Druckschrift 
Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
Seite
552
Einzelbild herunterladen
 

Grundsätze, Instrumente u. Hilfsmittel, zerfällt in:J-zoologie, dieKenntniß u. Eintheilung derjagdbaren und bei der I. nutzbaren Thiere; dieLehre über deren Vorkommen, Leben, Eigenthüm-.lichkeiten, Fährten, Spuren rc. L) Wildzuchtund Wild schütz, die Lehre von den Maßregeln,welche zu ergreifen sind, um die eine od. andereWildart in der zur Ausübung der I. erforder-lichen Menge anzuziehen, zu erhalten und gegenäußere Gefahren (Raubthiere, Krankheiten, Nahr-ungsmangel, Wilddieberei u. a.) zu schützen. 6)Wildjagd, die Kunst, zweckmäßig u. regelrechtjagdbare Thiere in seine Gewalt zu bekommen,v) Drefsirknnst, die Kunst, J-Hunde, J-pferde,Falken, Frettchen jagdgerecht abzurichten. L) I-technologie, die Lehre von Herstellung, Instand-haltung u. Gebrauch der zur I. nöthigen Instru-mente u. Hilfsmittel: Waffen, Fang- u. Lockappa-rate, Blend- u. Sperrzeuge, Schirme rc. §) I-terminologie (J-kunstsprache), die Zusammen-stellung der für das J-wesen bestimmten besonde-ren Ausdrücke. 0) Wildnutzung, die Lehre vonder für jede I.» u. Wildart passenden Jahreszeit,vom waidmännischen Tödten, Aufbrechen, Trans-port, Zerlegen des Wildes u. seiner Verwerthung.

Die I. wird eingetheilt: in Bezug auf jagd-

bare Thiere: a) in hohe I., auf Elch», Roth-,Dam-, Reh» und Schwarzwild, Bären, Wölfe n.Luchse, Auer- u. Birkhähne, Fasanen, Trappen,Kraniche, Reiher, Schwäne; b) in niedere I.,aus alle übrigen J-thiere, wie Hasen, Füchse,Dachse, Marder, Katzen, Gänse, Enten, Schnepfen,Hasel- u. Rebhühner rc. In manchen Gegendenwird jedoch noch eine besondere mittlere I., ausReh- u. Schwarzwild, Wölfe, Birk- u. Haselhüh-ner, unterschieden, wie denn überhaupt die Classi-fication der I. mancherlei locale Abweichungenerleidet. Das Raubzeug aller Art darf gewöhn-lich, ohne Rücksicht, ob es zur hohen od. niederenI. gehört, u. auch ohne Berücksichtigung der J-zeit,von jedem J-berechtigten geschossen werden. L)Nach der Art ihrer Ausübung zunächst in Holz-(Wald-), Feld- u. Wasserjagd, deren Unter-abtheilungen sind: der Anstand, die Suche, dasBeschleichen od. der Pürschgang, die Treib-jagd, das eingestellte Jagen, dieParforce-u. Hetzjagd, das Ausgraben der Füchse u.Dachse, das Blatten, Reizen, Verkappen; der Fangmit J-Hunden, Frettchen, Falken (Falkenbeize), inGruben, Garnen, Fallen. Vgl. die einzelnen Artikel;bei den einzelnen Wildarten ist angegeben, welcheJ-methoden auf sie hauptsächlich Anwendung fin-den. Früher unterschied man auch deutsche I.,worunter das eingestellte Jagen, bes. auf Hirsche,verstanden wurde, u. französische I., so v. w.Parforcejagd.

Einen besonderen Bezirk, auf welchem die J-be-rechtiguug od. die J-ausübung Einem (Alleiujagd)oder Mehreren in ungetheilter Gemeinschaft (Mit-oder Koppeljagd) zusteht, nennt man J-revier,J-gehege od. kurzweg Jagd. Jedes J-reviermuß geschont werden, so lange das Wild trägt,oder das Federwild Eier legt, od. auch so langeFeldfrüchte auf dem Felde stehen, welche durch dieI. wesentlichen Schaden leiden können. Die I-zeit (im Gegensatz zu Heg- od. Schonzeit) wirdj

hiernach, wiewol nicht ganz übereinstimmend mden verschiedenen Ländern, durch Gesetz od. Ver>ordnung festgesetzt. Beispielsweise dauert jene inPreußen für Edel- u. Damhirsche von Anfang Julifür Rehböcke von Anfang Mai bis Ende Februar"für Hasen vom 1. Sept. bis 31. Jau. u. s. w. "

Die I. ist eine der ersten Beschäftigungen derMenschen gewesen, anfänglich besonders geübtum sich und ihre Heerden gegen reißende Thierezu schützen (Nimrod, Esau). Zur Erlegung desWildes dienten Bogen, Netze,, Mhlingen u. Faü-gruben; auch mit Hunden wurde dasselbe gehetztund gefangen. In der nachexilischen Zeit wurdenach dem Vorgänge der Ägypter, von deren !J-wesen die Monumente Kunde geben, und der IPerser, deren König Kyros die Einkünfte von4 großen Städten für seine Meuten beanspruchtebei den Hebräern die I. eine noble Passionfür Vornehme; man hielt Lustjagden zu Pferde !auf Vögel und Wild mit abgerichteten J-HundeuFalken u. a. Vögeln. Bei Len Griechen gehörtedie I., besonders bei den Spartanern, wo auchdie Mädchen mitjagen mußten, zu den Übungender Jugend, u. schon in der ältesten Zeit wurdejedes Wild gejagt, mit Wurfspieß, Pfeil u. Bogen,auch Hunden, nach welchen letzteren die J. Kyne-gesia u. der Jäger Kynegetes genannt wurde.Artemis war die J-göttin, u. Anweisung zurI. (Kynegetikos) u. Gedichte über die I. (Kynege.tika) schrieben Tenophon, Arrianos u. Oppianos.

Die Römer hatten bei ihren Landhäusern in derZeit des Luxus besoud. Gehege, in denen Hirsche,Hasen, Gemsen u. dgl. von den Sklaven entwederzur Lust für die zuschauenden Herren od. für dieKüche gejagt wurden. Zum Vergnügen machtensie selbst auch mit Spießen, Netzen u. Hunden ausWild u. Vögel in den anstoßenden Wäldern I.; Fa-liscus u. Nemesianus schrieben Gedichte über dieI. Den Germanen war die I. ein edles Ge-schäft, außer dem Kriege fast das einzige, welchesdie Freien betrieben. Sie jagten mit Spieß, Keule,Bogen auf Wild, Bären, Wölfe, Ure rc.; auch wurdeWild in Gruben gefangen; Jagdbegleiter waren denGermanen bes. Hunde, Falken und Sperber. InGallien wurde die I. unter der römischen Herr-schaft den Eingeborenen verboten, bis sie späterwieder durch die Franken in Aufnahme gebrachtwurde. Sie blieb auch im Mittelalter ein Vor-recht des Adels als der Grundbesitzer und wurdezn Pferde u. zu Fuße, mit dem Bogen und derArmbrust, od. auch mit dem kurzen Jagdspieß be-trieben, auch vonFrauen u. der Geistlichkeit, bes. Fal-kenjagd; St. Hubertus war der Schutzheilige der I.u. Kaiser Friedrich II. schrieb ein Buch über dieselbe.Aus der Vorliebe der Fürsten für die I., sowieaus der von ihnen beförderten Meinung, daß dieI. in der Hand der Bürger u. Bauern eine ge-meingefährliche u. deren Beruf störende Beschäf-tigung sei, wurde in vielen Ländern, bes. seit dem17. Jahrh., die Idee herrschend, daß die I. Re-gal sei, d. h. daß sie den Landesherren, kraft derLandeshoheit, als ein ausschließliches Hoheitsrechtzustehe und nur durch Verleihung von ihnen er-worben werden könne. Diese Verleihung erfolgtesodann bald nach förmlichem Lehnrecht, meist alsPertinenz eines Gutes, bald aber auch in der