alters, ebd. 1830; Taktik der drei Waffen, ebd.1833, 3. Anfl., 1859; Der kleine Krieg, 1837,2. A., Berlin 1850. Von den Grundzügen derTaktik der drei Waffen kam 1859 die 3. Ausl, her-aus; dieses Buch wurde auch ins Holländische,Spanische n. (1860) ins Japanische übersetzt.Rach seinem Tode erschienen Aphorismen über

bevorstehende Veränderungen in der Taktik (mitB-s Nekrolog), ebd. 1868, u. sein Sohn gab (ausseinen Tagebüchern und Aufzeichnungen) heraus:Aus dem Leben des Generals B., ebd. 1869, 2Bde., 2. A., 1870. 3) Heinrich Franz, Hos-mcdaillcnr n. Professor in Berlin, geb. 13. Jan.1789 in La Chaux de fonds; bildete sich bei Drozin Paris, ging 18141816 nach Rom u. wurde1817 Medailleur der königlichen Münzein Berlin,wo er 9. Mai 1845 starb. B. fertigte Denkmünzenauf alle bedeutende Ereignisse u. Personen seinerZeit, z. B. Medaillen auf Luther u. Calvin zurFeier des Reformationsfestes, ans Pins Vll. zudessen Rückkehr nach Rom. 4) Joseph, Schlachten-maler in München, ein rcichbegabter SchülerFranz Adams daselbst; behandelt meist historischeund Gcnrcstoffe aus seiner Heimath mit großerLebendigkeit. Am geschätztesten sind seine Kriegs-bildcr ans dem 17. Jahrhundert. Sein umfang-reichstes Bild ist sein Entsatz von Wien durchJohann Sobieski. 5) Joh. Friedrich v. B.,ausgezeichnet als Lehrer n. Schriftsteller, besondersim Gebiete der Botanik n. Zoologie, geb. 25. Mai1802 zu Jütcrbogk; bezog 1821 die Hochschulezu Berlin zum Studium der Medicin n. Natur-wissenschaft, veröffentlichte 1825 seine bllora. Lsro-linonsis (Berlin) u. 1826 als Dissertation seineObssrvationss anatornieas äs mawnmlium guo-runäam voois Instruments, 4° m. Taf. In diemedicinische Praxis übergegangen, wandte er sich,veranlaßt durch die mit Ratzeburg (s.d.) begonneneHerausgabe der Medic. Zoologie, dem genauerenStudium der vcrgl. Anatomie n. der angewandtenBotanik zu. Nachdem er 1828 Privatdoccnt inBerlin geworden war, erschienen von ihm Tabellenzum Bestimmen der Pflanzen, einige Hefte derArzncigewächse der prenß. Pharmakopoe u. derdeutschen Giftgewächse. 1830 als Direktor desZool. Museums nach Petersburg berufen, siedelteer 1831 dahin über. Innerhalb der 43 Jahre,die er daselbst lebte, erschienen von demselben weitüber 200 Abhandlungen aus den verschiedenstenZweigen der Zoologie, der vergleichenden Anato-mie n. Paläontologie. Dabei war er 25 Jahrehindurch als Professor der Zoologie besonders ander Medicinische» Akademie in Petersburg thätig.Die Schriften finden sich verzeichnet im 6atalo§uovk soisntilis paxiors, 180063 hcransgcg. vonder Königlichen Gesellschaft in London, 1867, S.570577, n. im ll'alä. Avusral äs inatiöros aon-tsnuos äans Iss puläioations äs l'L.a. Amp. äs8t. I'otsrsbonrA, 1. Bd., 1872, S. 19193, zuwelchen als später erschienen noch kommen:Untersuchungen über die fossilen und snbfossilenCetacecn Europas, St. Petcrsb. 1873, 4" mit34 Taf., und Ergänzungen dazu 1874, 5 Taf.,sowie die Cetaceen des Wiener Beckens (Sitzungs-bericht der Wiener Akademie, 1872 und 1874).6) Alexander Julius, Sohn des Vor., Privat-docent an der Petersburger Universität n. Conser-vator am Zoolog. Museum der Kaiser!. Akademieder Wissenschaften, geb. 28. Februar 1844 zuSt. Petersburg; studirte daselbst an der Medico-chirnrg. Akademie, promovirte 1867, trieb zoolo-gische Studien an deutschen Universitäten, besondersunter der Leitung Rud. Lcuckans. Seine Arbeiten