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Bd. 17 (1879) Stichlinge - Vacanz
Entstehung
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Telegraph.

von 0, 45, 90, 135° einschlossen; daher waren imGanzen 4x4x4x4x4x4 4096 ver-schiedene Zeichen möglich. Zwischen Köln n. Berlinbefanden sich 50 Stationen in Entfernungen von jeetwa 2 Meilen. Die Geschwindigkeit, mit welcheroptische T-en die Signale sortgeben, hängt bei dergroßen Geschwindigkeit des Lichtes (42,000 Meilenin 1 Sccnnde) wesentlich von der zur Einstellung derSignale erforderlichen Zeit ab und daher wird dieFortpflanzungsgeschwindigkeit um so geringer, jenäher die Stationen zufolge der örtlichen Verhält-nisse an einander liegen müssen. Weit einem gutenFernrohr kann man die Signale 68 Stunden weitdeutlich sehen, doch beträgt die mittlere Entfernungder Stationen nicht über 2 Meilen. Mit optischenT-en kann bei dichtem Nebel, heftigem Regen undSchneesall u. bes. bei Nacht nicht telegraphirt wer-den. Diesen großen Mangel zu beseitigen bemühtensich schon die Gebrüder Chappe, doch mit nicht bes-serem Erfolge als Andere nach ihnen. Villalonguez. B. ersetzte bei seinem Tag - und Nacht-T-en dasMobile u. die beiden Flügel durch drei in entspre-chende Öffnungen des Stationsgebäudes eingesetztekreisrunde schwarze Scheiben von 2 3m Durch-messer, auf denen ein weißer Halbmesser von 0,2 mBreite gezogen war; bei Nacht wurde der Raumhinter den Scheiben hell erleuchtet und anstatt desweißen Halbmessers ein ähnlicher Schlitz in denScheiben zum Zeichengeber: benutzt; den Regulatorbildete ein weißer, bei Nacht ebenfalls hell erleuch-teter horizontaler Streifen zwischen den beiden un-teren Scheiben. Der T. von Gonon (1846) enthieltje zwei bewegliche Pseile auf zwei verschieden hohenSäulen u. sechs durch Schieber verschließbare Fcn-sterchen in dem Zwischenraum zwischen den Pfeilen;bei Nacht sollte jeder Schieber mit zwei feststehenden,jeder Pfeil mit zwei beweglichen Lichtern versehenwerden. Aus den überhaupt möglichen Zeichen wählteGonon 40,960 aus u. suchte außerdem die Leistungs-fähigkeit seines T-en bes. durch die Aufstellung eineshöchst vollkommenen telcgraphischenWörterbuches zuerhöhen. G. A. Trcutlcr in Berlin construirte 1843einen Tag - u. Nacht-T-en zunächst für Eisenbahn-zwecke. Dieser T. war ein Mast mit zwei aus vielenkleinen Spiegelstllcken hcrgestellten Flügeln; dieseSpiegel reflectirtcn zufolge ihrer ans Fig. 2 ersicht-lichen , abwechselnden Stellung im Flügel das Lichtvon zwei vor u. hinter dem Mast ausgestellten La-ternen in jeder Flllgelstellung nach beiden Seiten hinbis zu dem nächsten T.; mau konnte daher bei Nachtgenau dieselben Signale durch die Flllgelstelluugcngeben, wie bei Tage; die Laternen hatten vorn einrothes Glas und markirtcn so der nächsten Stationzugleich den Punkt, um welchen sich die Flügel dreh-ten. Coad versuchte 1835 in Liverpool mit Sauer-stofs-Wasserstoffgas bei Nacht zu telegraphiren. Auchan Luftballons dachte man; so wollte der MrostatConde zu Meudon in die Luft steigen und mit achtüber einander hängenden Chlindcrn von Wachstaffctsignalisiren, welche 265 verschiedene Stellungen zu-liebe»; einen anderen Luftballon ließ er steigen undan die Erde mit Stricken befestigen, so daß die Sig-nale von der Erde aus dirigirt wurden. Obgleichdie optischen T-en rücksichtlich des Aufwandes u. derGeschwindigkeit,selbst beiBcnntzung gnterFernröhre,Len elektrischen T-en nachstchen n. deshalb u. weil

sie bei Nacht und Nebel kaum dienstfähig sind, vonletzteren verdrängt worden sind, so haben sie dochfür gewisse Fälle (z. B. für militärische Zwecke) densehr gewichtigen Vorzug, Laß die Verbindung zwi-schen zwei Stationen nicht unterbrochen werden kann;daher wurden noch in neuerer Zeit in FrankreichVersuche angestellt, ob sich mit Spiegeln eine optischeTelegraphie für Kriegszwecke Herstellen lasse. Auchhatte der österreich. Oberst v. Ebner die PariserAus-stcllnug 1867 mit einem T-en beschickt, dessen dreiScheiben die Spitzen eines gleichseitigen Dreiecksbildeten n. durch Drehung um ihre horizontalen Ach-sen dem Beobachter unsichtbar gemacht werden konn-ten; bei Nacht sollten Lampen mit Hohlspiegeln hin-ter die Scheiben kommen und durch diese verdunkeltwerden.

V. Die elektrischen T-en, welche die telegra-phischen Zeichen mittels Elektricität Hervorbringen,arbeiten weit sicherer u. rascher als die optischen T-ön;ferner sind sie in ihrer Wirksamkeit von der Tages-zeit, von den Witterungs- u. atmosphärischen Ver-hältnissen, mit Ausnahme der Gewitter, sehr wenigabhängig; außerdem ist ihre Anlage, Unterhaltungu. Bedienung viel billiger. Diese T-en dienen nichtmehr bloß für Staatszwccke, sondern auch für dieverschiedensten Zwecke des geselligen u. wirthschaft-lichcn Lebens. Die große Geschwindigkeit der Elek-tricität (nach Versuchen in Telegraphenleitungenetwa 30,000 geogr. Meilen in 1 Sccnnde) kommtdiesen T-en um deswillen ganz besonders zu statten,weil bei ihnen die Zeichen auf weit größere Entsern-ungen als bei den optischen T-en unmittelbar fort-gegeben werden können u. sich außerdem von jederStation aus selbstthätig noch über dieselbe hinausweiter geben lassen (vergl. 6 k).

Die Erfindung und anfängliche Entwickelungder elektrischen L-en hielt Schritt mit den Entdeck-ungen im Gebiete der Elektricität, des Galvanis-mus, der Elektrodynamik und des Elektromagnetis-mus ( s. d. a.); lebensfähig wurden die elektrischenT en erst, als man die magnetischen u. chemischenEigenschaften des elektrischen Stromes (s. d. u. Gal-vanismus, S. 679) sur telegraphische Zwecke be-nutzen lernte, a) Sehr früh schon hoffte man, mitReibungselektricität telegraphiren zu können.Der erste Vorschlag dazu folgte fast unmittelbar aufdie 1744 von Winkler in Leipzig, 1746 von Le Moti-vier in Paris n. 1747 von W. Watson in London(welcher auch einmal die Erde mit in die Leitung ein-jchaltete) u. A. angestellten Versuche über die Fort-pflanzung der Elektricität, wobei man fand, daß dieElektricität selbst H Meile lange Drähte augenblicklichdurchlief. Diesen Vorschlag enthält ein 1854 wiederaufgefundener, mit C. M. Unterzeichneter u. vom1. Febr. 1753 datirler Brief aus Renfrew, dessenVerfasser ein System von so viel Drähten, als Buch-staben sind, an Träger mit Glas od. Harzkitt isolirendbefestigen und an ihrem Ende mit herabhängendenKugeln versehen wollte; der Draht des jeweilig zutelegraphireuden Buchstabens sollte mittels einer Elek-trisirmaschine elektrisirt werden, damit dann die Ku-gel ein kleines, unter ihr liegendes, mit einem Buch-staben beschriebenes Papierstück an sich heranziehenkönnte; es wird hiuzugefügt, daß man anstatt dessenauch ebenso viele Glocken von verschiedener Größenehmen u. aus Liese den elektrischen Funken von den