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Bd. 17 (1879) Stichlinge - Vacanz
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Tempel —

Anhöhen angelegt, doch haben sich keine Reste davonerhalten; nach änderen Annahmen fehlten sie ganzund waren nur ans hohen Bergen errichtete Altsirevorhanden, wie Herodot berichtet. Ob die Ruinenvon Persepolis auch einem T. mit angehören, weißman nicht; vermuthen läßt es sich, weil die T. ge-wöhnlich zugleich mit Palästen od. auch verbundenmit ihnen auf Anhöhen lagen, wie auch die persepo-litanischen Ruinen liegen. Von den T-n der Phöni-ker ist außer dem Salomonischen T. zu Jerusalem,welcher ebenfalls durch phönikische Werkleutc errich-tet wurde, nichts Sicheres bekannt. Letzterer waraller Wahrscheinlichkeit nach ein Bauwerk, welchesnur durch seine übertriebene Pracht, nicht aber durchseine künstlerischen Formen die Bewunderung desAlierthums erregte. Es zerfiel in drei Abtheilun-gen, die Vorhalle, das Heiligste n. das Allerheiligste,welche ganz mit stülpirtem Cedernholz getäfelt wa-ren; diese mit Cherubim, Palmen u. Blumenorna-meuten geschmückten Holzvertäfelungen waren dannaber nochmals mit dünnen Goldblcchplattcn über-zogen. Kurz, das Ganze eine künstlerische Barbarei,bei welcher der Werth des Stoffes mehr galt, alsdie Form. (Über diesen T. s. auch Jerusalem, S.627.) Über die T. der Griechen u. Römer s. auchArt. Baukunst u. Säulenordnung. Ewerbeil.

Tempel, Ernst Wilhelm Leberecht, Astro-nom, geb. 4. Dec. 1821 zu Nieder.Lunnersdors inder Oberlansitz; erlernte die Lithographie, ging nachMarseille, beschäftigte sich hier nebenbei mit astrono-mischen Beobachtungen, wurde 1861 als Adjunkt ander dortigen Sternwarte angestellt, aber 1870 alsDeutscher vertrieben, ging hierauf nach Italien, wardort anfangs an der Sternwarte in Mailand, dannin Arcetri bei Florenz thätig. T. hat seinen Namendurch mehrere Kometen- u. Planetoiden-Enrdeckun-gcn bekannt gemacht. Specht.

Tempelbnrg , Stadt im Kreise Neustettin despreuß. Regbez. Köslin, zwischen dem Dratzig- undZepplinsee, Station der Wangerin-Neustettin-Ko-nitzer Eisenbahn (Pommersche Ceutralbahn); Amts-gericht, Ackerbau; 1875: 4381 Ew. T. ist Geburts-ort von Emil Palleske. Es wurde 1291 von denTempelrittern als deutsche Stadl gegründet, gehörtezur Starostei Dratzig, welche 1668 von Polen anBrandenburg abgetreten wurde. Inzwischen wiederunter poln. Herrschaft gekommen, brannte die Stadt1725 n. nochmals 1765 fast gänzlich ab. Im Frie-den von Warschau 1773 kam sie wieder an Preußen.

Tempelcolonicn, s. Tempelgesellschaft.

Tempelgesellschaft, eine württembergische chi-liastische Secte, 1854 von Christof Hoffman», demBruder des preuß. Oberhofpredigers, Chr. Paulusu. G. D. Hardegg begründet. Ihre Tendenz ist,„die Heilung der Völkerkrankheit durch den Bau desTempels, d. h. die Bildung einer unabhängig vonden bestehenden Kirchen auf rein christlicher Grund-lage organisirlen Gesellschaft, ähnlich der ersten Chri-stengemeinde, also die Sammlung des Volkes Gottesherbeizuführen". DieSecte machte 1856—1873 eineNiederlassung auf dem Kirschenhardthof bei Marbachzum Mittelpunkt ihrer Bestrebungen, erklärte 1861förmlich Len Austritt aus der Württemberg. Landes-kirche, u. machte 1860 einen mißlungenen Versuch,in Palästina eine Colonie zu begründen. Seit 1868gelang es der T., in Haisa, Jaffa, Sarona Nieder-

Tempeiherrn.

tassnngen zu begründen, die 1877, einschließlich von120 in Jerusalem wohnenden, 850 Colonisten zähl-ten. Der ursprüngliche phantastische Gedanke Hofs-manns au einen eigentlichen Tempelbau in wört-licher Erfüllung der alttestamentlichen Weissagunghat sich allmählich zu beinahe rationalisirenden Re-formplauen u. zu der Absicht, auf den Orient reli-giös n. civilisatorisch einzuwirken, vergeistigt. Vgl.Christof Hosfmann, Stimme der Weissagung überBabel», das Volk Gottes, Stuttg. 1849; Ders., DasChristenthnm im 1. Jahrh., ebd. 1853; Ders., Occi-dent n. Orient, Stuttg. 1875. Löffler.

Tempelherrn (Templer, Üratre8 wilitiastsmM, Uilitso 8. üguitsn Psmplarii), genanntvon dem salonionischen Tempel, an dessen Stelledas Ordenshans in Jerusalem stand, sind hervor-gegangen ans einem 1118 durch Hugo vonPayensu. Gottfried von St. Omer mit 6 sranzös. Ritterngeschlossenem Bunde, dem 1125 noch Graf Hugovon Champagne beitrat. Sie legten vor dem Patriar-chen von Jerusalem das ritterliche Mönchsgelübdeab, d. h. das Gelübde der Keuschheit, der Armuthu. des Gehorsams mit der Verpflichtung des Schu-tzes christlicher Pilger, erhielten Lessen Bestätigungdie bereis 1127 das Concil, welches Papst Hono-'rius II. in Trohes hielt, wiederholte, und dabei ewigenKampf gegen die Ungläubigen unter kanonischerDisciplin u. mönchischer Abtödtung den Rittern zurPflicht machte. Ihr Ordenskleiü war ein weißerMantel mit achieckigem rothem Kreuz; ihr Siegelenthielt zwei Reiter auf einem Pferd als Sinnbildbrüderlicher Eintracht, wie sich auch ihre LosungLsaussanb auf dies schöne Beisammensitzen bezog.Ihre Ordensregel war von Bernhard von Clair-vaux entworfen und wurde später nach 1172 zu 72Artikeln ausgearbeitet. Der Orden wurde bald inallen christlichen Reichen mit Gütern reich beschenkt:Durch das Testament Alphous I. von Aragonien u.Navarra 1131 erhielt er große Vortheile u. Rechtein Aragonien; der Nachfolger Heinrich's V. inDeutschland, Lothar der Sachse, schenkte den Temp-lern 1130 seine Erbgüter in der Grafschaft Supplin-burg, reiche Schenkungen gab auch Heinrich I. vonEngland. Hugo von Payens hatte inzwischen anseiner Reise in Europa hohe Herren zum Eintritt inden Orden veranlaßt, sodaß er mit 300 Ordensbrü-dern nach Jerusalem zurückkehrte. Die kriegerischeRichtung blieb stets vorherrschend, und erst in derMitte des 13. Jahrh. wurden bei einer Revision derStatuten die Mitglieder förmlich in Ritter und die-nendeBrllder getheilt. DieseReviston hatte übrigensden Zweck, den jetzt bereits in Folge des Krieger-lebens u. des in Kurzem sich mehrenden Reichthumsdes Ordens eingerissenen Unregelmäßigkeiten zusteuern. Bei der Aufnahme als Ritter wurde strengverfahren; der Aufzunehmende mußte aus Nitter-geschlecht, aus gesetzmäßiger Ehe entsprossen, unver-heirathet, rein von der Schuld eines schweren Ver-brechens, ohne Gebrechen u. frei vonGelllbden ande-rer Orden sein; einePrüfungszeit(Noviziat) brauchteer nicht durchzumachen. Die dienenden Brüder(b'rats8 aorvisnöss, §rsrs8 oorvanto, die Servien-te»), bürgerlicher Abkunft, trugen schwarze od. graueKleidung, u. zerfielen in Waffenbrüder und Hand-werksbrüder. Elftere konnten niedere Ämter, selbstPriorate erhalten und hatten dann in den Capiteln