Druckschrift 
Die Mosel-Lieder
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

56

Dort höher im Gebirge triffst du in WalbcsnachtEin Fclsgethürm, durchklüftet mit seltner HöhlcuprachtDie Thalbclvohnern einstens die Opfcrstätte bot,

Die Zilflucht ihnen sichert', wenn sie vom Feind bedroht.

Die Thürme mm verschwinden, Marks Berg noch ferne ragt,Ans dem das Volk vor Zeiten die Schickung ernst befragt;

Es rollte flammende Räder bergab bis zu dem Fluß,

Aus deren Lauf der Priester zog den ersehnten Schluß.

Jetzt grüße ich schon Pfalzel °), beschau den Trümmerhauf,Der eh als Pfalz der Köngc zum Himmel ragte auf.

In jenen Zeiten schlossen Hofstädte noch nicht einDen tapfer» deutschen König, nicht bannten Schwelgerei»

In glanzcrfülltc Schlösser, in seinen Schranzenschwarm,

'Roch sog er in Banketten nicht ganze Länder arm;

Frei zog er durch die Lande fürbaß von Gau zu Gau,

Wo seines Landes Nothdnrft und Wohl nur seine Schau.

So wie die Sonne wandert tagtäglich um die Welt,Verwechselt' auch der König tagtäglich Dach und Zelt,Erwärmend und belebend der Himmclssounc gleich;

Die cinzge Stadt des Hofes war da das weite Reich.

1) Die Hochburg bei Lorich.

2) Pfalzel ein Städtchen, das um eine»: Kvnigshof erwuchs, in dem Adela,Dagoberts Tochter, ein Frauenkloster stiftete.