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Indien.
putana u. Bengalen hauptsächlich mit Viehzuchtbeschäftigen. Außerdem zahlreiche Handwerker-kasten u. eine noch größere Menge von unreinenKasten, die je nach den Landstrichen aus sehrverschiedenen Ursachen ihre Entstehung gefundenhaben und unter dem von einer einzelnen über-tragenen Namen der Paria bekannt sind. Dazugehören die Wattal in Kaschmir, die Tschura (Hand-arbeiter) u. Tschangar (Fischer) im Pendschab u. a.Als derartige unreine Kasten werden auch oft dieAboriginerstämme gezählt, ebenso wie die fremdenVölker, Moslemin, Christen, Parsen, was sie dochin der That nicht sind, da sie außerhalb derindischen Gesellschaft sich bewegen. Dazu ge-sellen sich andere Klassen, die im Laufe derGeschichte sich in einem Theile des Landes zurherrschenden Bevölkerung emporgeschwungen undgewisse Rechte und Beschäftigungen angemaßt ha-ben; hierher gehören die Dschat (s. d.) im NW.,die Nadschputen (s. d.) in Radschpntana, die Mah-ratten (s. d.) im Dekhan, die Sikh (s. d.) im Pen-dschab, eine ursprünglich religiöse Kaste. Von denübrigen socialen Abstufungen ist besonders be-merkenswerth die jetzt durch die Energie der eng-lischen Negierung ausgerottete Secte der Thug,der Mörder von Profession, deren Zwecke der Mordaus religiöser Gewohnheit ohne jegliche Nebenzweckewar. Uber die religiösen Setten s. u. IndischeReligion. Diese Zerspaltung des Indischen Volkesspricht sich übrigens auch in den vielen Dialektender Sprache aus, deren 26 gezählt werden; s.Indische Sprachen. Nicht weniger gespalten ist derandere große Völkerstamm der Dravida, unterdenen die Tamilen, Telugu, Cauaresen, Gond(s. d. Art.) die Hauptvölker bilden.
Bei dieser großen Mannigfaltigkeit der Natio-nalitäten ist die religiöse u. geistige Stellungeine naturgemäß sehr verschiedene. Das eigent-liche Cultnrvolk sind die Inder arischen Stammes,denen die übrigen Völker alle ihre Bildung ver-danken. Das gesammte indische Kulturleben, wel-ches übrigens weit über die Grenzen hinaus einenmächtigen Einfluß geübt hat, beruht auf derBrahmareligiou (s. Indische Religion), mit welchernicht bloß die gesellschaftlichen und sittlichenZustände des Volkes, sondern auch seine höchst be-deutende Literatur u. seine hoch entwickelte Kunstans das Engste verbunden sind. Der Brahmani-schen Religion wurden allmählich alle BewohnerJ-s zugesührt, bis auf einzelne rohere Völker,welche ihren ursprünglichen polytheistischen Reli-gionen treu geblieben sind. I. ist zwar auch dieWiege des Buddhismus, der sich aus dem Brah-manismus entwickelte, doch mußte er den Reac-tionsbestrebuugen des letzteren weichen, so daßnur im äußersten N. (Nepal) u. S. (Ceylon) seineLehren herrschend geblieben sind. Mit der Herr-schaft der mohammedanischen Eroberer hat sich auchder Islam Verbreitung verschafft u. ungefähr densechsten Theil der Bevölkerung eingenommen. Ge-ring ist die Zahl Andersgläubiger, wie der Parsenu. Juden; gering auch die Anzahl der Christen,sowol der Armenier u. der in alter Zeit auf derKüste Malabar ciugewandertcn (der sog. Thomas-chrisieu), als auch der in neuerer Zeit durch-ie Mission bekehrten, die übrigens in den un-
cultivirten Stämmen der Dravida noch die mei-sten Erfolge gehabt hat (Einzelheiten s. unten).Der einheimische Unterricht ist noch immer dürftigso viel Anstrengungen die englische Regierungauch zu seiner Hebung gemacht Hais, bei den Hindusowol als bei den Mohammedanern und daher istauch der größte Theil der Bevölkerung auf einemhohen Grad von Unwissenheit u. Aberglauben ge-blieben. Aus den höheren Kasten gibt es aller-dings Eingeborene, die die europäische Bildungsich zu eigen gemacht haben u. in ihr den Euro-päern gleichzustellen sind. Selbstverständlich sindKörperbeschaffenheit, Sitten u. Gebräuche bei denverschiedenen, auf ein so weites Terrain vertheiltenVölkern verschieden. Der eigentliche Hindu selbstist im Allgemeinen von schlankem Körperbau, mitovalem Gesicht, mäßig breiter Stirn, Nase meistnach europäischem Schnitt. Die Hauptfarbe variirtvom Dunkelolivenfarbigen bis zum Gelbbraun.Im Charakter ist zwischen Hindu und Musel-mann, vorzüglich in Bengalen, ein durchgreifenderUnterschied zu bemerken. Während der letzterenoch den stolzen und heftigen Charakter des Er-oberers bewahrt, rachsüchtig und feindselig demEuropäer gegenübertritt, ist der erstere scheu undwillfährig, nur fähig, durch List sein Ziel zu er-reichen und energischer Thaten kaum noch fähig.Infolge des jahrhundertelangen schweren Druckeshat der Charakter der Hindu überhaupt sich sehrverschlechtert und steht die Sittlichkeit auf einerniedrigen Stufe. Vollständig mangelt durchschnitt-lich das Gefühl der Wahrheitsliebe u. Mannes-ehre; Falschheit, Verrath u. Meineid sind etwasAlltägliches. Merkwürdig contrastiren in ihmeine äußere Fügsamkeit u. Sanftmuth, die auchin der Sorge für invalide Thiere sich bethä-tigt, mit Ausbrüchen wildester Grausamkeit, miteiner Kaltblütigkeit desMordens,derGewohuheit desKindermordes', die kaum anderswo erreicht werden.Als Tugenden dagegen werden gerühmt die Mäßig-keit, Fassung im Unglück, Gastfreundschaft und eindurchgehender Zug fügsamen Gehorsams. DieNahrung ist sehr einfach u. hat als Hauptgegen-stand den Reis, dessen Mißernte regelmäßig ent-setzliche Hungersnoth herbeiführt; sehr selten dasFleisch; nur die Mahratten sind stolz darauf, vonFleisch u. Cerealien zu leben, u. einige Hirten- u.Bergvölker huldigen ebenfalls dem Fleischzenusse.In Bezug ans Getränke ist die Nüchternheit be-kannt. Die Kleidung ist einfach und besteht ausBaumwollenzeugen, die um Schulter und Hüftengeschlagen u. mittels eines Gürtels zusammenge-halten werden. Die Frauen hüllen sich beimAusgehen in ein großes weißes Tuch, von demsie ganz bedeckt werden. Den Kopf bedeckt beiden Männern ein Turban von verschiedenerGröße je nach der Kaste. Die Wohnungen sindZiegelhäuser oder Rohrhüttcn, fast durchgängigmit spärlichem Geräth u. noch spärlicheren Möbeln;die Straßen der Städte meist eng u. schlecht ge-pflastert, aber säst immer unterbrochen von schönenPlätzen u. Bazaren.
Der Ackerbau ist die Beschäftigung der weit-aus größten Menge des Volkes. Begünstigt wirder durch das günstige Klima u. den fruchtbarenBoden des Landes, welche streckenweise Sjährliche