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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
Seite
772
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772 Jntestabel Inti-r

Jntestabel (v. Lat.), unfähig, ein Zengniß ab-zulegen od. ein Testament zu machen.

Jntestaterbfolge (Luooessio ad iutsstato,8. legitim», Iloiöäiias justa), die Erbfolge inder Verlasseuschast desjenigen (Intestatus), derentweder ohne Hinterlassung eines von ihm selbstod. für ihn von einem anderen dazu Berechtigtengetroffenen giltigen Testaments gestorben ist, sodaß nun durch die unmittelbare Verordnung derGesetze die Erbfolge bestimmt wird. Der in einesolche I. Eintreteude heißt Jntestaterbe, s. u.Erblichkeit u. Erbrecht.

Intestinum (v. Lat.), das Eingeweide; imanat. Sprachgebrauch vornemlich die Eingeweideder Unterleibshöhle, speciell der Darm.

In tkssi (lat.), im Hauptsätze; in der Behaupt-ung; in der Regel; Gegensatz in bxpotbösi, inder Anwendung, im vorliegenden oder in demtheoretisch unterstellten Fall.

Inthronisation (v. Lat. u. Gr.), Erhebungauf den Thron; bes. die feierliche Besitznahme desThrons in der Hauptkirche, durch einen neu con-secrirten Papst, Metropolitan od. Bischof; I. desTisches, Wiedereinweihung eines profanirtenAltars.

Intim (v. Lat.), vertraut; Intimus, Vertrauter.Intimität, Vertraulichkeit.

Jntimatio« (v. Lat.), amtliche Zufertigung,die vorläufige Verkündung an den Jnquifiten;Jntimiren, gerichtlich aukündigen.

Jntimidire» (v. Lat.), einschüchlern; Jnti-midation, Einschüchterung.

Inline, s. Blüthe VII.

Jntitulation (v. Lat.), Ausschrift, die maneinem Acte, Titel, den man einem Buche gibt.

Jntolerabel (v. Lat.), unerträglich, nicht zudulden. Intolerant, nicht duldsam, u. Intole-ranz, Unduldsamkeit gegen Andersdenkende, bes.Andersgläubige.

Jntoniren (v. Lat.), den Ton angeben, an-stimmen; vor dem Altar singen. Daher Intona-tion, die Art und Weise, wie man einen Tonzum Ansprechen bringt; dann kurzer Spruch,welchen der lutherische Geistliche am Anfang undbeim Schluß des Gottesdienstes am Altäre vorder Collecte singt od. spricht, u. welcher vom Thorund der Gemeinde beantwortet wird, z. B. dasGloria, der Herr sei mit euch rc., s. Antiphonieu. Collecte 3). Die Intonationen bilden einenTheil der Liturgie und stehen deshalb in denAgenden.

Intoxikation (v. Lat. u. Gr.), Vergiftung.

Intra (lat.), innerhalb, inwendig.

Intra, rasch aufblüheude Stadt im Bez. Pal-lauza der ital. Prov. Novara, am Lago Maggiorezwischen den Mündungen zweier Bergwässer, desS. Giovanni u. des S. Bernardino; schöne Kirchemit hübschen Fresken, hohe Häuser und Pa-läste, großer Marktplatz; Fabrikation von GlasHüten, Baumwollenzeugen, Spiegeln und G.waaren, Färberei, lebhafter Handel; Hak? i mitLeuchtthurm (12 m hohe Grauitsäule mit .'-ruemKranzgeländer); 1871 4821 Ew.

Jntraetabel (v. Lat.), Intraitatis (fr.), nichtz» behandeln, unlenksam, störrig.

Intraüav jus (lat.), Recht des Eintritts, das alte

, xriva-tos

Recht der Landesherren, von ihren Unterthaneneinen feierlichen Empfang zu verlangen, wenn siedas betreffende Gebiet zuerst betraten.

Jntrade (v. Ital.), Einleitung zu etwas; dasZusammenschmettern eines Trompeterchors, wel-ches sich am Ende zu dem Dominantaccorde ver-einigt, während dessen die Oberstimme einen Tril-ler macht und dann die I. in den Hauptaccordschließt; Jntraden, Staats- u. landesherrlicheEinkünfte.

Intra muros (lat.), innerhalb der Mauern. Da-her Jntramuran, was innerhalb Manern odereines umschlossenen Raumes liegt oder geschieht;so Jntramuranhinrichtuug, Vollzug derTodesstrafe hinter Mauern. Sogar von denVer-theidigern der Todesstrafe konnte nicht in Abredegestellt werden, daß die Öffentlichkeit der Hinricht-ungen die bedenklichsten Nachtheile mit sich brachte,indem nicht nur der Menschenznsammenfluß selbstzu Skandalen aller Art führte u. reichliche Gele-genheit zur Begehung von Verbrechen bot, sondernda auch die Einwirkungen auf das große zuschau-ende Publicum nachhaltig ungünstige waren undinsbesondere der blutige Act statt abschreckend zuwirken, das menschliche Gefühl und die Achtungvor Menschenleben abstumpfte u. die Rohheit u.Brutalität steigerte, ja zuweilen dadurch, daß sichdie verbrecherische Eitelkeit durch einzelne Vor-gänge geschmeichelt fühlte, ein Sporn zur Begeh-ung todeswürdiger Verbrechen geschaffen wurde.Man kam daher in NAmerika auf den Gedanken,die Todesstrafe heimlich zu vollziehen. Jedochstellte sich dem wieder ein anderes Bedenken ent-gegen. Diese Heimlichkeit könnte, so fürchtete mau,ein ähnliches Mißtrauen in den Gang der Justizcivilisirter Staaten erzeugen, wie solches gegen-über der türkischen Justiz besteht. Man entschloßsich daher zu einem Ausweg. Die Hinrichtungwird hiernach vollzogen in einem von allen Sei-ten vollständig umschlossenen, gegen jedes Herein-schauen geschützten Raume unter freiem Himmel,insbesondere in dem Hofraume des Gefängnisses,u. nur in Gegenwart der die Hinrichtung leiten-den Gerichtscommission mit einem staatsanwalt-schaftlichen Beamten u. einem Gerichtsarzte undeiner beschränkten Zahl (etwa 24) amtlich gelade-ner Urkunds-Personen aus dem Bürgerstande.Während des Actes wird eine eigens hiefür be-stimmte Glocke geläutet. Die in solcher Weise ge-setzlich geordnete Hinrichtungsart wird Jntra-muranhinrichtung genannt u. hat ihren Weg vonNAmerika nach Deutschland gefunden, wo sie inden meisten Staaten, zuerst in Sachsen-Altenburg,eingefiihrt wurde. Das Deutsche R.-Str.-G.-B.hat es hierbei lediglich belassen, indem es seiner-seits über den Vollzug der Todesstrafe keinerleiBe^immung traf. Bezold.

Intransigenten, Name für politische Parteien,ne sich nicht vergleichen (transi§er, franz.), denbestehenden Zuständen nicht fügen wollen; Unver-söhnliche.

Intransitlvum (lat.), Verbum, das eine Thätig-keit ausdrückt, aber keinen Accusotiv regiert, z. B.gehen.

Intra privÄos parietos (lat., innerhalb der Pri-vatwände); im häuslichen Kreise; unter vier Augen.