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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
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Indien.

Hier wurde auch im Jahre 1851 der Bau vouKanäle» begonnen, welche sich über eine Längevon 90 Meilen ausdehnen, u. für Bewässerungvon Feldern, Wiesen u. Gärten Sorge getragen.Unter allen Beiträgen außereuropäischer Industriezur Londoner Ausstellung vom Jahre 1851 be-haupteten die aus I. den ersten Rang. Außerprachtvollen Edelsteinschmuckgegenständen hatte dieOstindische Compagnie die ausgesuchtesten Erzeug-nisse indischen Kunstfleißes ausgestellt: Teppicheaus Sammet u. Goldbrokat, Prachtsessel mit wun-derbarem Schnitzwerk an den Rück- u. Armlehnen;Kaschmirshawls, kunstvolles Töpsergeschirr, einegroße Anzahl der verschiedenartigsten Tücher, Ge-webe rc. In Bezug ans die auswärtigen Ver-hältnisse wurde die Ruhe durch die räuberischenAngriffe kriegerischer Völkerschasten an der nörd-lichen und nordwestlichen Grenze, wie der Asridi,getrübt, welche einige Expeditionen nothwenig mach-ten, u. zu deren besserer Beaufsichtigung das ThalDun Aug. 1852 besetzt wurde. Der Nizam vonHaidarabad (s. d.) wurde, da infolge seiner schlechtenVerwaltung die von ihm zu zahlenden Tributgclderzu unregelmäßig einliefen, 1853 zur Abtretungvon Berar als vorläufigen Pfandes für die Zahlung gezwungen, welches seitdem unter direkterbritischer Verwaltung geblieben ist. An der Küstevon Malabar waren fortdauernd Aufstände derfanatischen Secte der Moplah zu bekämpfen. Wi-der ihren Willen wurde die Ostindische Compagnieim Herbst 1851 in einen neuen Krieg mit Birmaverwickelt, welcher mit der am 20. Decbr. 1852erfolgenden Einverleibung der Provinz Pegu indie brit. Besitzungen beendigt wurde; s. BirmaS. 455. Im April 1852 begannen die Verhand-lungen über die ostindischen Verhältnisse im Par-lamente, da den 30. April 1854 der im Jahre1833 erneuerte Freibrief der Ostindischen Com-pagnie erlosch. Durch Gesetz von 1853 wurdedann die Zahl der Mitglieder des Direktoriumsauf 18 herabgesetzt, wovon 6 die Krone ernannte;die Ernennung zum Mitglied des dem General-gouverneur in I. beigegebenen Staatsrathes,welche bisher dem Direktorium allein zustand,von nun an von der Zustimmung der Krone ab-hängig gemacht; der Präsidentschaft Bengalen,welche bisher vom Generalgouverneur neben denallgemeinen Geschäften verwaltet wurde, ein be-sonderer Gouverneur gegeben u. der Freibrief derCompagnie nicht erneuert, sondern die neuen Be-stimmungen als Norm festgesetzt, welche jeder Zeitauf dem Wege der Gesetzgebung abgeändert wer-den konnten. Dabei war die Finanzlage keineerfreuliche. Die Kriege hatten ungeheure Sum-men gekostet, ohne Ersatz zu gewähren, so daßdie Schuldenlast schon 1. April 1851 mehr als46 Mill. Pfd. St. betrug. Im Laufe des Jahres1854 wurden das Fllrstenthum Dschhansi u. dasVasallenkönigreich Nagpur, dessen Radscha ohneErben starb, einverleibt. Im Juli 1855 brachein bedeutender Aufstand der Sonthal, eineswandernden, Viehzucht treibenden Stammes, deran der westlichen Grenze saß, wegen harter Be-drücknngen aus, der in den Gebirgen von Cuttacksich ein Jahr lang hiuzog. Zu gleicher Zeit trie-ben zahlreiche Räuberbanden im Nizamstaate ihr

Unwesen, und es erhoben sich von Neuem Stim-men, welche die Nothwendigkeit darlegteu, die Va-sallenstaaten Audh, Baroda und den des Nizamdem Jndobritischen Reiche einzuverleiben, um denLandfrieden herzustellen. Das kleine VasallenlandTandschur wuchs dem englischen Gebiete durchErlöschen des einheimischen Fürstenstammcs zu.Ferner wurden die Lakkadiven-Jnseln unter de'mohammedanischen Königin Bibi zur Sicher-stellung gegen die Moplah zu Anfang des Jahres1855 von den Engländern besetzt. Im Jahre 1857endlich wurde der Fürst von Audh abgesetzt undsein Reich unter direkte englische Verwaltung ge-stellt, zugleich die letzte der großartigen Gebiets-vermehrungen, welche sich unter Lord Dalhousievollzogen hatten. Großartiges war zu gleicherZeit im Innern geschehen; die Anlage der Tele-graphen u. Eisenbahnen schritt mit Energie vor-wärts, der Ganges-Kanal war 8. April 1854 er-öffnet worden, die Schiffbarmachung des Goda-vary eifrig gefördert, Dampfschifffahrt auf dengrößeren Strömen eingerichtet u. der Handel nachaußen durch Verträge u. mehrfache Erleichterun-gen, wie Abschaffung der Transitzölle u. der Schiff-fahrtsabgaben an der Küste, gesteigert worden.Trotz alledem wurden verschiedenartige Symptomevon Unzufriedenheit unter den Eingeborenen lautu. 1855 eine lange Reihe von Beschwerden beimParlament eingereicht. Die gewaltsame Entsetz-ung so vieler einheimischer Fürsten, wobei natür-lich viele Privatrechte gekränkt wurden, dasdrückende Salzregal, die Unregelmäßigkeiten undErpressungen bei der Steuererhebung, bes. in derPräsidentschaft Madras, wo die Anwendung derTortur von Seiten nicht allein einheimischer, sondernauch englischer Beamten dabei constatirt wurde, kurzdie drückende Lage eines großen Theils der Ein-geborenen, die für die finanziellen Verlegenheitender Compagnie anfkommen sollten und durch dieSchroffheit n. Ignoranz der meist nur aus Gunsternannten englischen Beamten in ihren nationalenAnschauungen oft auf das Empfindlichste berührtwurden, gaben Anlaß genug dazu. Im Parla-ment wurde die Abstellung der Mißbräuche aucheifrig befürwortet u. eine Untersuchungs-Commis-sion eingesetzt, ohne daß es vorläufig zu einemResultat gekommen wäre. Am 1. April 1856trat der neue Generalgouverneur Viscount Canningsein Amt bei voller Ruhe an. Die BesetzungHerats (s. d.) Ende d. I. durch die Perser riefeinen Krieg gegen diese hervor. Am 13. Nov.verließen die dazu bestimmte englische Armee undFlotte unter Outram und Leake den Hafen vonBombay, besetzten am 4. Dec. die Insel Kharaknordwestlich von Abuschehr, landeten am 7. in derHalilabai, erstürmten am 9. die Feste Abuschehrund bemächtigten sich am 10. der Stadt, die ineinen Freihafen unter britischer Hoheit verwandeltwurde. Schon während dieses Krieges empörtesich 25. Febr. 1857 Las 12. Regiment Seapoyszu Berhampur u. 6. März zu Madras das 54.,Loch wurden beide mit Leichtigkeit besiegt, so daßdie Engländer noch nicht die Gefährlichkeit dieserBewegungen sahen. Am 8. Febr. wurden diePerser bei Khusbad geschlagen, 26. März die Fest-ung Mvhammenah am Schatt-el-Arab erobert. Im