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Bd. 17 (1879) Stichlinge - Vacanz
Entstehung
Seite
228
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228 Telegraph.

Zahlen andeuten. Der Magnetstab LIZk war aneinem 3 m langen Faden an einer Schranke i?l?aufgehängt n. trug ein Spiegelchen welches dieTheilstriche der Skala mm in dein Fernrohre L sicht-bar machte; durch die Spiegelung wurde (wie beidem Magnetometer, vcrgl. Magnetismus, S. 493)die Nadelablenkung verdoppelt und somit deutlicherwahrnehmbar; deshalb hat Liese Art der Spiegel-ablesnugen für Kabel-T-en (vgl. v s oe), große Be-deutung erlangt. Von Gauß dazu angeregt, verfolgteProfessor C. A. Steinheil in München den Gegen-stand weiter u. befähigte 1836 den Nadel-T. dazu,die ankommenden Zeichen dem Ohre vernehmbarzu machen u. sie bleibend niederzuschreiben (vgl. va I). Steinheil vollendete 1837 die Leitung von derkönigl. Akademie in München nach der S Meile ent-fernten Sternwarte Bogenhausen; 1838 versuchte eraus der Nürnbcrg-Fürther Eisenbahn die Schienenals T-enleitung zu benutzen u. entdeckte dabei, daßman die Erde als Rllckleiter der Elektricitätbenutzen kann, wenn man das zweite Ende des Mul-tiplicators an der empfangenden Station, sowie deneinen Poldraht an der gebenden mit einer in dieErde versenkten Metallplatle (Erdplatte) verbindet.Als die Leitung von München nach Bogenhausen be-reits sertig und in so einfacher Weise betriebsfähigwar, nahmen in England Wheatstone u. Cooke 12.Juni 1837 ein Caveat u. 12. Dec. das Patent auf 2T-en mit 4bezw. 5Nadcln; zum Betrieb des Fünfna-del-T-en brauchten sie 6, od. bei Verzicht auf das Tele-graphiren der Ziffern 5 Leitungsdrähte. Im März

1836 hatte William Fothcrgill Cooke in einer Vor-lesung von Muncke in Heidelberg einen SchillingscheuT. gesehen u. widmete sich von da an der elektrischenTelegraphie; noch im März entwarf er einen T-en,welcher 6 Drähte bedurfte u. mit 3 Nadeln ein Al-phabet von 26 Zeichen geben sollte. Gleich daraufmachte er sich an die Herstellung von Zeiger-T-enfür Eisenbahnzwccke, wobei er anfänglich die me-chanische Einrichtung der Spieldosen nachzuahmensuchte, wobci die beiden zusammen arbeitenden Werkesynchron lausen mußten, schon im Juli 1836 jedochein durch 2 Elektromagnete abwechselnd hin u. herbewegtes Pendel mit Echappement anwandte. 1837vereinigte sich Cooke mit Charles Wheatstone, Pro-fessor am LinM 6vIlsAo, u. nun folgten weitere we-sentliche Verbesserungen. Der ihnen beiden 12. Dec.

1837 patentirte Fünfnadel-T. mit 5 Drähten kam1840 auf der Great-Western Bahn zur Ausführung,doch wegen seiner Ungeheuern Kosten (250 300Pfd.Sterl. für eine engl. Meile) nur auf einer kur-zen Strecke. Die 5 Nadeln waren auf einem rauten-förmigen Rahmen angebracht, u. von ihnen wurdenbeim Zeichengeben stets 2, u. zwar nach verschiede-nen Seiten abgelenkr; da wo sich die Nichtungsliniender beiden Nadeln schnitten, war am Rahmen derLurch das Zeichen gemeinte Buchstabe angeschrieben;der Zeichengeber war eine Claviatur mit 5 Tasten,von denen zu jedem Zeichen 2 niederzndrücken wa-ren, dabei die zu ihnen gehörigen 2 Leitungsdrähten. 4Multiplicatoren zu einem Schließnngskreise ver-banden u. zugleich in diesen den Strom der galvani-schen Batterie entsendeten. So konnten mittels der5 Nadeln 20 Buchstaben telegraphirt werden. Soll-ten die 10 Zistern mit telegraphirt werden, so wurdenoch ein 6. Leiter nöthig, damit man jede der 5 Na-

deln auch allein nach links und nach rechts ablenkcnkonnte. Im Sept. d. I. 1837 trat auch S. F. B.Morse (s. d.) mit seinem Schreib-T-cn (vgl. Oo 1)an dieOefscntlichkeit. So große Verdienste nun auchWheatstone, Cooke, sowie Morse sich um die Vervoll-kommnung u. Einführung der elektrischen T-en er-worben haben, so haben doch unbestreitbar Gauß u.Weber der elektrischen Telegraphie den rechten Wegangebahnt und Steinhsil denselben weiter geebnet;allein erst nachdem England (wo 1845 die Länge derLeitungen von 14 ans 108 deutsche Meilen stieg) n.auch Amerika (wo 1843 der Congreß 30,000 Doll,zu T-en bewilligte. Morse 1844 die erste 8 deutscheMeilen lange Leitung von Washington nach Balti-more baute, 1845 schon 194 Meilen von New Dortnach Boston u. über Albany bis Buffalo n. 1852schon 260 Meilen gezogen waren) lange T-enlinienhatten, wurde die deutsche Erfindung auch für Deutsch-land fruchtbringend, zunächst für die Eisenbahnen;1843 ließ die Direction der Rheinischen Eisenbahnbei Aachen für eine Art Zciger-T-en mit 6 Buchsta-ben auf dem Zifferblatts eine kurze Leitung mit im-mer noch 4 Drähten durch einen Engländer aussüh-ren, worauf 1844 eine Leitung von Fardely ansMannheim oberirdisch längs der Taunnseisci bahnangelegt wurde, u. zwar mit nur einem Draht n.mit einem Bauaufwands von 600 Fl. für eine oeut-sche Meile. Rußland erhielt Anfang 1844 die ersteT-cnlinie von Petersburg nach Zarskoe-Selo, Frank-reich 1845 seine erste, 140,000 Frcs. kostende Linievon Paris nach Ronen. 1846 wurde in Preußenzuerst Berlin mit Potsdam, in Österreich Wien mitBrünn telegraphisch verbunden; in demselben Jahrebaute der Conservalor und Akademiker, ProfessorSteinheil die Linie an der Eisenbahn von Münchennach Nannhofen. Belgiens erste Linie, Antwerpen-Brüssel, ward durch Wheatstone u. Cooke im Aug.1846 fertiggestellt. Holland und Toscana erhielten1847, die Schweiz u. Neapel 1852, Schweden 1853,Spanien 1854, der Kirchenstaat u. Norwegen 1855,Portugal erst 1857 die erste Linie. Schon 1847wurde die belgische Thronrede von 842 Worten mit4661 Buchstaben in 47 Minuten von Brüssel nachAntwerpen, die englische binnen 2 Stunden nach 60Stationen Englands u. Schottlands verbreitet, 55Buchstaben in einer Minute.

Zum Betrieb eines elektrischen T-en sind ganzunentbehrlich: eine Elektricitätsguelle, welche die Te-legraphirströme liefert, eine T-enleitnng, in welcherdiese Ströme von der das Telegramm gebendenStation nach der dasselbe empfangenden entsendetwerden können, ein Zeichengeber od. Sender in dergebenden Station, mit welchem die Ströme der Leit-ung od. Linie zngeführt werden, u. ein Empfänger,welcher in der Empfangsstation die telegraphischenZeichen als Stromwirkungen (vergl. Galvanismus0) sinnlich wahrnehmbar macht. Außer diesenbeiden unentbehrlichen T-enapparaten kommen inden T-cnämtern noch eine Anzahl von Nebenappa-raten vor, welche die Erreichung verschiedener Ne-benzwecke ermöglichen, dadurch aber zum Theil fürden Betrieb eine große Wichtigkeit besitzen.

/V) Als Elektricitätsqnelle werden vorwie-gend galvanische Batterien verwendet, doch telegra-phirt man auch nicht selten mit Jnductionsströmen,welche gewöhnlich durch Magnetinductoren (vergl.