Indien.
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April 1857 kam schon der Friede zn Stande, wo-nach die Perser Herat räumten, wogegen die Eng-länder alle eroberten Punkte aufgaben.
Dieser Friede war ein Glück für das Indo-britische Reich, denn es offenbarte sich immer mehr,i daß unter den Mohammedanern in ganz I. eine^ Verschwörung mit dem Zwecke bestand, dieenglische Herrschaft zu vernichten; die zahlreichenin ihren Rechten gekränkten Großen u. abgesetztenFürsten waren die Rädelsführer. Es trieben sichbei den Seapoyregimentern Aufhetzer herum, undl eine gewisse Art Kuchen aus Atta, einer in Ben-galen wachsenden Getreideart, gebacken, wurde als
- geheimnißvolles Sinnbild der Empörung von Ortzu Ort geschickt. Zu dem anfänglich vorhandenenGrunde od. gebrauchten Vorwände der Unzufrie-denheit der Truppen, daß die Clauscl ihres Eides,
t der sie ausschließlich zum Dienste innerhalb derindischen Grenzen verpflichtete, gestrichen wurde,kam hinzu, daß inan ein neues Gewehr, die En-fieldbllchse, einführte und den Soldaten gefettetePatronen dazu gab. Die Sendlinge redeten denSeapoys ein, daß diese Patronen, um die Religionzu verspotten, mit Rinds- und Schweinefett, daserstere den Hindu, das letztere den Mohammeda-nern ein Gräuel, bestrichen worden seien. Ein-zelne Meutereien und Mißhandlungen englischerOffiziere häuften sich; der erste massenhafte Auf-stand der Truppen, das grausenhafte Schau-spiel des Brennens und Mordens aller Europäeru. Christen, kam aber erst 10. Mai 1857 in Mi-rat vor, einer 11 Stunden von Delhi entferntenStadt. Die Verschwörer hatten die Zeit der hei-ßen Winde u. die darauf folgende Regenperiodezum Losbrechen gewählt, wo kriegerische Beweg-ungen und Feldzüge nur mit dem größten Men-schenverlust ausführbar sind. Unglücklicherweise bil-deten die Truppen des Jndobritischen Reiches keineinziges zusammenhängendes Heer; sie gehörten 3
- gesonderten Hauptabtheilungen und mehreren klei-nen Truppenkörpern an, nämlich dem Heere vonBengalen, dem von Madras und dem von Bom-bay u. den leichten Truppen vieler einheimischerFürsten; der größere Theil der einheimischen Trup-pen, unter denen viele Mohammedaner u. Brah-minen standen, wandte die Waffen nun gegendie eigene Regierung. Was die Ursachen diesesweit reichenden und die englische Herrschaft inihren Grundfesten bedrängenden Aufstandes betraf,
j so lagen sie unstreitig in den eben geschilderten§ drückenden inneren Verhältnissen, zu denen nochder falsche Eifer der englischen Missionäre und! manche zweckmäßige, aber zu schnell ausgeführtei Reformmaßregel, wie die Eingriffe in die Kasten-> ordnung, die Beseitigung der Vorrechte der Brah-minen sich gesellten. Die Eingeborenen sahen inallen diesen Maßregeln nur Eingriffe in ihreRechte und wurden dadurch noch mehr zur Ver-rheidigung ihrer angestammten Religion aufgereizt.Sie fühlten sich dabei noch durch die Rohheitenbestärkt, deren sich die Engländer oft gegen sieschuldig machten. Eigentlich war der 22. Maials der Tag bestimmt worden, an welchem die! bengalischen Truppen insgesammt sich erheben u.
! ihre Offiziere und alle Christen ohne Unterschiedermorden sollten, u. nur zufällige Umstände ver-
anlaßten den Ausbruch an verschiedenen Tagen.Die Meuterer von Mirat eilten nach Delhi, welcheStadt sehr klug zum Sammelplätze ersehen wor-den war, da in ihr sich die größten Militärmaga-zine der nördlichen Provinzen befanden. Auchwar sie mit den großen englischen Kriegsschiffennicht erreichbar, u. im entscheidenden Augenblickefehlte es dort an europäischen Truppen. DieRegimenter standen eben in Parade, als dieEmpörer aus Mirat ankamen, u. wurden gegensie geführt, aber sie schossen ihren Kameraden überdie Köpfe hinweg, warfen sich im nächsten Augen-blicke auf ihre Offiziere und ermordeten diese.Dasselbe Loos hatten alle Europäer, die sich nichtdurch die Flucht retten konnten. Der alte Titu-lar-Großmogul in Delhi wurde aus seiner Ver-gessenheit hervorgezogen und wieder zum Kaiserausgerufen. Der Aufstand verbreitete sich sogleichweiter, nach Benares u. Allahabad, nach Lakhnau(Lucknow) uud Cawnpore, Bareilly und Muttra,Dschhansi u. Inder, nach Aurengabad u. Camptibei Nagpur, über das ganze Audh und über alleGarnisonen Nohilkands. Überall dieselben Scenen.In Cawnpore, wo General Hugh Wheeler be-fehligte, empörten sich die Truppen nebst denEinwohnern am 3. Juni. Der General zog sichmit einigen Treugebliebenen und der englischenBevölkerung, Frauen u. Kindern in eine befestigteKaserne zurück, wo er sich drei Wochen lang hieltund zuletzt fiel. Am 27. Juni ergaben sich dieEngländer au den Anführer der Aufständischen,Nena-Sahib, worauf die Seapoys sie sämmtlichmit Frauen u. Kindern ermordeten, obwol ihnenin einer förmlich abgeschlossenen Capitulation dasLeben zugesagt worden war. Aus England wur-den, sobald der Ernst der Lage bekannt war, zahl-reiche Hilfstruppen, zum Theil ans dem schnellstenWege über Ägypten gesandt und General ColinCampbell zum Oberanführer bestimmt. Unterdessenrächte Oberst Havelock die Blutscenen von Cawn-pore, indem er die unter Nena-Sahib entgegenrückenden Empörer wiederholt im Juli besiegte,ihnen das Geschütz abnahm u. Cawnpore wiederbesetzte. Vor Delhi hatte sich auch ein englischesBelagerungscorps versammelt, welches sich in einemverschanzten Lager während Juni und Juli sieg-reich gegen die Übermacht der Aufrührer ver-theidigte. Am 1. Juli brach der Aufstand auchin Mhau u. Jndor aus. In Agra mußten sicham 5. Juli die englischen Truppen in die Fest-ung zurückziehen. Dagegen wurde am 17. JuliNena-Sahibs Streitmacht von General Havelockauseinander gesprengt, welcher hierauf Bithur be-setzte u. am 19. Juli zerstörte. Am 20. wurdeein Regiment Seapoys, welches in Lahore sichempörte, vernichtet. Am 23. Juli meuterten dreieinheimische Regimenter zu Diuapur und warfenam 29. Juli 400 Mann Engländer u. Sikh mitdem Verluste der Hälfte ihrer Mannschaft zurück.Am 29. u. 30. Juli trug Havelock einen großenSieg über ein 10,000 Mann starkes Rebellencorpsbei Unao u. Busserutgandsch davon, worauf beideOrte, sowie sämmtliche feindliche Kanonen von denköniglichen Truppen mit Sturm genommen wurden.
Inmitten dieser Kämpfe tauchte die schon langeschwebende Frage wegen Umwandlung des Reiches