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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
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Indien.

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Chinesen die rohe Seide, während der Importdes Abendlandes sich nur in engen Grenzen haltenkonnte. Auch der Landhandel fiel im Mittelaltervollständig in die Hände der Araber, deren er-folgreiches Bestreben, ihn zu monopolisiren, erstnach der Entdeckung des Seeweges von den Euro-päern gebrochen wurde.

Auf dem geistigen Gebiete können die Leist-ungen des indischen Bolkes mit jedem anderen desAlterthums zur Vergleichung herangezvgen werden,obschon in einzelnen Gebieten sie es infolge eigen-thümlicher Natnranlagen zu großer Entwickelungnicht gebracht haben. Zeugen sind auf demGebiete der Kunst die kolossalen uns noch erhalte-nen Bauten (s. Indische Kunst), ans dem derLiteratur die große Äitzahl poetischer u. prosaischerWerke (s. Sanskrit-Literatur), auf dem Gebieteder Wissenschaft die Thatsache, daß in Mathematik(ihnen verdankt das Abendland sein sog. arabischesZahlensystem) und Grammatik sie die LehrmeisterEuropas gewesen sind, aus dem Gebiete derSprache die eigenthümliche Schrift (s. IndischeSprachen), aus dem Gebiete der Religion die Ent-wickelung zweier eigenthümlicher Systeme, vondenen das eine, der Buddhismus, von weitgreifend-ster Bedeutung für Asien geworden ist. Bon deneigenthümlichen Sitten der Indier fiel den Griechen,im Besonderen bei den Brahmanen, vor allemAnderen aus die Verachtung des Genusses ver-bunden mit Enthaltsamkeit und Auferlegung dergrößten Entbehrungen, die Nichtachtung des körper-lichen Schmerzes, die bis zu den härtesten Kastei-ungen ausartete, u. die Gleichgiltigkeit gegen denTod, der oft freiwillig gesucht wurde u. der fürWittwen sogar durch die Sitte festgesetzt war.Überhaupt zeigte sich osten der tiefgreisende, ausder KastenorLnung beruhende Unterschied gegen dasAbendland darin, daß die Geltung des einzelnenIndividuums nie in vollem Maße zum Ausdruckkommen konnte, daß nur innerhalb der ihm durchdie Kaste gezogenen Grenzen eine Entfaltung mög-lich war. Dies ist auch ein Grund mit dafür, daßdas alte I. dem Eindringen fremder Eroberer soüberraschend schnell unterlag. Sonst werden imCharakter der alten Inder die guten Seiten alsvorwiegend geschildert: Tapferkeit im Kampf, Wahr-heitsliebe, Rechtlichkeit im Verkehr, Gutmüthig-keit, Eigenschaften, von denen ein großer Theilim Lause der Geschichte u. unter dem Druck fremderEroberer verloren gegangen ist.

Hl. (Geographie u. Statistik.) I., in der nach-folgenden Beschreibung nach der engeren Auffass-ung als die vorderindische Halbinsel (Ostindien)dargestellt, ist, während die politischen Grenzen imLaufe der Geschichte oft verrückt worden sind, vonden benachbarten Ländern durch natürliche Gren-zen scharf geschieden. Im N. bildet der Hima-laja eine schwierig zu passirende, hohe Mauer ge-gen Tibet, im W. trennen es die von N. nach S.in mehr oder minderer Entfernung vom rechtenIndus-User hinziehenden Ketten des Sefid-Koh,des Sulaiman-, des Brahui - u. Hala-Gebirgesvon Afghanistan u. Belutschistan, im O. die jen-seits des Brahmaputra sich erhebenden vielfachnoch unerforschten Gebirge von Hinter-Jndien, anallen anderen Seiten ist das Land vom Meer um-

spült. Den ganzen S. bildet eine im Cap Co--morin auslaufende dreieckige Halbinsel, welche aufder westlichen Seite von dem Arabischen Meere,auf der östlichen vom Meerbusen von Bengalenumgeben wird (vgl. die Karre). Es erstreckt sichvon 8° 4' bis 36» n. Br. n. von 66° 44' bis 89»36' östl. Länge (von Greenw.); seine größte Län-genausdehnung von dem Himalaja bis zum CapComorin beträgt ungefähr 3000 km, seine größteBreitenausdehnnng von Karratschi am Indus biszum äußersten Osten Assams hat ziemlich dieselbeDimension. Die Küstenlänge von der Judus-mündung bis zur Spitze beträgt 3250 km, dievon der Gangesmündung bis dahin 3000 km.Die Nord-Süd-Linie würde in Europa der Ent-fernung von Archangel nach Neapel gleichkommeu,die West-Ost-Linie der von Bayonne nach Con-stantinopel; der gesammte Flächeninhalt entsprichtdem fünfmaligen des österreichischen Kaiserstaates.Diese große Ländermasse wird durch das ungefährin der Mitte unter 22° n. Br. sich von W. nachO. hindurchziehcnde Vindhja-Gebirge in zwei scharfvon untereinander unterschiedene Theile geschieden,in das eigentliche Hindostan im N. von diesemu. das Dekhan im S. Letzteres besteht in einemausgedehnten Tafellande, welches im N. von denVindhjaländern begrenzt, von N. nach S. vonGebirgszügen, den West- u. Ostghat durchzogen,im Cap Comorin als reines Gebirgsland endigt(Näheres s. Dekhan und Ghat), erstcres dagegenist eine weit ausgedehnte Tiefebene ohne alle be-deutende Erhebungen, die erst im N. durch dieMassen des Himalaja (s. d.) ausgenommen wird.Dazwischen liegen noch einige vom Viudhja unddessen Verzweigungen erfüllte Strecken, die Scheide-gebiete beider. Den weitaus wichtigsten Theil J-sbildet nun jene Tiefebene von Hindostan oderBengalen, die, wie es scheint, fast durchweg Al-luvialboden, am niedrigsten über das Meer sichin den Deltas des Ganges und Indus erhebt u.erst am oberen Laufe des Ganges 400 m Meeres-höhe, durchschnittlich wenig über 100 m erreicht,das Flußgebiet des Indus u. Ganges, der uralteSitz der indischen Cultur. Dennoch zeigt dieOberflächen-Beschafsenheit in ihren einzelnen Thei-len ein sehr verschiedenes Aussehen. Während dieEbenen am Ganges u. seinen Nebenflüssen eine durch-weg wasserreiche, fruchtbare u. bevölkerte Cultur-fläche bilden, sind die ani Indus mit einem viel-fach weit magereru Boden bedacht, der nur imPendschab an den Usern der Flüsse fruchtbar u.,wenn auch baumlos, gut angebaut u. productions-fähig ist, der aber im Innern der Dnabs oderZwischenstromländer in unabsehbare, nur mit Grasu. Buschwerk bewachsene Steppen, theilweise auchin reine Salz- oder Sandwllsten, so im Sindh-Sagar-Duab zwischen Indus u. Dschilam, über-geht. Auch den unteren Lauf des Indus beglei-ten streckenweise öde u. unfruchtbare Striche, sobei Schikarpur; östlich von diesem breitet sich,gleichsam eine Scheidewand zwischen den frucht-baren Flußebenen des W. u. des O. bildend, d.eausgedehnte Indische Wüste, das Thurr, aus,weithin mit Sandhügeln, an vielen Stellenaber auch mit niedrigem Strauchwerk u. derbenKräutern bedeckt, welche Kameelen, Büffeln und