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Bayern (Rechtspflege, Final
sowie Landgerichte die Acte der sogen, freiwilligenGerichtsbarkeit (Vormundschaft, Pflegschaft, Ver-lassenschaften, Hypotheken- u.Depositcnwescn) nebenAbnrthcilnng über Streitigkeiten geringerer Art u.geringerer Strafsachen. Die übrigen Geschäfte derfreiwilligen Rechtspflege werden durch die Notarevorgenommcn (Notariatsgesctz vom 1. Nov. 1861).Im Civilverfahrcn bildet die Grundlage die Civil-proceßordnnng von 1869, welche an die Stelle desalten 6väcx juris bavarici juciiciarii von 1753trat. Das Hypothekenwcsen ist für die rechts-rheinischen Landesthcile geordnet durch Gesetz vom1. Juni 1822 nach einem Entwürfe Gönners(vgl. Lechncr, Lehrb. des Hypothckenrechtes, Snlzb.1838); für die Pfalz gellen noch die Bestimmun-gen des französ. 6vcks civil. Das Civilrccht inden 7 rechtsrheinischen Kreisen beruht auf den ver-schiedenartigsten Unterlagen der Provinzen undOrte; Ober- u. Nieder-Bayern, der Ober-Pfalz u.Negensbnrg gemeinschaftlich ist das alte Landrechtvon 1616 (Commentar von B. Schmidt, ebd. 1695,Fol., 3 Bde.) mit dem verbesserten od. OockcxLI aximiiiancns zuris bav. civilis von 1756 (abge-sagt n. heransgeg. von Kreitmayr, Münch. 1788,Fol. u. 80, dessen Anmerkungen, ebd. 1758, Fol.n. 8", 5 Bde., fast gesetzt. Ansehen genießen) nebstden neueren Novellen (heransgeg. von Moritz,Memming. 1820). Im Bambergischcn gilt dasBamberger Recht, in den ehemals Brandcnburgi-schcn Theilen, resp. Ansbach n. Bayreuth, dasPreußische Landrecht, in der Pfalz der französischeOocls civil. Dem Gemeinen Rechte sich meist an-schließend, ist das Bayerische Recht eigcnthümlich inden Bestimmungen über Adel, Siegelmäßigkeit,Familicnfideicommisse und das Hypothekcnrecht.Schriften über Bayer. Civilrccht: Kreitmayr, Ein-leit., Münch. 1768; v. Krüll, Handb. des Bayer.Bürgerl. Rechtes, Landsh. 1808; Gründler,Einleit.,Erlang. 1817. In allen 7 östlichen Provinzengilt das Lchncdict vom 5. Juli 1808, mit Revisionvon 1828, jedoch mit den tief eingreifenden Mo-dificationen der Gesetzgebung von 1848 (vgl. Mos-hammer, Grunds, des Lehnrechtes, Landsh. 1814;Mayr, Handb. des Lchnrechtes, ebd. 1831). Fürdas Wechsel- u. Handelsrecht gilt das Gesetz, betr.die Einführung der Allg. Deutschen Wechselordnung,der Nürnberger Wechselnovellen n. des Allgem.Deutschen Handelsgesetzbuches, sowie das Gesetz,betr. die Errichtung eines obersten Gerichtshofesfür Handelsjachen laut Gesetz vom 22. April 1871.Die Grundlage des Criminalrcchtes bildete früherdas von Feuerbach verabfaßte Strafgesetzbuch von1813 (gesetzt. Anmerk, zu dems., Münch. 1813,3 Bde.) nebst den dazu erschienenen zahlreichenNovellen, dann ein sehr humanes «Strafgesetzbuchvon 1861, bis zu der 26. Dcc. 1871 verordnetenEinführung des Deutschen Reichsstrafgesctzbnchesvon 1870. Das Verfahren in Strafsachen istöffentlich u. mündlich, für Verbrechen n. Preßver-gchcn mit Schwurgerichten. Die Polizei wird aufdem flachen Lande u. in den kleineren Städtenvon den Bezirksämtern, in den unmittelbarenStädten von den Magistraten gchandhabt.
Finanzen: Die Staatseinnahmen und Aus-gaben betragen 1875 212,51,868 Li. Unter denEinnahmen fignriren die Lirecten Steuern mit
izcn, öffentliche Anstalten rc.).
18,730,123 (11,438,323 Grundsteuer), die indirec-tcn mit 33,246,343 (Malzaufschlag 17,727,137),die Staatsregalicu n. Anstalten mit 76,911,240(Salinen n. Bergwerke 8,788,245, Eisenbahnen58,281,257, Post 7,705,261 rc.), die Staatsdomä-nen mit 36,212,277, der Betrag aus der Rcichs-kasse für das Militärcontingent mit 34,580,760 Li.Unter den Ausgaben: Staatsschuld 27,581,400,Civilliste u.Apanagcn5,415,470, Justiz11,764,618,Ministerium des Innern 18,209,522, Cultns18,476,318, Militär-Etat 34,580,760, Vcrwalt-nngskosten 75,205,274 Li. Die Staatsschuld be-trug 1873 793,147,215 Li (allgem. Staatsschuld232,399,043, Eiseubahnschnld398,345,143, Grund-rentenablösungsschuld 162,403,029). — Im Bun-desrathe des Reiches ist B. durch 6 Mitglieder, imReichstage durch 48 Abgeordnete vertreten. ImAusschüsse des Bundcsrathes für das Landhccr n. dieFestungen hat B. einen ständigen Sitz u. führt imAusschüsse für auswärtige Angelegenheiten den Vor-sitz. Für geistige Bildung sorgen: die Akademieder Wissenschaften, zahlreiche wissenschaftliche Ver-eine in allen Hauptstädten der Provinzen (bes.Historische Gesellschaften, u. unter ihnen das Ger-manische Museum zu Nürnberg, mit dem dasbaycr. Nationalmnscnm in München concnrrirt);Gewerbevcrcine, Industrieausstellungen, landwirth-schaftl. Vereine; zweckmäßige Unterrichtsanstalrcn:3 Universitäten (München, Würzbnrg, Erlangen),erstcre 2 mit kathol., letztere mit cvang. theolog.Facultät), 9 Prieslerscminaricn, 8 Lycecn u. 28Gymnasien, 96 vorbereitende lateinische Schulen,10 Schnllehrerseminaricn und 35 Präparandcn-schulcn, 3 Polytechnische Schulen (München, Augs-burg, Nürnberg), 6 Realgymnasien, 4 Industrie-schulen, 36 Gewerbeschulen, davon 3 mit land-wirthschaftlicher und 22 mit Handelsabthcilnng, 3Baugewerkschnlen, 2 Kunstgewerbschulcn in Mün-chen n. Nürnberg, 2 städtische Handelsschulen indenselben Städten, 1 landwirthschastliche Ccntral-anstalt in Weihcnstephan, 1 Centralforstlchranstaltin Aschaffenbnrg, 1 Central-Thierarzncischnle inMünchen, 3 Hebammenschulcn, 3 Blinden-, 20Lanbstummen-Jnstitnte, berühmtes Irrenhaus inWürzbnrg, 7113 Volks- und Sonntagsschnlen,die Militärbildnngsanstalten (das Cadettencorps,Kriegsschule, Artillerieschule in München) rc. ImZeiträume von 1860 hatten unter den Conscribirtei;9,« "Zu eine mangelhafte Schulbildung; 1875 stellt;sich dieses Verhältnis; in den einzelnen Regierungs-bezirken, wie folgt: Ober-Bayern 3,2, Nieder-Bayern5,v, Pfalz 13,„ Ober-Pfalz 10,Ober-Franken 7,2,Mittel-Franken 2„, Unter-Franken 4,2, Schwaben2,g. Bildnngsvercine bestanden in B. (1873) 1914.Bedeutend wird auch die Kunst unterstützt: Mün-chen hat eine Akademie der bildenden Künste (seil1808); die Glyptothek u. die beiden Pinakothekenenthalten die trefflichsten Sammlungen, so auch dieGemäldegalerien von Schleißheim, Augsburg undNürnberg; zweckmäßige Schulen sind für jedenZweig der bildenden Kunst vorhanden. Neben derStaatsbibliothck in München, mit welcher an Um-fang im Deutschen Reiche nur diejenige von Berlinwetteifert, gibt es 28 öffentliche Bibliotheken in B.Übung der Religion ist frei. Seit dem Regierungs-antritte des Königs Ludwigs I. sind nach einer bis