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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
Seite
549
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Jacquard.

einander Professor der Humanitätswiffenschaften,Artilleriecapitän, Secretär im Kriegsministerium,Substitut des Directors der Polytechnischen Schuleu Professor der Sprachen u. Mathematik an der-selben u. zuletzt Professor der stanz. Sprache u.Literatur zu Löwen. Hier trat er 1818 mit seinerSchrift öussiFnomsnb universal hervor, die,philosophisch - pädagogischer Natur, durch anschei-nend paradoxe didaktische Grundsätze Aufsehen er-regte u. bald viele Anhänger, aber auch gewich-tige Gegner fand. Seine beiden Hauptgrundsätzefür die Pädagogik lauten:Alle Menschen habengleiche Intelligenz", u.Alles ist in u. an Allem".Mit ersterem will I. sagen, daß jedem Menscheneine gewisse Summe geistiger u. physischer Kräfteangeboren sei, welche Erziehung u. Unterricht zuwecken, zu leiten u. auszubilden u. hierbei bes.die Selbstthätigkeit des Zöglings in Anspruch zunehmen haben. In weiterer Ausführung des Letz-teren behauptet er, daß alle Dinge in einer ge-wissen Beziehung zu einander stehen, so daß die! Kcnntniß des einen Gegenstandes als Ausgangs-und Anknüpfungspunkt sür die Belehrung übereinen anderen dienen könne. Darum verlange diepädagogische Einsicht von den Geistesanlagen desZöglings, sowie die Erkenntniß des Zusammen-hanges und der gegenseitigen Beziehungen derDinge, daß man dem Schüler Thatsachen u. (wirk-liche) Gegenstände vorführe, die ihn interessiren u.die er in ihrer Totalität aufzufassen vermöge, daßman also immer von einem gegebenen Ganzenausgehe u. von diesem die einzelnen Theile erken-nen lasse. Das Ganze nun, von welchem I. dengestimmten ersten Unterricht, als Denk- u. Sprech-übungen, Lesen, Schreiben, Zeichnen rc. entlehnte,war Fenelons Telemach. Um das Interesse der! Schüler zu erregen, las er ihnen die ganze Er-

> zählung vor, blieb dann bei einem kleineren

! Ganzen, dem ersten Satze, stehen, der dann vor-

I geschrieben und so lange gelesen wurde, bis sich! die Wortbilder eingeprägt hatten. Diese wurden

dann in Silben, Laute u. Buchstaben zerlegt, letz-tere geübt, dann wieder zu Silben u. Wörternzusammengesetzt, bis sie den ganzen Satz nichtbloß ab-, sondern auch aus dem Kopse schreiben! konnten. Bei den nächsten Wörtern u. Sätzenwurde dann das Bekannte herausgesucht unddas Neue an das bereits Bekannte angeschlossen.Der Grundgedanke der J-schen Methode ist alsodie Anschauung als Grundlage alles Unterrichts,auch des Sprachunterrichts, die Übung des Er-lernten bis zur Fertigkeit, die Anknüpfung desUnbekannten an das Bekannte und stete Wieder-holung mit dem Fortschreiten des Unterrichts innatürlicher Verbindung. Dieser von I. einge-schlagene analytisch-synthetische Weg wurde vonVielen für den ersten (Lese-) Unterricht als natur-gemäß u. darum richtig erkannt. Friedr. Wein-gart, Herausgeber der Literaturzeitnng sür Deutsch-lands Volksschullehrer, hat durch sein Werk: Voll-ständiger Cursus von J-s allgemeiner Unterrichts-, Methode rc., Ilmenau 1830, zuerst für die Ein-^ sührungindeutscheSchulengewirkt. Der bedeutendste

> Anhänger u. gewandteste Verbreiter von J-s Me-thode war ohne Zweifel Carl Seltzsam, Lehrer zuBreslau (st. 1870). Durch mehrere Schriften, sowie

Vorträge vor Lehrern und eigene praktische An-wendung trug derselbe viel zum Verständniß uudzur Würdigung jener Methode bei. Die tüchtig-sten Methodiker beschäftigten sich bald mit demGegenstände und anerkannten das Princip, daßbeim Lesenlehren von einem Ganzen ausgegangenwerden müsse, das für die Kinder einen Inhalthabe; beklagten jedoch auch, daß bei Auswahl desStoffes die nothwendige Rücksicht auf leichte Laut-verbindungen u. geringe Schreibschwierigkeiten zuviele abstracte Wörter mit sich führe uud so dereigentliche Anschauungsunterricht zu kurz kommenmüsse. Diesem Mangel Hilst nun die sog. Normal-wörter- (analytisch-synthetische) Methode ab,indem sie eine innige Verbindung der Anschau-ungs-, Denk- u. Sprechübungen mit dem erstenLese- u. Schreibunterricht erzielt und eine sichereGrundlage für die Rechtschreibung schafft, vr.Vogel, Bürgerschuldirector in Leipzig, gest. 1862,gab 1843 bei Fleischer das. sein Werkchen: DesKindes erstes Lesebuch, heraus u. begründete seineMethode auf 100 Normalwörter mit beigegebenenBildern, statt wie bisher auf Erzählungen u. Lese-stücke. Nach ihm arbeiteten A. Böhme in Berlin,L. Thomas in Leipzig, Kehr u. Schlimmbach inGotha, Klauwell in Leipzig, vr. Jütting u. A.Das Verfahren bei der Behandlung der Normal-Wörter ist kurz folgendes: 1) Anschauung u. Be-sprechung des Gegenstandes, in natura oder imBilde vorgezeigt; 2) Nachzeichnen desselben in all-gemeinen Umrissen (unwesentlich, auch von Vielenfür zu schwer gehalten); 3) Wortanalyse u. so-fortige Synthese aus den Lauten; 4) Anschreibendes Wortes an die Wandtafel u. Auffassung des-selben in seiner Totalität u. einzelnen Bestand-theilen; 5) Nachschreiben seitens der Schüler; 6)Lesen des geschriebenen u. gedruckten Wortes: 7)Vergleichung der Lautzeichen u. Hervorsuchen derbekannten; 8) Bildung derselben zu Lautgruppenu. Lesen dieser; 9) Zugabe von passenden Räthseln,Gedichten, Erzählungen und kindlichen Gesängen(ebenfalls unwesentlich, jedoch der Abwechselung u.Belebung des Unterrichts dienend). Es hat denAnschein, als ob mit dieser Leselehrart ein be-stimmter vorläufiger Abschluß in der Entwickelungder Methode des Leseunterrichts herbeigesührt sei,u. wenn es ihr auch noch nicht gelungen ist, alletüchtigeren Methodiker von ihrer Bortrefflichkeit u.alleinigen Richtigkeit zu überzeugen, so dürfte diesbei fortschreitender Entwickelung, namentlich in Be-ziehung auf Auswahl u. Reihenfolge der Nor-malwörter, unzweifelhaft gelingen. Geile.

Jacquard, 1) Jos. Maria, Erfinder desJacqnardscheu Webstuhles, geb. 7. Juli 1762 inLyon. Schon in frühester Jugend offenbarte sichsein mechanisches Talent; doch war er zu arm,ohne alle Schulbildung, u. so ohne Hoffnung aufErfolg. Dennoch arbeitete er unter Hunger undKummer und Sorgen sein ganzes Leben an derVerbesserung des Webstuhls für faxonnirte Sei-denstoffe; 1801 stellte er das erste Modell aus,aber erst 1805 hatte er seine vollkommene Formerlangt (J-scher Webstuhl, s. J-Maschine. Ererhielt eine Staatsbelohnung von 3000 Fcs. undvon jedem in Lyon benutzten Webstuhl sollte eraußerdem 50 Fcs. bekommen. So hatte er ein