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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
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342
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342 Hlstoriciimalcrei.

Richtung haben sich indessen bis in die neuesteZeit fortgcpflanzt, wie die beiden Müller undDeger in Düsseldorf, Führich in Wien, Pfann-schmidt in Berlin u. s. s., in denen jedoch diefrühere Größe n. Innigkeit der Empfindung meistin kleinliche Empfindelei u. sentimentale Schwäch-lichkeit ausgeartet ist. i>) Der Romanticiswus,äußerlich gefördert durch das Studium der bes.seitens der Gebrüder Boisseree angelegten Samm-lungen, sowie durch rege Theilnahme des KönigsLudwig I. von Bayern, bes. aber angeregt durchdie in der Literatur u. namentlich in der Poesiezu Tage tretende Stimmung für mittelalterlicheSage u. Geschichte, entfaltete sich zu einer raschenBlllthe u. fand im Publicum überall einen freud-igen Anklang. Er concentrirte sich besonders inDüsseldorf, da in München der Einfluß von Cor-nelius so lange überwog, bis Kaulbach derMünchener Schule eine ganz neue Richtung gab,in Berlin aber unter der Direktion G. vonSchadows sich eine strengere akademische Richtungerhielt. Der Begründer der Düsseldorfer romantischen Schule ist Karl Friedrich Lessing, derzuerst die profane Geschichtmalerei in seinen großenHistoriengemälden aus der Reformationsgeschichteals spccifische Gattung ausbildete. Ihm schlossensich an Th. Hildebrandt, Karl L>ohn, Ed.Bendemann, Julius Hübner, der späternach Dresden übersiedelte, wo schon Schnorr v.Carolsfeld in gleicher Richtung arbeitete, fernerE m. Leutze, sowie einige untergeordnete Talente,wie Stilke, Schräder, der später in Berlin einceigene Schule gründete, Steinbrück u. A. All-mählich war der in der Romantik überhauptliegende lyrisch - sentimentale Zug zu einer schön-seeligen Schwächlichkeit herabgcstimmt, die sich inelegischen Tranergemälden wohlgefiel, so daß imSchoße der Schute selbst zuletzt ein Rückschlag insKomische erfolgte. Den Trauernden Juden,Trauernden Königspaarcn und anderen Traner-scenen wurde durch die Trauernden LohgerberAd. Schrödters ein plötzliches Ende bereitet u.damit dem Romaniicismus selbst, wenn er auchnoch in einzelnen Vertretern sortvegetirte, derBoden seiner Existenz entzogen. Seitdem hat sichin Düsseldorf, nach längerer Pause, eine jüngere,dem Realismus zugcneigte Schule gebildet, welcheeinige tüchtige Talente, wie Ad. Schmitz, Baur,Jenssen u. A., aufweist, ohne daß indessen dieH. einen höheren und bedeutenderen Aufschwunggenommen hätte. Die materialistische Richtungder Zeit hat das Interesse von den großen mo-numentalen Aufgaben der Kunst ab- u. den an-sprechenderen der niederen Gattungen, namentlichdem Genre u. der Landschaft, zugelenkt. — Eineeigcnlhllmliche Richtung gab, nachdem K. Naht,ebenso tüchtig als Colorist wie als Componist, nachWien übergesiedelt war, der Münchener Historien-malerei Will), von Kaulbach durch die Ein-führnng der sog. symbolisch-historischen Cultur-gejchichtmalerei, in welcher ohne Rücksicht aufOrts- u. Zeiteinheit rein ideelle Beziehungen u.philosophische Combinationen durch persönliche Re-präsentanten in ganz realistischer Behandlung ver-sinnbildlicht werden. Die umfangreichsten Schöpf-ungen dieser Art sind die großen Culturgemälde

im Treppenhanse des Neuen Museums in Berlin.

Nach Kaulbachs Tode hat sich dieser abstraktenu. in sich unmalerischen Richtung gegenüber die ^schon früher in München durch Karl v. Piloth ,gegründete realistische Schule zu einer größerenBedeutung erhoben. — Inzwischen bildeten sich(in den 50er u. 60er Jahren dieses Jahrh.) neben >den bisherigen Hauptcentren der Malerei in !München, Düsseldorf, Berlin, Dresden, Wien durch !Bildung von Akademien neue Sammelpunkte der 'Kunst: in Königsberg, Weimar, Karlsruhe u. s. s,, '

ohne daß jedoch dadurch der H. ein wesentlicherVorschub geleistet wurde. Ans neuerer u. neuester ^Zeit sind als originale Talente noch zu erwähnen: !

Ad. Menzel, Gust. Richter, A. v. Werner, !R. Henneberg u. A. in Berlin, Hans Mackart, sAnselm Feuerbach u.A.inWien, Wislicenusin Weimar, W. Lindenschmit in München u. s. s,;im Großen u. Ganzen trägt indessen die heutigeH. ein wesentlich eklektisches Gepräge, welchesdarauf hindeutet, daß sie sich in einem Übergangs-stadium befindet, dessen Ziel gegenwärtig noch nicht !zu bestimmen ist. — 2) In Frankreich erhobsich, parallel mit dem Romanticismus, ebenfallseine entschiedene Opposition gegen den immernüchterner sich gestaltenden Davidschen Classicismnsdurch den allerdings von der deutschen Romantiksehr abweichenden Nomanticismus des großenIngres, welcher große Tiefe des Gefühls mitstrenger Stilisirung verband. Ihm schloß sichhauptsächlich Flandrin an. Das idealistischeElement in dieser Richtung rief als Gegensatz einerealistische Richtung hervor, die bes. in dem alsSchlachtenmaler des ersten Kaiserreichs berühmtenHorace Vernet ihren Hauptvertreter fand, wäh-rend das romantische Element zu einer besonderenRichtung sich entwickelte, welche viel Ähnlichkeit,namentlich hinsichtlich der Wahl der Motive, mitder deutsch-romantischen Schule zeigte. Robert -Fleury aus Lyon, Eugene Delacroix, AryScheffer u. A. arbeiteten in dieser Richtung,namentlich aber, wiewol schon mit etwas realist-ischerer Wendung, Paul Delaroche, einer derbedeutendsten Historienmaler Frankreichs, welcherglänzende Technik mit einer bei Franzosen seltenenFreiheit von Effecthascherei u. großer Objektivitätin der dramatischen Scenirung seiner Motive ver-band. Ihm folgten, aber mehr u. mehr in ein-seitigen Manierismus verfallend, Decainps,Hebert u. A. In neuester Zeit hat sich diefranzösische H. nur noch in wenigen bedeutenden .Talenten erhalten, während das Streben nach ipikanten Effecten, sowol was die Motive als was !die coloristische Behandlung betrifft, mehr u. mehr !

Überhand genommen, und so auch hier wie in >

Deutschland zu einer eklektischen Zersplitterung ge-führt hat, welcher bis jetzt ein bestimmtes Zielfehlt. — 3) Eine große Verwandtschaft mit derfranzösischen H. zeigt die neuere belgische Maler-schule. Während in den Niederlanden die Tra-ditio» der altholländischen Meister bis heute sicherhalten hat, weshalb sie für die H. im höherenSinne des Wortes von geringer Bedeutung ist,tritt in Belgien gegen die Mitte dieses Jahrh,,ans der Grundlage des Studiums von Rubensu. van Dyck, eine ebenso koloristisch wie compo-