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Bd. 3 (1876) Baumpfähle - Brasilien
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Bayern (Geich, von j870).

Beweis des entschiedensten Mißtrauens gegen diePolitik des Fürsten Hohenlohe n. des Widerwil-lens gegen die Alliauzverträge mit Preußen, u.stimmten diesen Äußerungen auch selbst die Oheimedes Königs, die Prinzen Luitpold u. Adalbert, derBruder des Königs, Prinz Otto n. die anderen4 in der 1. Kammer anwesenden Prinzen zu.Der König empfing die ALreßdeputationen nicht,ließ sich aber die Adressen einsenden n. gab seinerAnschauung dadurch Ausdruck, daß er den Prin-zen bedeuten ließ, sie seien bis ans Weiteres vomBesuche bei Hof dispensirt, die Minorität derNeichsrüthe u. das Ministerium aber besondersauszeichnete. Jndeß lag doch klar, daß bei sol-cher Stimmung der Kammern ein Zusammen-wirken der Regierung mit den Ständen unmöglichsei, u. so wurde am 7. März auch das Entlassungs-gesuch des Fürsten Hohenlohe vom König ange-nommen u. das Auswärtige dem Grafen Brayübertragen, der die Aufrechterhaltung der Allianz-u. Zollvcrträge, aber auch Wahrung der Selb-ständigkeit B-s als sein Programm bezeichnet,:.Die Kammer war eben bei Bcrathnng des Mili-täretats n. im Begriffe, aus die Anträge des Abg.Kolb, des Statistikers, die Militärverwaltung zueiner anderen Hceresverfassung zu drängen, unterWehrhaftmachung aller jungen Männer, aber mitkurzer Präsenz, u. unter Beseitigung nutzlosenAufwandes, als die französische Kriegserklärungsie zwang, davon abznstehen. Der König wolltesich nicht vom übrigen Deutschland trennen, gabam 16. Juli den Befehl zur Mobilisirung derArmee n. ließ am 18. durch den Kriegsministereinen Militärcrcdit von 26,700,000 fl. fordern.Unter der furchtbarsten Aufregung im Sitzungs-saal, auf den Tribünen u. vor dem Ständehansekam der Beschluß zu Stande, daß für den Fallder Unvermeidlichkeit des Krieges 5,600,000 fl.für einmalige außerordentliche Bedürfnisse, fürden Unterhalt des Heeres aber 12,660,000 fl. bisletzten Oct. 1870 zu bewilligen seien. Am 20. Julierklärte B. seine Bereitwilligkeit, an der SeitePreußens gegen Frankreich zu kämpfen, u. am27. Juli übernahm bereits der Kronprinz vonPreußen das Commando über die der drittenArmee zugewiesenen bayerischen Truppen. Be-kannt ist die überaus tapfereHaltung derBayernimKriege u. ihr brüderliches Verhältnis; zu denpreuß. u. übrigen deutschen Truppen. Währenddes Krieges kam naturgemäß das künftige Ver-hältnis; zum Nordbunde zur Sprache. Bei dendesfalls gepflogenen Besprechungen mit dem preu-ßischen Minister Delbrück stellte die bayerische Re-gierung eine selbständige Verwaltung der Armeen. des Verkehrswesens, eigene Steuern u. eigeneGesetzgebung, besondere Berücksichtigung bei derLeitung der auswärtigen Politik, ein Veto gegenalle Verfassungsänderungen u. Befreiung vonBeiträgen zu den Kosten der deutschen Flotte alsBedingungen seines Anschlusses an den Nordbnnd:Bedingungen, die man in Versailles unannehm-bar fand; erst als die Anträge der übrigen süd-deutschen Staaten zur Aufnahme in den Bunddort angenommen waren, besann man sich inMünchen eines Anderen, u. reisten die MinisterBray, Lutz u. Prankh (Krieg) nach Versailles,

um dort neue Verhandlungen zu beginnen. Aberimmer waren die bayerischen Forderungen noch zuhoch, so daß, während die Abschlüsse mit den an-deren Staaten bereits theils vollzogen, thcils nahebevorstehend waren, beinahe ein Abbruch der Ver-handlungen zu befürchten stand. Um nun aber nichtisolirt zu stehen, ließen die Minister sich zu Con-cessionen herbei, u. kam am 23. Nov. 1870 derVertrag zwischen B. u. dem Nordbunde zu Stande,durch welchen B. sich immer noch seine eigeneDiplomatie, die Verwaltung der Armee, der Post,der Telegraphie, der Eisenbahnen, besondere Bicr-u. Branntweinbesteuernng, sowie Unabhängigkeitvon den Bestimmungen der Bundesverfassungüber Heimaths- u. Niederlassungsverhältnisse vor-behielt. Der Vertrag, vom Reichstage 10. Dec.angenommen i wurde 14. Dec. den bayerischenKammern unter wärmster Empfehlung von denMinistern vorgelegt, nachdem bereits 4. Dec.1870 König Ludwig II. die deutschen Fürsten anf-gesordert hatte, dem König von Preußen den Titeleines deutschen Kaisers anzutragen. Jndeß ver-zögerte die patriotische Partei in der 2. Kammerdie Annahme der Verträge bis in die zweiteHälfte des Januar; ja, es stand sogar ein Jörg-scher Antrag zur Verhandlung, dwVerträge zu ver-werfen u. mit dem künftigenDentschen Reiche einenweiteren Bund abzuschließen auf Grund der innerenAusbildung des Allianzvertrages u. der Ausdehn-ung der durch denZollvcrcinsvertrag geschlossenenverfassungsmäßigen Verbindung. Indessen halfalles Widerstreben Nichts; die nationale Ström-ung machte sich doch schließlich geltend, u. am 21.Jan. wurden die Verträge nach lOtägiger Ver-handlung mit 100 gegen 48 Stimmen angenom-men. Die 1. Kammer hatte dieselben bereitsam 30. Dec. 1870 genehmigt. Ebenso wurdetrotz aller Gegenreden n. Gegenanträge der vonder Regierung verlangte Militärcrcdit (41 Mill.)mit 146 gegen 4 Stimmen angenommen. Dieübrigen Landtagsverhandlungen boten kein Inter-esse mehr; die Session schloß am 18. Febr. Am3. März fanden die Neichstagswahlen statt: esstanden sich nunmehr Liberale u. Patrioten ge-genüber, u. siegten diesmal die Ersteren, da sie30Manvate erhielten, dieLetzteren dagegen nur 18.Noch war aber der Krieg gegen Frankreich nichtzu Ende, als ein neuer, gegen das Papstthum,hereinbrach. Durch die Aufstellung des Glaubens-satzes der päpstlichen Unfehlbarkeit im Vaticani-schen Concil wurde namentlich ein zwar wenigzahlreicher, aber ungemein einflußreicher Theilder Bevölkerung B-s lebhaft erregt. Die Univer-sität München zählte schon 24. Juli 1870 44Lehrkräfte, welche sich offen gegen die Ökumenici-tät des Vaticanischen Concils u. gegen die Unfehl-barkeit erklärten, u. die Regierung untersagte 9.Aug., die ConcilSbeschlüsse ohne ihre verfassungs-mäßig festgestcllte Genehmigung bekannt zu machen.Glcichwol veröffentlichten die bayer. Bischöfe dieConcilSbeschlüsse thcils von der Kanzel, theilsdurch das Pastoralblatt, trotzdem sie großentheilsnoch vor Kurzem gegen das Dogma gestimmthatten; der Bischof von Regensburg protestirtegegen das Regierungsverbot, u. der Erzbischof vonBamberg bedrohte sogar schon die Gegner des