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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
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Indien.

durch die Bestrebungen der englischen Regierungausgerottet worden ist. Erhaltung der Familiedurch männliche Nachkommen war erster n. Haupt-zweck der Ehe bei den Indern, denn durch diesewurden die Familiensacra erhalten, die bes. des-halb wichtig waren, weil der Erbe die Todten-opser den Manen der Verstorbenen bringen mußte,wodurch dem Erblasser die Theilnahme an derSeligkeit zu Theil ward. Hatte daher ein Indergar keinen männlichen Nachkommen, so adoptirteec einen. Die Erzielung eines männlichen Erbenscheint auch der Hauptgrund der Mehrweiberei beiden Indern gewesen zu sein, denn man konntenach acht Jahren eine unfruchtbare Frau mit eineranderen vertauschen. Mädchen wurden schon niitdem achten Jahre heirathsfähig; Väter führtenihre Töchter in diesem Zeitpunkte öffentlich vor,u. welcher Jüngling den Preis in gymnastischenSpielen gewann, durfte sich eine Braut aus ihnenwählen. Auch Kauf fand bisweilen Statt. Übrigenswar der Mann der Herr und Gebieter im Hauseu. die Frau stand in steter Abhängigkeit von ihm.Frau u. Töchter lebten gewöhnlich im Innern desHarems u. empfingen dort die Besuche des Mannesn. Vaters, aber nicht nach strenger orientalischerSitte eingeschlossen, denn sie nahmen theil anSpaziergängen in den Lustgärten, gingen undopferten selbst in den Tempeln.,, Die Belustigungendes Volkes waren körperliche Übungen, Musik u.Tanz, Kunststücke der Gaukler u. Jongleurs, dieschon in alter Zeit eine erstaunliche Kunstfertigkeitentwickelten. Als Kleidung trugen die Inder Ge-wänder von weißem Linnen u. bunter Baumwolle,Vornehme und bei Festlichkeiten auch von Seide;Einsiedler u. Büßer trugen Mäntel von Baum-rinde. Staatskleider wurden mit Pelzwerk ver-brämt: als Schmuck trug man Edelsteine, Perlen,Elfenbeinzierrathen, bes. Ringe an den Händenu. in den Ohren. Kopf u. Schulter waren ver-hüllt, ein Schirm schützte gegen die Glnth derSonne, die Füße deckten Schuhe von weißemLeder oder von Tuch. Der Bart wurde mitmancherlei Farben gefärbt. Eine besondere Sittewar das Einreiben mit wohlriechenden Ölen undSalben. Unter den Speisen stand der Reis oben an,aus welchem mancherlei Gerichte bereitet wurden,außerdem dienten als Genußmittel Zuckerrohr,Honig, Zuckerwerk und Gebackenes, Gefrorenes,geronnene Milch und Molken, Früchte aller Art;der Fleischconsnm war einmal in Anbetracht desheißen Klimas sehr mäßig, dann auch bei einzel-nen Stämmen u. nach religiösen Anschauungen,beispielsweise nach buddhistischen Anschauungen, diedas Tödten lebendiger Wesen vollständig verboten,durchaus verpönt. Als Getränke dienten abge-zogene Getränke aus Zuckerrohr und Früchten(nnserm Rum ähnelnd), in den westlichen Theilenauch Wein, jedoch in sehr mäßigem Maßstabe.

Die Gew erb ethätigkeit der alten Indier warschon in alten Zeiten nicht unbedeutend; namentlichwar ihre Fertigkeit, feine Gewebe aus Baumwollezu verfertigen, ihre Verfertigung von Musselinen,Kattunen, Gürteln und Shawls berühmt; ebensowaren sie erfahren in der Bearbeitung der Me-talle, des Elfenbeins, in der Steinhauerei, Holz-schnitzerei rc. Der Ackerbau war eine seit alten

Zeiten mit Vorliebe gepflegte Beschäftigung, wo-zu der wahrscheinlich schon aus der indogermani-schen Vorzeit stammende Pflug benutzt wurde.Ebenso hatte sich schon in frühen Zeiten ein leb-hafter Handel entwickelt. Im Inlands war beider bedeutenden Bevölkerung der Verkehr einäußerst lebhafter. Neben dem Wege, den dieFlüsse boten, gingen wohlgepflegte Straßen durchdas ganze Land; es bedurfte nicht mehr aus-schließlich großer Karawanenzüge, wie sie mit be-waffnetem Schutz durch die Wildnisse geführtwurden; schon war es möglich, auf den meist be-tretenen Wegen, deren Sicherheit unzweifelhaftwar, allein mit Ochsengespannen seinen Handels-zwecken nachzugehen. Der Handel rnhte in denHänden der Kaste der Vaisja, die dafür bedeutendeAbgaben an den König bezahlten; zur Verein-fachung war schon früh geprägtes Geld eingesührt.Geld auf Zinsen auszuleihen, war ein Privilegder Vaisja u. über die Bedingungen in dem altenGesetzbuch des Manu besondere Vorschriften ge-troffen. Die bedeutendsten Emporien des Binnen-handels waren Ozene (Udschdschajini) im N. undTagara im Dekhan. Nicht weniger blühend warauch der auswärtige Handel sowol zu Lande alszur See, wenngleich die Inder nur in geringeremMaßstabe hier activ anftraten, und den Betriebmehr auswärtigen Nationen überließen. Daßsie übrigens weder der Schifffahrt unkundig nochdes Unternehmungsgeistes ermangelnd waren, be-weisen ihre Expeditionen sowol zu Handelszweckenals in religiöser Absicht nach dem O., wo sie mitHinterindieu u. später auch mit Java in Verbindungtraten u. im W. ihre Handelsemporien im glück-lichen Arabien u. auf der Insel Sokotara. Aberder Haupttheil des auswärtigen Handels fiel frem-den Völkern zu. In alter Zeit zur See denPhönikern, deren in der Bibel erwähnter Ziel-punkt Ophir höchst wahrscheinlich das Abhira anSer Jndusmündung war, in gewissem Grade auchden Arabern n. Ägyptern, dann den Babyloniernauf dem Wege durch den persischen Meerbusen;nachdem er, wenig begünstigt durch die Herrscherder persischen Achämeniden-Dynastie, eme Zeitlang fast geruht hatte, blühte er wieder aufu. es entwickelte sich ein reger Verkehr von Seitender Byzantiner u. der Perser unter den Sassaniden,bis die neuerstandene Macht der Araber sich desalleinigen Handels bemächtigte. Zu Lande ver-mittelte sich der Handelsaustausch nicht allein mitden westlichen Ländern, sondern auch der sehr regemit China allein durch Kabulistan; die Wege imN. und O. scheinen wenig benutzt worden zusein. Von Kabura (Kabul) aus gingen dann dieStraßen nach verschiedenen Richtungen auseinander:über Ekbatana an die kleinasiatische Küste, überBaktra an das Kaspische Meer und von da ansschwarze Meer u. endlich durch Ccntralasien hin-durch in das chinesische Reich. Die hauptsächlich-sten Maaren waren die Naturschätze J-s, die demAuslande abginge.., als Ausfnhrgegenstände: sofeine Gewürze, Farbstoffe, Baumwolle, Perlen,Edelsteine, Elfenbein n. feine Hölzer, von leben-den Wesen die ausgezeichneten Jagdhunde undStephanien, von Fabrikaten Baumwollen- undSeidenfabrikate; diesen gegenüber brachten die