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Telegraph.
der Entfernungen, thcils durch die ungeheuerlich an-gewachsene Anzahl der Telegramme noch zu man-cheneigenthümlichen Einrichtungen gedrängtgesehen.Dahin gehören:
a. Die automatische Telegraphie. Eineautomatische Stromsendung beseitigt alle Fehler-quellen, welche in der Persönlichkeit des Tclegraphi-renden ihren Ursprung haben, mit ihnen zugleichaber auch die besonderen Verhältnissen nach Erfor-dern Rechnung tragende Fürsorge desselben. Zugleichkann durch sic die Leistung erhöht werden, La dieMaschine der Linie die Ströme in so rascher Folgezuzuführen vermag, als diese sie aufzunchmen undder Empfänger sie zu verarbeiten im Stande ist. BeiallenAutomaten muß das abzutelegraphirende Tele-gramm dazu erst besonders vorbereitet werden. DieTypen-Automaten bewirken die Stromsendungmittels besonderer Typen, aus denen das Telegrammin ähnlicher Weise, wie in der Buchdruckerei, gesetztwird. Morse strebte gleich anfänglich nach einer sol-chen Sendung; der vollkommenste dieser Automatenist der Typenschnellschreiber für Wechselströmevon Siemens u. Halske, 1862. — Die Stiftauto-maten benutzen zur Vorbereitung verschiebbareStifte. Bain plante 1846 einen solchen für Steinheil-schrist; der Dosenschriftgeber von Siemens u.Halske (1872) gibt Steinheil- od.Morseschristod.Ty-penürnck (vgl. v e oo); Hottenroth (1874) u.Girar-bon enlwarfen solche Automaten znm Hughes (vgl.vorm). Bain (1846), Siemens u. Halske (1853u. 1868), Wheatstone (1858) u. A. wollten einengelochten stetig fortgczogenen Streifen so verwenden,daß eine der Reihe nach durch die Löcher hindnrch-greifende Feder oder Nolle die Stromschließung be-wirken sollte. Digney (1862), Wheatstone (1867),W. Thomson u. Fleeming Jeukin (1871), Phelpsbenutzen einen gelochten Streifen nur mittelbar zurStromseudung, indem derselbe die Bewegung derstromschließenden Theile zwar zu gestatten oder zuverhindern hat, die Stromschließung selbst aber nichtvon den in die Löcher eiutretenden Theilen selber be-wirkt wird. Die Streifen werden mittels besondererMaschinen gelocht, welche entweder als Handlochereinzelne Löcher, oder, wie der Tastenlocher vonSiemens u. Halske gleich sämmtliche zu einem gan-zen Morsezeichen ersorderlichen Löcher durchstoßen.
b. Die Doppeltelegraphie, s. d. In derjün gsten Zeit sind außer zahlreichen neuen Vorschlägenzum Doppel- u. zum Gegensprechen namentlich auchnoch mehrere sog. mehrfache T-en, zum Theil auchTypendrucker, entworfen worden.
o. Die Translation (s. o. Ok) hat bes. für dieMorse-T-en Bedeutung u. läßt sich am leichtesten fürLinien mit Arbcitsstrom durchführen. Man kannmit einem gewöhnlichen Relais unter Anwendungeines Umschalters, besser mit zwei bes. eingerichtetenRelais (Translations- oder Doppelcontactrelais)übertragen. Am sichersten benutzt man nach Stein-heils Vorschläge zwei Schreibapparate, dabei sindnach Fig.44, Taf. IV., die beiden Linien folgender-maßen symmetrisch verbunden: die erste Linie 1^ istnach der Achsc p des Schreibhebels im zweiten Schreib-apparate 82 geführt u. der aus derLinievi kommendeStrom läuft von dem Schreibhebel, welcher in derRuhelage ist, über die Ruhecontactschraube e nachden Spulen des Relais Ri der ersten Linie u. dann
zur Erde (bez. in der Fortsetzung 1^ dieser Linie nochweiter nach der nächsten Station); das Relais R,schließt daher den Stromkreis der Localbatterie k>,durch die Spulen des Morse 8 i, dessen Schreibhebclst legt sich auf die Stellschraube s, mit welcher dereine Pol der Linienbatterie v? verbunden ist, und >diese sendet daher bei jedem auf der ersten Linie Vieinlangenden, auf dem ersten Schreibapparate 8 ^erscheinenden Zeichen einen Strom durch dessenSchreibet st zur Achse x und über Xz in die zweiteLinie 1-2 weiter. In ganz gleicher Weise gibt 82 dieaus 1,2 in der Trauslationsstation eiulangendenZeichen in die Linie weiter. Jeder Schreibhebclspielt also bei der Translation die Rolle eines Ta-sters in derjenigen Linie, deren Zeichen er nicht zuschreiben hat. Mit dem in Fig. 14 abgebildctenUmschalter lassen sich die Apparate in Fig. 44 soverbinden, daß sie mit od. ohne Translation arbei-ten können: dazu hätte man die Linien V von x zutrennen u. an die beiden mittleren Schienen zu legen,an die daneben liegenden rechten u. linken Schienenaber Drähte von dem zu derselben Linie gehörigenx u. z- zu führen; zur Translation hat man dannin den beiden Löchern oben und unten rechts, zumTelegraphiren ohne Translation in den beiden obenu. unten links zu stöpseln; ein Stöpsel in dem Lochezwischen den beiden Mittelschieuen allein verbindetVi u. vz unter Ausschaltung aller Apparate. Zwi-schen 5 u. R würde man dabei noch einen Taster inder nämlichen Weise wie in Fig. 41 eiufügen.
ä. UnterZweigsprechen versteht man diejenigeArt des Telegraphirens, bei welcher jedes auf einer ,Linie in einer Station einlaugende Zeichen von die-ser Station aus selbstthätig, ohne Zuthun der Be-amten in mehren Linien weiter gegeben wird; mankann es ohne u. mit Translation ausführen.
s. Zur selbstthätigen Ein- u. Ausschalt-ung einer Schleifenlinie (d. h. einer von einerHauptleitung nach einem seiiwäris liegenden Tele-graphenamte abgezweigten, von diesem aber wiedernach der Hauptleitung zurückgeführten Drahtleit-ung) benutzt man besonders construirte (polarisirte)Relais u. Ströme von verschiedenem Vorzeichen, sodaß z. B. die positiven Ströme die Schleife mitdurchlaufen, während negative die Schleife ausschal-ten , indem sie die beiden Enden der Hauptleitungunmittelbar mit einander verbinden.
Die Ausbreitung der T-en und des telegraphi-schen Verkehrs beginnt erst von dem Zeitpunkt,wo die T-en aushörten, blos dem Eisenbahn- undStaatsinteresse zu dienen, und auch den Privat-,namentlich den Handelsinteressen zur Benutzungüberlassen wurden. In Amerika scheint dies zuerstu. zwar von 1843 an der Fall gewesen zu sein. InDeutschland wurde schon 1847 eine Linie von Bre-men nach Vegesack zum Gebrauch für Jedermannangelegt, während England 1848, Preußen u. Öster-reich 1849, Frankreich erst durch das Gesetz vom 1 .Aug. 1851, Dänemark I.Febr. 1854 Privattele-gramme zulieb. Den größten Einfluß aber übte inDeutschland der Deutsch-österreichische T-en-verein, welcher nach dem Vertrag vom 25.„Juli1850 am 15. Aug. 1850 in Dresden zwischen Öster-reich, Preußen, Sachsen und Bayern, nachdem diesesich schon 1849 über die Weiterbeförderung ihrerStaatstelegramme geeinigt hatten, abgeschlossen