Baumwolle.
allen Ländern steht England in der Baumwollen-indnstrie fowol in Betrcfs der technischen Ausbild-ung n. Vollkommenheit, als auch hinsichtlich derProdnctionsmeuge oben an. Indessen ist esmehreren anderen Landern doch gelungen, sich vonder früheren Abhängigkeit von der britischen In-dustrie mehr oder weniger zu befreie», u. Frank-reich, Deutschland, die Schweiz, auch Belgiennehmen nicht nur lebhaft theil daran, andereVölker mit ihren B-nwaaren zu versorgen, sondernin einzelnen Artikeln übertrefsen auch Deutschlandu. Frankreich die Engländer (in bnntgcwebten n.vielen gemusterten Modewaaren), sowie es diesenauch NÄmerika in seinen Domestics znvorthnt.Nur in Twistfabrikation, best in den feineren Num-mern, behauptet England noch seine Überlegenheitn. Unentbehrlichkeit.
Fabrikation. Stammt auch die Baumwolleans Asien, wo sie seit uralten Zeiten der Mehrzahlder Menschen zur Bekleidung dient, so gewannihre Benutzung in Europa nicht bloß langsamBoden, sondern die Verbreitung des Rohstoffeserfolgte auch im Großen vom Westen, von Amerika,also der Neuen Welt, her. Die ersten Anfängeder Banmwollenfabrikatiou fallen in Großbri-tannien in die erste Hälfte des 17. Jahr-hunderts, wo die Stadt Manchester in LondonB., die aus Smyrna u. Cypcr» kam, anfkanfte,solche zu Barchent, rolhen Tüchern, geköperten undanderen Zeugen verarbeitete und dann wiedernach London zum Absätze schickte. Zwar wirdschon früher des Kattuns, des baumwollenenSammets, Barchents rc. in Manchester erwähnt;jedoch wurden diese ganz aus Schafwolle sabri-cirten Stoffe wahrscheinlich baumwollene deshalbgenannt, weil die aus Indien n. Italien impor-tirtcn B-nstoffe dabei zum Muster gedient hatten.Bis um 1773 war nur der Einschlag aus B.,aber der Aufzug ganz ans flächseuem Garne, dasbcs. aus Irland n. Deutschland cingeführt ward.JnfolgederAuwendung der Maschinen u. der massen-haften Einfuhr von Roh-B. aus Amerika sind diePreise des B-ngarus u. der B-uzcnge immer billigergeworden, mit Ausnahme der Periode des Amerik.Bürgerkrieges n. der neuesten Zeit. Der ältesten. wichtigste Sitz der B-nfabrikation ist Lancashire(Manchester, Oldham, Rochdale, Bolton rc.),dann Cheshire, Dorkshire rc. In Frankreichhat sich die B-nindnstrie immer mehr entwickelt,jedoch nicht ohne Krisen n. Erschütterungen. InÖsterreich sind Böhmen n. NicLcr-Österreich diewichtigsten Theile bezüglich der Baumwolleuindn-strie. Im Deutschen Zollverein hat sich dieB-nindustrie sehr bedeutend entwickelt. Rücksicht-lich der einzelnen Staaten ist in Preußen dieB-nspinnerei am bedeutendsten in den Regierungs-bezirken Düsseldorf, Köln u. Koblenz; die Webereiin den Regierungsbezirken Breslau, Düsseldorf(mit Ausnahme der Kreise Rees n. Kleve), Sach-sen, Brandenburg, Westfalen; in Bayern sinddie wichtigsten Sitze der B-nindustrie Augsburg,Hof, Bayreuth, Kempten; im Königreich SachsenOberlausitz, Voigtland u.Erzgebirg. Größere Fabrik-geschäfte bestehen für Kattune n. leichte baum-wollene Zeuge in Aue, Ebersbach, Auerbach,Falkeustein, Lengefeld, Plauen rc., für Piques,
Barchente n. schwere B-ngewebe in Mittweida,Waldhcim, Hohenstein, Kallenberg rc., und fürbaumwollene Buntweberei in Chemnitz, Frauken-bcrg, Sebnitz, Ölsnitz, Lößnitz, Zittau, Ebcrsbach,Seifhennersdorf u. mehreren anderen Orten derOber-Lausitz; ungemein ausgebildet ist die B-u-Jn-dustrie im Elsaß, namentlich in Mülhausen.Belgien hat seine Hauptspinnereien in und beiGent, dann folgt OFlandern, Hennegan, Lüttich,Verviers, Ardenne, Brüssel mit Umgebungen rc.In der Schweiz sind die Hanptsitze der B-n-mauufactnr die Kantone Zürich, St. Gallen,Appenzell Außer-Rhoden, Thurgau und Aargan.Spanien bezieht ungeachtet seiner bedeutendenFabriken in Catalonicn, auf den Balearen undeinem kleinen Theil von Valencia doch über
seines Verbrauches an B-uwaaren vom Aus-lande. In Italien sind im 'Neapolitanischendie B-nwebcreien jetzt nicht unbedeutend; bedeu-tende Spinnereien befinden sich zu Scafati undPiedimonte; das eigentliche Piemont besitzt grö-ßere B-nmanufacturen zu Genna, Rapallo, Sta.Margherita rc., führt jedoch noch viel baum-wollene Waarcn ei». Im übrigen Italien ist dieB-nindnstrie ebenfalls nicht von Bedeutung, undnur Toscana u. Lucca besitzen einige größereEtablissements hierfür.
V. Statistisches. Nächst dem Getreide ist dieBaumwolle das wichtigste Product der Laudwirth-schaft auf der Erde. Man begreift dies, wennman erwägt, daß die Bevölkerung jener beidenLänder, welche zusammen über die Hälfte allerErdbewohner umfassen —- China u. Indien —sich größtentheils ausschließlich in B. kleidet, wozudann noch in der Neuzeit die ungemein großeVerbreitung baumwollener Stoffe in den Cultur-ländern kommt. Selbstverständlich kann eine Be-rechnung des Umfanges der B-en-Prodnction nurein höchstens anuähernd richtiges Resultat liefern.Am wahrscheinlichsten dürfte die Annahme einesmittleren Jahreserträgnisscs von 45 Will. Zoll-ccutner fein, wovon gegen 20 Mill. durch dieeinheimische Bevölkerung der Productionsländer,namentlich in Asien, mit der Hand versponnen,25 Mill. aber au die europäischen u. nordameri-kanischcu Maschincnspinnereien abgeführt werden.Der Verbrauch für Hand- n. Maschincuspinnerciin Nordamerika dürfte zu 5 Mill. Centner anzn-nehmcu sein. Vor dem Amerik. Bürgerkriegestammten mehr als zwei Drittheile der nach Europagebrachten Rohbaumwolle-Ballen aus Len Ver-einigten Staaten. Die durch die bezeichnet«!Wirren herbeigeführte Störung brachte die dortigeProduction auf ein Minimum herab; die Schä-digung traf keineswegs die Productionsländerallein: die Gebiete, in denen die Bevölkerung vonVerarbeitung der V. lebt, litten darunter nichtminder. Nun wurde der B-nbau rasch und ingroßer Ausdehnung in verschiedenen Ländern culti-virt, ans denen bis dahin von diesem Productwenig oder nichts nach Europa gekommen war.In Östindien, Ägypten, anderen Theilen der Le-vante und Brasilien entstand durch den infolgedessen Plötzlich herbeigeführten Geldzufluß vielfacheine Art socialer Revolution; es besserte sich un-erwartet u. stark die finanzielle Lage eines großen