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Bd. 17 (1879) Stichlinge - Vacanz
Entstehung
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256 Tempelhof —

Bund sehr verdächtig machten, mußten sich die Mit-glieder sehr znrückhalten, und wagten erst 1830 dieöffentliche Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen,wo sie als Neue T. unter dem Namen OIrrvtüsnsoatstoUgnes xrimitüks mit commuuistischen Tenden-zen in Paris hervortraten. Sie trugen eine weißewollene Tnnica mit rothen Kreuzen auf der Brust,einen ähnlichen Mantel, überhaupt Ritterkleidnngu. große Schwerter in der Hand u. äfften ganz diealten Templer nach. Sie gaben vor, der EvangelistJohannes sei von Jesu zu seinem Statthalter ein-gesetzt u. die ihm ertheilte Macht, in der Kirche fort-geerbt, sei 1118 bei der Gründung des Tcmpler-ordens demselben übergeben u. nach der Aufhebungdesselben durch Molays sangeblichen) Nachfolger,Larmenius, auf den im Geheim fortbestehendenOrden bis ans die neueste Zeit vererbt worden. Denhierfür versprochenen Beweis ist der Orden leiderschuldig geblieben. Die Glieder verwarfen Alles inder Bibel, was gegen die Vernunft u. die Liebe zuGott u. dem Nächsten wäre, und nahmen nur dreiSacramente, Taufe, Eucharistie und Priesterweihe,an. Ein Theil der Geheimschriften des Ordenswurde 1831 unter dem Titel I-evitioon zu Parisherausgegeben, ans welchem man ersieht, daß sichin ihren Glauben viel pantheistische Elemente ge-mischt hatten. 1837 erlosch der Orden wieder.

Vgl. Alex. Ferreira, iäsmorias s uotioias äaoelobrs Oräsm äos Minplarioo, Lissabon 1755, 2Bde.; Cramer, Geschichte des Tempelritterordcns,Lpz. 1806; W. F. Wilcke, Geschichte des Templer-ordcns, Lpz. 1826—35, 3 Bde., 2. A. Halle 1850;I. W. Graf, Gesch. dcr T. in Böhmen, Prag 1825;Fr. Münter, Statutenbuch der T-, Thl. 1., Berl.1791; Merzcndorf, Die Geheimstatuten des OrdensderT., Halle 1877; Dupny,Hi8toirs äs laeonäam-natüon äes 1smplier8, Par. 1651 u. ö.; Molden -hawer, Proceß gegen den Orden der T., Hamb.1792; Raynouard, üloimmsnts bist. relatilo ä Is,eouäaiunation äv8 elrsvalisrs än iLsinpls, Paris1813; Michelet, krooss äss Compilers, ebd. 1841.Naynouardu.Z. Werner (indenSöhnen des Thals)haben die Geschichte Molays zu Dramen benutzt.Havemann, GeschichtedesAnsgangs LesT.-Ordens,Stnttg. 1817; Soldan, Über den Proceß der Temp-ler (im Historischen Taschenbuch 1845). Schmitz.

Tempelhof, Kirchdorf mit Rittergut südlich vonBerlin, eine alte Anlage der Tempelherren, zuerst1247 urkundlich erwähnt, seit 1318 LemJohanniter-orden gehörig, kam 1435 an Berlin n. wurde 1871von einer engl. Gesellschaft gekauft, um es durch An-bauten zu einer Vorstadt Berlins umzuwandeln.Vgl. E. Brecht, Das Dorf T. in den Schriften desVereins für die Geschichte der Stadt Berlin XIV.,Berl. 1879.

Tempelraub, s. LaerilsZimn u. Kirchenraub.

Tempelritter, so v. w. Tempelherrn.

Tempelweihe, die feierliche Einweihung desTempels zu Jerusalem. Die Einweihung des Sa-lomonischen Tempels geschah durch Salomo in Ge-genwart aller Stammsürsten n. Volksältesten. DieBnndeslade n. alle heiligen Gefäße der Stiftshüttewurden in feierlichem Aufzuge, getragen von Prie-stern u. Leviten, in den Tempel gebracht; alsdannsprach Salomo das Weihegebet u. die Priester voll-zogen die Opfer. Der zweite Tempel wurde auch

Temperament.

feierlich, aber unter geringerem Aufwand geweihtund nach der Plünderung und Schändung desselbendurch den Syrerkönig Antiochos Epiphanes weihteihn Judas Makkabäos von Neuem mit einem acht-tägigem Feste. Dieser T. zu Ehren wurde bei denJuden ein jährliches Temp elweihfest eingeführt.

Tempera, s. X tsmpsra.

Temperament (v. Lat.), die durch den körper-lichen Organismus mitbedingte, also physiologisch izu erklärende eigenthümliche individuelle Disposi- !tion der Seele zur Entstehung von Gemüthsbeweg- !nngen. Die Ansichten über die physiologischen Ur-sachen der T-e und deren Wesen haben vielfach ge-wechselt. Ansangs suchte man die Ursachen in den4 alten Elementen: Erde, Wasser, Luft und Feuer.Hippokrates u. seine Nachfolger, bes. Galen u. seineSchule in den vermeintlichen vier Hauptflüssigkeitendes menschlichenKörpers: der gelben Galle (Cholos),der schwarzen Galle (Melas cholos), des Blutes(LanAnis) u. des Schleimes (Phlegma), und daherrühren die seitdem gebräuchlich gewordenen NamendervierT-e, des ch o l o r is ch e n, m e l a n ch o li s ch e n,sanguinischen n. phlegmatischen. Diese ur-alte Unterscheidung der vier T-e hat auch heuteihre Brauchbarkeit nicht eingebüßt, wenn gleich dieVorstellungen, aus welchen die eben angeführtenNamen der T-e hervorgingen, längst beseitigt sind.Später suchte man den Grunddes Unterschieds haupt-sächlich in der Beschaffenheit des Blutes; Stahl u.seine Nachfolger mehr in den festen Theilen des Kör-pers; Andere im Vorherrschen verschiedener Organ-systeme (nervöses, venöses, arterielles undlympathisches T.); wieder Andere in verschiede-ner Stärke u. Reizbarkeit des Nerven- n. Muskel-systems; im Verhältnis) zwischen Receptivität undReaction; endlich in der größeren oder geringerenRegelmäßigkeit der Hauptfunctionen des Organis-mus; auch blieb man nicht bei der alten Vierzahlstehen. Die neuere Physiologie hat die VersucheeinereigentlichenTheorie derT-e zum größten Theileanfgegeben; das Verhältniß zwischen dem Leiblichenu. Geistigen ist dazu noch viel zu dunkel; auch weistdie physiologische Beobachtung nach, daß die ge-wöhnlich angenommenen vier T-e zur Classisicirnngnicht ausreichen, sich vielmehr nur in verhältniß-mäßig wenigen Fällen rein ausgeprägt finden unddaß es zwischen denselben eine Menge von Mischun-gen und Übergängen gibt, welche durch die obigeEiutheilung nicht erschöpft werden. Man hält daherdie alten vier T-e nur noch als Grnndtypen fest,a) Das cholerische T. äußert sich durch eine leichteErregbarkeit zu starken n. heftigen, aber vorüber-gehenden Affecten. Der Choleriker ist mehr geneigtzum aufbrausenden Zorn, als zur hingebende» Liebe;er hat ein starkes Selbstgefühl, er neigt zur Herrsch-sucht u. zum Ehrgeiz: er ist meist ernst, selten harm-los fröhlich; Hochmuth, Jähzorn, Verwegenheit undTollkühnheit sind die Gefahren, welchen diesem T.drohen, d) Das melancholische T. ist nichtempfänglich für leichte u. oberflächliche Erregungen,aber was dasselbe einmal afficirt, greift tief ein undhält lange nach; es umfaßt seinen Gegenstand innigu. hält ihn fest. Leidenschaften beschleichen den Me-lancholiker mehr, als daß sie ihn überfallen. Erzieht seine Leidenschaften, in sich gekehrt über ihnenbrütend, gleichsam mit Liebe groß; daher schlagen