Druckschrift 
Die Mosel-Lieder
Entstehung
Seite
106
Einzelbild herunterladen
 

Wie arm auch dieser eine, wie reich ich selber bin,

Ich Hab ihn schon gefunden, unbeugsam ist mein Sinn!

Was ihr Vormund gcrathen, an Muken auch ersann,

Nicht macht es ihr entfremden den armen Rittersmann.

Gleich als sic mündig worden, der reichen Eltern ErbBesaß, schrieb sie zur Ferne um reicheren Erwerb,

Dem treuergebnen Ritter schrieb sie den Liebesbrief,

Der ihn mit Windeseile von Trier herniederrief.

Sie stand am User harrend, gewahrt' der Segel ZugUnd winkte froh willkommen mit ihren: weihen Tuch

lind breitete die Arme. Wie das der Ritter sah,

Glaubt' er sich schon dem Hafen des reinsten'Glückes nah,Sprang über Bord vergebens der Sprung war allznkühn,Sie griff nur in die Lüfte, sah untertauchen ihn!

Unmöglich war das Schwimmen in schweren: Eiscnkleid,

Und fruchtlos rief nn: Hülfe die reiche arine Maid.

Als er zu Tag gezogen von Fischern, ach, war schonAus seinem starren Leichnam das Leben ganz entfloh::.

So soll ich denn nicht selig mehr sein in dieser Welt,

Soll ich ihn erst mein nennen dort überm Sternenzelt,

So null ich stets hier beten für den geschiednen Tren'n,

Mein Gut zu Gottes Dienste, mein Leben einzig weih'n!"

Da legte sic zun: Stifte ergeben auch den Grnnd.

Bald sproßten Thürme, thaten sich Glockenrufe kund,

Bald strahlten edle Zinnen und Bogen am Gotteshaus,

Viel hohe Gestalten zogen die Hallen ein und aus.