Druckschrift 
Bd. 17 (1879) Stichlinge - Vacanz
Entstehung
Seite
233
Einzelbild herunterladen
 

233

Telegraph.

calstromkreis, in welchen anch der Elektromagnet desEmpfängers eingeschaltet ist. Von den sehr mannig-faltigen Formen des Relais sei nur noch das sehr-verbreitete Dosen-Nelais von Siemens u. Halske er-wähnt; ans dieKerneseines stehenden ElektromagnetssindPolschnhe m, m', Fig. 20, aufgesetztu. ragen obenaus der Holzbüchse vor; der zwischen ihnen liegendeAnker ä dreht sich um eine in dem Bügel Ir gelegeneAchse u. spielt mit seiner Verlängerung zwischen derContactschraube o u. dem isolirenLen Achatknöpfchene, welche in einem gemeinsamen, mittels des Schlüs-sels s, auf einer Schraubenspindel verstellbaren Mes-singstucke angebracht sind; der bei x u. z- in die Elek-tromagnetspulen ein- u. austretende Linieustrom legtä von e, woran ihn die mittels des Schlüssels b re-gulirbare Feder k andrückt, an s und schließt so denLocalstrom über v, e, ck, k, rv. Das wiederholte Re-guliren der Spannfeder t hat man beim Relais aufverschiedene Weise zu umgehen versucht; bei den po-larisirten Relais z. B. ist der Anker selbst magne-tisch u. wird, ähnlich wie bei den polarisirten Farb-schreibern (vgl. Vst), nach dem Anziehen entwe-der durch magnetische Wirkung od. durch einen Stromvon entgegengesetzter Richtung in die Ruhelage zu-rllckgesührt. Uber das submarine Relais von Sie-mens s. O s eo. k) Der Translator (Über-trager) hat in der Endstation einer T-enlinic ein indieser Linie aiikommsndes Telegramm selbstthätig u.ohne Zuthnn eines Beamten in eine andere Linieweiter zu geben. Früher waren alle wichtigeren Kno-tenpunkte des europäischen T-cnnetzes darauf einge-richtet, daß sie nach Bedarf übertragen konnten, da-mit das Wcitertelegraphiren mit der Hand und diedabei sich etwa eiuschleichendeu Fehler vermiedenwurden. Da konnte z. B. Triest über Wien, War-schau, Petersburg, Moskau direct Telegramme mirOdessa od. Manchester über Haag, Berlin, Peters-burg, Moskau, Odessa mit Nikolajew (600 Meilen)Telegramme wechseln. Bei dem jetzigen starken Ver-kehr würde bei Translation auf weite Strecken zuviel Zeit unbeiilltzt durch das Rufen verloren gehen;daher macht man jetzt nicht mehr so ausgedehntenGebrauch von Translatoren. Fardely schlug dieTranslation schon 1844 bei seinem Typendruck-T-envor; Ezra Cornell soll sie 1846 zwischen Rew Uorku. Buffalo angewendet, Morse schon 1836 an sie ge-dacht haben. Der Translator hat eine ähnliche Auf-gabe wie das Relais, nur daß bei der Translationdie beiden Stromkreise gleichwerthig sind, indem dieZeichen nicht bloß aus dem einen in den anderen,sondern auch rückwärts aus dem zweiten in den er-sten weiter gegeben werden sollen. Vgl. L o.

O. Die elektrischen T-en verwerthen entwederals elektrochemische T-en die chemischen Eigen-schaften des elektrischen Stroms in Len Empsängernzum Zeichengeben, oder als elektromagnetischeT-en die magnetischen Eigenschaften desselben, undzwar theils die Ablenkung von Magnetnadeln odervon durchströmten Drahtspulen, theils die anziehendeu. abstoßende Kraft von Elektromagneten. JedeStation braucht in jeder Linie, in der sie empfangenu. geben soll, zugleich einen Empfänger u. einenSender. Die auf den Empfängern erscheinendenZeichen sind theils blos hörbar, theils blos sichtbar,theils endlich zugleich sichtbar u. hörbar. Die sicht-baren Zeichen aber sind wiederum entweder blos

augenblickliche, nach ihrem Erscheinen sofort ver-schwindende, od. bleibende, auf einem Papierstreifenfixirte. Diejenigen T-en, welche bleibende Zeichengeben, nennt man Druck- od. Schreib-T-en, jenach-dem die Schriftzeichen mit einem Male, wie beimBuchdruck, od. durch einen längere Zeit dauerndenZug hervorgebracht werden; der erste derselben wurdebereits 1836 von Stcinheil erfunden u. war ein Na-del-T. (vgl. a 1). Die telegraphischen Zeichen sindendlich entweder für Jedermann lesbar, od. nur denEingeweihten; gibt nämlich der T. nur eine gewisseAnzahl von sogen. Elementarzeichen, woraus durcheine passende Gruppirung ein entsprechendes Alpha-bet u. die sonst uöthigen Zeichen zusammengesetztwerden, so erscheint das Telegramm in einer ArtChifferschrift. Ein fortgesetztes Telegraphiren istnur möglich, wenn entweder nach jedem Zeichen dieOrts- bezw. Zustaudsändernng, welche man im Em-pfänger als telegraphisches Zeichen hervorrief, wiederbeseitigt u. so der Urzustand wieder hergestellt wird,oder wenn der im Empfänger hervorgebrachte Zu-stand als ein neuer Ruhezustand u. Ausgangspunktbenutzt werden kann. Ersteres kann u. a. dadurcherzielt werden, daß mau mit Wechselströmen tele-graphirt,d. h. nach jedem Telegraphirstrome einenStrom von entgegengesetzter Richtung sendet, umdurch ihn den Urzustand wieder herzustellen. BeimTelegraphiren mit einfachen Strömen und mirStrömen von entgegengesetzter Richtungdagegen läßt man den Urzustand durch eine Gegen-kraft wieder Herstellen u. verwendet dazu meistenseins Abreißfeder oder einen Magnet. Im andernFalle kann man ebeusowol mit Wechselströmen wiemit einfachen telegraphiren. Bezüglich der Strom-gebung sind folgende verschiedene Arten des Tele-graphireus zu unterscheiden: 1) Telegraphirenmit Arbeitsstrom; dabei ist die Leitung für ge-wöhnlich von keinem Strome durchflossen, u. es wirdjedesmal in dem Moment ein Strom durch die Leit-ung gesendet, in welchem mau ein Zeichen geben will,welches eben durch den Strom hervorgebracht wird;2) Telegraphiren mit Ruhestrom; hier ist disLeitung fürgeivöhnlichvoneinemStromedurchflossen,u. man bringt beim (gewöhnlichen, vgl. s 1) Ruhe-ströme die telegraphischen Zeichen dadurch hervor,daß man den Strom unterbricht; 3) werden in einerstromerfüllten Linie Zeichen dadurch gegeben, daßman den vorhandenen Strom verstärkt od. schwächt,so telegraphirt man mit Difserenzstrom (vgl.Eisenbahu-T-en, S. 152.) 4) Beim Telegraphi-ren m it Geg enstrom endlich werden in den beidenEndstationen gleich starke Batterien so aufgestellt,daß sie der Linie Ströme von entgegengesetzter Richt-ung zuführen, diese daher für gewöhnlich stromsreiist; eine Endstation telegraphirt dann, indem sie ihreBatterie ausschaltet, eine Mittelstation aber, indemsie die Linie an Erde legt, somit in zwei Theile theilt,in deren jedem nun der Strom einer Batteriewirksam wird.

o.) Die Nadel-T-en sind die ältesten elektro-magnetischen T-en (vgl. oben) u. geben die meistblos sichtbaren telegraphischen Zeichen Lurch eine od.mehrere Magnetnadeln, welche durch einen in einerMultiplicatorspule parallel zur -Radel um sie herum-gesührten positiven Strom aus ihrer Ruhelage nachder einen Seite, durch einen negativen Strom nach