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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
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Indien.

Herrschaft zeitweilig bis zur Dschumna und überGudscherat ausdehnte. Auch dies Reich zerfiel baldunter dem Vordringen der vou N. kommenden Tu-ranischen Steppenvölker, der sogen. Jndoskythen.Damit ging jedoch der griech. Einfluß nicht völligverloren u. erhielt sich noch längere Zeit im Jn-dusgebiet mächtig. In derselben Zeit war im eigent-lichen Hindostan (Arjavarta, d. i. Land der Arjasod. arischen Inder) nach dem Tode des Asoka dasReich der Maurja in drei kleinere Reiche zerfal-len; Magadha, dann das Reich des Dschaloka,bei den Griechen Sophagasenos in Kaschmir; dasdritte umfaßte die südwestlichen Provinzen desgroßen Maurja-Reiches. Ein großer Theil desletzteren wurde wiederum durch Pnshpamitra ver-einigt, dessen Dynastie, die Sunga, von etwa17866 v. Chr. herrschte und die Kanva, alsderen Begründer Vasudeva genannt wird, zuNachfolgern hatte. In Dekhan war in derselbenZeit die Macht des Pandja-Reiches gegen die vonTschola n. Tschera im Zunehmen; der innereDekhan war der brahmanischen Cultur noch zumgrößten Theil verschlossen.

Eine andere Gestalmng nahmen die Verhält-nisse des nordwestlichen J-s durch den um dieMitte des 2. Jahrh. v. Chr. ersolgenden EinfallTuranischer Stämme, der Ju'öitchi (s. d.), welchenach S. vordringend Baktrien eroberten u. dortsich sowol als in Kabulistan ein Reich gründeten,das sich zeitweise über das Pendschab, die Jndus-münLungcn u. Gudscherat erstreckte u. seine Streif-züge weit in das östliche I. hinausdehnte. DerBefreier von dieser Fremdherrschaft war Vikra-maditja, der Herrscher von Malava (Malwa),mit der Hauptstadt Udschdschajini, gefeiert auch alsBeschützer von Kunst u. Wissenschaft, dessen Thatzugleich eine Epoche der indischen Zeitrechnung(die Ära des V. 67 v. Chr. beginnend) bildet.Sein Reich scheint sich außer Malwa noch überdas östliche Radschpntana, das Pendschab undKaschmir erstreckt zu haben. Bald darauf erreichteindessen die Macht der Jndoskythen wieder einenbedeutenden Aufschwung. Kadphises (ungefähr umChr. Geb.) beherrschte außer den nördlichen Stäm-men auch Afghanistan, Kabulistan u. von I. dasPendschab u. Kaschmir n. scheint seine Waffenbis Malwa getragen zu haben; noch bedeutenderwurde ihre Macht unter der Dynastie der Tu-ruschka-Könige (im 1. Jahrh. n. Chr.), derenmächtigster Kanischka, ein eifriger Beförderer desBuddhismus, außer den weiten außerindischen Be-sitzungen noch Malwa, Gudscherat, im SW. Kan-jaknbscha u. Magadha im O. besaß, ja seineMacht bis nach Benares ausgedehnt zu habenscheint. Selbstverständlich war diese Macht einenur auf losen Grundlagen beruhende; unter derindoskythischen Oberherrlichkeit ward den einheimi-schen Fürsten der Besitz ihrer kleineren Herrschaftenmeistens belassen. Überhaupt ist sestzuhalten, daßbei der Bildung eines größeren indischen Reichesein nach europäischen Begriffen organisirter Staatnicht entstand, sondern ans Grundlage der uraltenDorfverlassnng die einzelnen Theile unter Satrapenod. Nadscha in mehr od. minder loser Abhängig-keit zu dem Oberherrschcr standen, bei selbständi-ger Leitung der inneren Verwaltung, so die

Sinha-Könige in Gudscherat (aus nicht genauzu bestimmender Zeit, vor 200 v. Chr. bis zuChr. Geb., auch später gesetzt), welche Jahrh. langals Satrapenkönige eine thcilweise bedeutendeMacht entwickelten. Der Befreier von dieser zwei-ten fremden Herrschaft war Salivahana (h!s.1i-vallana), an dessen That sich ebenfalls eine Epoche,die Ära des S., anknüpst, deren Anfang 78 n.Chr. gesetzt wird. Sein Reich erstreckte sich überMalwa u. das untere Radschastan. Die Herrschaftder Ausländer war auf Gudscherat und das Jn-dusland zurllckgedrängt; die übrigen Theile J-s,auch das Pendschab u. Kaschmir, gehorchten mitEnde des 1. Jahrh. n. Chr. wieder einheimischenHerrschern. Von den damals entstandenen Reichensind, um von kleineren u. kürzer dauernden (Kan-jakubscha, Jamunapura, Sravasti) abzusehen,hauptsächlich das von Kaschmir u. das der sog.älteren Gupta-Dynastie zu nennen. Das von Kasch-miri (auch ans dem 1 Jahrh. n. Chr.) erreichteunter Meghavahana, wo es sich über Kaschmir,das Pendschab, Arjavarta, einen Theil von Ben-galen bis nach Kalinga im N. des Dekhan er-streckte, seinen größten Umfang, verfiel aber schonnach dessen Tode, auf Kaschmir u. das NPendschabbeschränkt, u. kam dann unter die Oberherrschaftder Gupta, aus der es sich unter Pravarasenanoch einmal erhob; gegen 300 n. Chr. kam esvon Neuem unter die Herrschaft turanischer Stämme,der kleinen Jue'itchi. Das Reich der Gupta mitder Hauptst. Ajodhja war in gleicher Weise aus-gezeichnet durch Machtstellung und durch innereBlllthe; Gelehrsamkeit u. Dichtkunst blühten ebensowie Handel und Verkehr mit auswärtigen Völkernu. Herrschern, so mit der Sassaniden-Dynastie inPersien. Nach 100 n. Chr. gegründet, erreichtees unter Tschandragupta u. Samudragnpta seinehöchste Ausdehnung u. umfaßte im O. das jetzigeBengalen mit Dacca, Assam (Kamarupa), Nepal,Länder die damals zuerst in den Kreis der Ge-schichte traten, Malwa u. Abhira u. die Völkerdes Pendschab. Auch Kaschmir war zeitweiligunterthan u. die wilden Häuptlinge in den Ber-gen des Dekhan u. Gondwana waren theilweisebotmäßig gemacht worden. Diesen Besitzungensügte Skandagupta im 3. Jahrh. n. Chr. nochGudscherat hinzu. Anfang des 4. Jahrh. wurdedas mächtige Reich aber schon durch einen Häupt-ling aus Pataliputra gestürzt. Aus derselben Zeitsind von anderen Dynastien die der Andhrabritja-Könige im inneren Dekhan, ein Staat der Haihaja-Nadschpnten an der oberen Nerbudda (Narmada),welches kriegerische Geschlecht damals zuerst ans-tauchte, u. die ihn verdrängende Herrschaft vonGond-Häuptlingen in derselben Gegend zu nennen,ein Zeichen, daß dort noch die arische Cultur mitden Urbewohnern im Kampfe lag. Ganz im S.blühte das Reich der Pandja weiter; in gleicherWeise die arische Herrschaft aus Ceylon (s. d.)Ein genaueres u. weniger auf dem Boden derVermuthung stehendes Bild der politischen Ver-hältnisse aus dieser Zeit zu geben ist bei derlückenhaften Ueberlieferung nicht möglich; diesocialen Verhältnisse scheinen trotz der vielen Staats-veränderungen nicht ungünstig gewesen zu sein;zahlreiche Werke der Dichtkunst, Gelehrsamkeit u-