Druckschrift 
Bd. 3 (1876) Baumpfähle - Brasilien
Entstehung
Seite
20
Einzelbild herunterladen
 

20

Bayern (Statistisch).

bindung, welcher den Fränk. Jura überschreitet.Rechts fließen noch in den Main die Frank. Saaleu. Kinzig u. links die Tauber. Abgesehen vomMaingebiete berührt B. das Gebiet des Rheins mitder SWEcke des Ostlandes am Bodensee, wo indiesem die Insel Lindau nahe am Ufer liegt, n.mit dem ganzen Westlandc (Rheinbayern oderPfalz), welches den Rhein an der OGrenze hat,der hier die Lauter u. Queich empfängt u. imNW. an die Nahe stößt. Die malerischsten n. anNatnrschönheiten reichsten Gegenden B-s sind die desAlpenlandes vom Bodensee bis zur Salzach. Vul-canischcn Ursprunges die Hohe Rhön, reich anBasalt n. Porphyrschiefer; Gneis u. Granit bildenden Kern des Böhmerwaldcs; der bunte Sand-stein herrscht im Spessart vor, ebenso im Haardt,Lias im Naabthal, Muschelkalk in den ThälernUnter-Frankens. Die Bayer. Hochebene gehört derTertiärformation an, 'enthält aber zwischen demMolasscsandstcin auch Thon-, Nagelflue- u. Kalk-bildungen n. ausgedehnte Sumpffläch cn (Moore u.Moose). Das Klima B-s ist im Allgemeinengemäßigt «.gesund; das rauheste haben selbstver-ständlich die Alpcngegendcn, des mildesten erfreutsich die Pfalz; das Donaugebiet hat häufig bedecktenHimmel. Die wichtigsten Producte des Landessind vor Allem landwirthschaftliche, u. zwar be-trug die Ernte nach möglichst genauer Aufnahme1863 in DM. Scheffel: Weizen 1,^2, Roggen 3,,g,Spelz 2,, Gerste 2,^, Hafer 4,r, an Kern-früchten überhaupt 15,ferner Kartoffeln 10,,,;in Mill. Ctr.: Heu 51,Rüben 13,2 g, Kleel5,g2, Flachs n. Hanf 0,, Hopfen (Mittel-Fran-ken) 0,2g, Tabak 0,^, (pro 1872: 0,2g, davon0,2g allein in der Pfalz); der Weinbau lieferte954,023 Eimer (davon H allein in der Pfalz,Nest Unter-Franken); endlich viel Holz, da ^ desGcsammtarealS von B. Wald ist. Von Minera-lien finden sich Stein- u. Qnellsalz zu Berchtes-gaden, Traunstein, Neichenhall, Roscnheiiu, Dürk-heim und Kissingen (1873 959,486 Ctr.), Eisen(1873 2,303,383 Ctr.), Marmor und Kalksteine(zum Lithographiren), Serpentin, Alaun, Stein-kohlen (1873 8,651,566 Ctr., im Werthe von5,581,056 N), Braunkohlen, Graphit, Ocker undFarbcnerde, Porzellanerde, Thouerde, Schiefer rc.Im I. 1873 waren 330 Bergwerke u. 7 Salinenim Betriebe, deren Producte einen Werth von8,499,968N repräsentirten. Unter den Mineralquel-len sind die von Kissingen die bedeutendsten. Die ge-nannten Salinenorte haben Kochsalzquellen; außer-dem gibt cs zahlreiche Schwefel-, Jod- u. Eisen-quellen in Abbach, Hailbroun, Tölz, Alexanderbad,Brückenau rc. Das Thierreich liefert Wild, dasjedoch in Abnahme begriffen ist, u. Vieh. DieEinwohner gehören im eigentlichen B. (Ober- u.Nieder-B. n. Ober-Pfalz grüßtentheils) dem bayer.,im SW. zwischen Bodensee, Iller u. Lech demschwäb., im N. des Landes, mit Einschluß derPfalz, dem frank. Stamme an, u. ist der Contrastzwischen denselben ein sofort in die Angen fallen-der: der Altbayer, naturwüchsig, krästig, offen u.zuverlässig, aber streitsüchtig u. geistig langsam,unterscheidet sich damit wesentlich vom Schwaben,der, schon geistig beweglicher, einfach u. genügsam,das Möglichste aus Gemüthlichkeit hält, noch mehr

aber vom Frauken n. Pfälzer, der voll Rührigkeitn. Unternehmungsgeist, geistig geweckt u. heiter,immer Neuerungen zugänglich, u. namentlich ist derPfälzer höchst wanderlustig. Die Zunahme derBevölkerung gestaltet sich folgendermaßen: 1818betrug die Volkszahl 3,707,966, 1827: 4,044,569,1837: 4,315,469, 1846: 4,504,874, 1852:

4,559,452, 1855: 4,441,456 (Abnahme) u. 1871 u.1874 4,863,450. V011I8I858 betrug die jährlicheZunahme 0,52 pCt., 185871 zusammen 5 pCt.oder jährlich 0,g pCt. Die Dichtigkeit der Bevöl-kerung ist am stärksten in der Pfalz (104 Seelenauf den lUkm), dann in Ober- n. Mittel-Franken(je 77), Unter-Franken(70), Schwaben (61), Nieder-Bayern (56), Ober-Pfalz (51) u. am schwächsten inOber-Bayern (49); die mittlere Zahl für ganz B.ist 64 Seelen auf den fDficm. Die Geschlechterbeziffern sich in der Bevölkerung B-s so, daß1871 neben 2,357,281 männlichen Personen(48,2 2 °/°) 2,494,745 weibliche (51,2 2 °/°) gezähltwurden, wozu jedoch noch 11,257 männl. u. 147weibl. Individuen bei der Occupationsarmee inFrankreich kamen. Im I. 1872 wurden 201,476Geburten u. 159,364 Todesfälle neben 52,045Eheschließungen bekannt. Die Zahl der unehelichGeborenen, die 1860/68 noch 22,2 °/-> betrug, hatsich bis 1872 auf 14,,"/» vermindert. Von 1861/62bis 1872 sind aus B. 64,822 Personen aus-, da-gegen 21,190 eingewandert. Die Auswanderunghat gegen die früheren Perioden ab-, die Ein-wanderung bedeutend zugenomnien. Ortschaften(wobei jedoch jedes einzeln stehende Haus miteigenem Namen besonders gerechnet) zählt B.45,574, welche 8042 Gemeinden bilden, darunter237 Städte, die meisten in Unter-Franken (41), diewenigsten in Nieder-Bayern (13). Städte über

40.000 Ew. gibt es nur vier (München, Nürn-berg, Augsburg und Würzburg); weitere über

20.000 Ew. nur drei (Negensburg, Bamberg u.Fürth), über 10,000: 13, über 5000: 25; über3000: 37. Nach der Religion zählt man in B.

з, 464,364 Katholiken, 1,342,592 Protestanten,5453 Sectenglieder u. 50,662 Juden. Die Pro-testanten zählen O,, pCt. in Nieder-, 3,4 in Ober-Bayern, 8,2 in der Ober-Pfalz, 13 in Schwaben,I7,g in Unter-Franken; die Mehrheit bilden sie inder Pfalz mit 54,2, in Ober-Franken mit 56,,,

и. in Mittel-Franken.mit 76,, pCt. Nach der Be-schäftigung lebten 1852 von je 1000 Ew. 679von der Landwirthschaft, 227 von Industrie undHandel, 55 von Renten, Ämtern, Kunst, 39 Mi-litär rc. Die Hauptcrwerbszweige sind Land-wirthschast u. Viehzucht. Auf das Gesammt-areal kommen 40,, pCt. Ackerland, 32 pCt. Wald-ungen, 16,g pCt. Wiesen, 3,, pCt. Weiden u.2,z pCt. Gärten. Am fruchtbarsten sind die Pfalzu. Schwaben. Die bedeutendsten Wiesen besitzenOber-Bayern u. Schwaben. In der Pfalz u. Unter-Franken ist der Grundbesitz stark zersplittert, wäh-rend in Ober- u. Nieder-Bayern und SchwabenGroßgrundbesitz vorherrscht. Der Obstbau wirdhauptsächlich in Franken, in der Pfalz, in Nieder-Bayern (au der Donau) u. am Bodensee betrieben.Tabakbau in der Pfalz u. Mittel-Franken, Hopfen-bau in der sogen. Holledau, einem hauptsächlichNieder-Bayern angehörenden, aber auch noch nach