Druckschrift 
Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
Seite
753
Einzelbild herunterladen
 

753

Jiisectcn.

ungSverhältinffen lebender Generationen vollständigentwickelter, eierlegender Formen findet sich z. B.bei den Nindenläusen, bei welchen eine schlankereu. geflügelte Sommergeneration u. eine flügelloseüberwinternde Herbst- u. Frllhlingsgeneration ab-wcchseln. Die Fortpflanzung mancher I., z. B.diejenige der Blattläuse, kann als Generations-wechsel n. auch als Heterogenie anfgefaßt werden.

Als besondere Eigenthürnlichkeit ist hier noch zuerwähnen, daß die volle Entwickelung oft unter-bleibt, so bei den zur Fortpflanzung unfähigen,sogen. Geschlechtslosen od. Arbeitern der Bienen,Ameisen u. Termiten. Die Männchen sind fastdurchweg schlanker, beweglicher, mit vollkommenerenSinnesorganen ausgerüstet, durch größere Augenn. Fühler sowie durch schönere Färbung ausge-zeichnet als die Weibchen.

Zu erwähnen sind noch die Lautäußerungen derI., welche oft als Äußerung innerer Stimmungenaufzufassen sind. So finden sich bei den männ-lichen Singzirpen (6ioaäa) an der Basis desHinterleibes und bei den männlichen Grillen undHeuschrecken an der Basis der Vorderflllgel eigen-thümliche Stimmorgane, während die Feldschreckendurch Reiben der Schenkel der Hinterbeine au einerFirste der Flügeldecke ähnliche zirpende Töne Her-vorrufen. Zahlreiche Käfer erwecken durch Reibungbestimmter Körpertheile gegen einander knarrendeTöne, so die Maikäfer durch Reiben von Vorder-u. Mittelbrust. Bei vielen I. befindet sich hinterden Athemlöchern, namentlich der Brust, eine Höhleund in dieser elastische Blättchen, welche durch dieausströmende Lust in Schwingungen versetzt werdenund dann nach Art der Zungen einer Harmonikabestimmte Töne Hervorrufen. Hierzu gesellt sichnoch das Summen im Fluge befindlicher I., wel-ches durch die Schwingungen derFlügel erzeugtwird.

Die Lebensweise der I. ist eine so mannig-faltige, daß sich ein allgemeines Bild derselbennicht geben läßt. Ihre Nahrung ist theils einevegetabilische, theils eine animalische. Bei weitemdie meisten phanerogamen u. sehr viele kryptogamePflanzen nähren eine od. mehrere, oft über 100J-arten; kein Pflanzentheil, von der äußerstenWurzelfaser bis zu den Bllithen u. den Früchten,ist von ihren Angriffen, namentlich von denen derLarve, verschont: sei es, daß derselbe völlig ver-zehrt, oder, wie Wurzeln und Stengel, nur ans-gehöhlt, oder, wie die Blätter, von Gängen minirt,oder endlich zu Gallen verunstaltet wird. Daß vieleI. als Blutsauger, andere als Schmarotzer lästigwerden, daß manche als Pelz-, Federn- od. Stoffe-verderber großen Schaden anzurichten vermögen,ist bekannt. Da die Zahl der J-arten jene derphanerogamen Pflanzenarten ungefähr um dasBierfache übertrifft, so würden die pflanzenfressen-den I. die gefährlichsten Feinde aller Cultur sein,wenn ihrem Treiben nicht in ausreichender Weisegesteuert würde. So sind unter den Säugethierendie J°freffer und unter den Vögeln hauptsächlichSing- u. Klettervögel auf J-nahrung angewiesen;noch mehr vernichten gewisse Mitglieder der I.selbst, u. zwar theils Ranb-J., besond. aber diewährend ihrer Larvenperiode im Inneren andererI. schmarotzenden Fliegen, Schlupfwespen rc. Aberauch viele mikroskopische Pilze treten in dem all-PierirZ Umversal-Crmvsrsations-Lexilim. 6. Aufl. X.

gemeinen Kampfe um das Dasein als Feinde derI. auf u. vernichten dieselben schaarenweise. Istso der Schaden, den die I. anstiften, auf ein be-stimmtes Maß zurückgeführt, so ist anderseitsder Nutzen, den sie bringen, unberechenbar; schonist der directe Nutzen, den vor allem der Seiden-spinner, die Honigbiene, die spanische Fliege, sowie die Cochenillelaus gewähren, ein sehr bedeu-tender, unendlich größer indessen ist der indirekte,den sie durch Übertragung des Blüthenstaubes auseiner Blllthe in die andere Hervorrufen (s. Be-fruchtung). Schließlich ist auch die Nolle der I.in dem allgemeinen Stoffwechsel in der Naturkein zu unterschätzender, indem sie durch umfassen-des Eingreifen ebensowol die Verwitterung abge-storbener Pslanzenreste begünstigen, als verwesendethierische Stoffe bei Seite schaffen.

Bewundernswerth sind die instinctiven Hand-lungen der I.; dieselben beziehen sich zunächst au!die Erhaltung des Individuums, indem sie Mittelu. Wege zum Erwerbe der Nahrung u. zur Ber-theidigung bieten, namentlich aber auch auf dieErhaltung der Art, indem sie als sogen. Kunst-triebe Sorge um die Brut äußern. Die einfachsteBrutpflege besteht darin, daß die Weibchen ihreEier an Orte ablegen, an denen reichliche Nahr-ung für die Brut vorhanden ist. Interessanterist schon die Thätigkeit derer, welche diese Nahr-ung erst zu Ballen formiren (Mistpillenkäfer), od.vergraben (Todtengräber). Höhere Triebe zeigendiejenigen, welche im Interesse ihrer Brut be-sondere Bauten anfertigen (Rosenbiene), am höch-sten aber diejenigen, welche sich in großen Massenzu gemeinsamem Wirken znsainmenschaaren, soeinen Thierstaat mit ausgeprägter Arbeitstheilungihrer männlichen, weiblichen und geschlechtslosenIndividuen zeigen und die kunstreichsten Bautenausführen, wie dies bei Bienen, Wespen, Ameisen,Termiten der Fall ist.

In den gemäßigten u. kalten Zonen ruht dasJ-leben während des Winters, u. zwar theils inEiern, theils im Larven-, Puppen- u. vollkommenausgebildeten Zustande. Die ansgebildeten I.suchen sich zum Winterschlafe geeignete Orte inRitzen, unter Steinen, Moos, zwischen Blättern,in Erdlöchern, in Gebäuden. Nur wenige bleibenden Winter hindurch munter. Umgekehrt ruht inder Tropenzone der größte Theil während dertrockenen Jahreszeit, während sich zur Regenzeitdas üppigste J-leben entfaltet. I. finden sichüberall, nur nicht im Meere. Auf dem Landehaben sie erst da ihre Grenze, wo überhaupt allesLeben aufhört, man trifft sie daher sowol in po-laren Gegenden, wie an den Grenzen des ewigenSchnees der Gebirge; freilich sinkt nach den Polenhin ihre Mannigfaltigkeit in gleichem Maße, wiesie nach dem Äquator zu nicht bloß größerenFornienreichthum, sondern auch riesigere Gestalten,schöneren Glanz, Farbe u. Zeichnung aufzuweisenhaben. Die Zahl der J-arten ist auf mindestenseine Million geschätzt worden. Wenngleich sichderen Verbreitung noch lange nicht übersehen läßt,so bindet sich die Verbreitung der Pflanzenfresserdoch in sehr bemerkenswerther Weise an das Vor-kommen bestimmter Pflanzengruppen. Nur wenigeArten, namentlich Käfer, Schmetterlinge u. Gerad-Band. 48