Telegraph.
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Chappe u»d seine Brüder wurden die optischen Tele-graphen lebensfähig. Der französische Nationalcon-vent befahl den 25. Jnli 1793 die Errichtung einerT-enlinic zwischen Paris n. Lille. Die erste nachParis beförderte Nachricht betraf die Capitulationvon Conde (30. Nov. 1793). In der Vervollkomm-nung ihres Systems waren den Gebrüdern Chappeder Konsul Leon Dclauny u. der Uhrmacher Bre-guet behilflich. In Frankreich wurden nun (bis1842) viele andere Linien gebaut u. blieben trotzdes bedeutenden Aufwandes für ihre Unterhaltungzum Theil bis 1855 in Gebrauch. Von Paris nachToulon (700 km) gelangte ein Zeichen in 13 Mi-nuten. Andere Länder legten bald ähnliche T-en;so 1795 Schweden von Stockholm nach Drottning-holm; 1796 England von London nach Dover undPortsmouth; 1802 Dänemark von Nyeborg nachKorsör; 1798 Frankfurt a. M.;.,1833 Preußen voni Berlin nach Magdeburg, 1835 Österreich von Wiennach Linz; Rußland 1839 von Warschau nach Pe-tersburg ; Ostindien 1823 von Calcutta nach Chunar.
' Doch wurden diese Linien blos für Staatszwecke be-nutzt; erst 1830 gestaltete man in Frankreich derenBenutzung für Privatzwecke u. zwar für 20 Frcs.auf 100 Meilen; England erhielt durch Watson 182 7eine 16 gcogr. Meilen lange Linie für den Handels-verkehr. a) Die französischen T-en. Auf einem,
> 4,g—5 m über das Dach des weithin sichtbaren^ Stationshauses hervorragenden, aufrecht stehenden
Mastbaume befinden sich die drei beweglichen Haupt-theile, der Regulator und die beiden Flügel oder' Jndicatoren, welche sämmtlich nach Art der Jalou-sien eingerichtet u. mit einer vom Hintergründe sichgut absctzcnden Farbe angestrichen sind. Der Regu-lator, ein 4,y m langer, 0,^ in breiter u. nur 0,„. mdicker Rahmen, dreht sich in einer verticalen Ebeneum eine horizontale Achse am Mastende; an je-
> dem seiner Enden ist ein 2 m langer und 0,33 ms breiter Flügel ebenfalls drehbar angebracht; die
horizontale Drehachse des Flügels sitzt an dessenEnde, und über seine Achse hinaus geht nur einedünne und daher ans der Ferne nicht sichtbarei eiserne Stange, welche als Gegengewicht an ihrem^ Ende einen schweren eisernen Knopf trägt. Da-mit der Telegraphist stets das gegebene Signal
> vor Angen habe, ist im Beobachuuigszimmcr ein! ähnlicher Apparat im verjüngten Matzstabs vorhan-
> den, u. dieser steht durch Rollen u. darüber gelegteendlose Ketten mit dem Regulator und den Flügelnderart in Verbindung, daß letztere alle Bewegungen
; des unteren Apparates nachmachen müssen. Vonden, unzähligen möglichen Stellungen des Regula-tors n. der Flügel werden beim Teiegraphiren bloß^ die verticalc, horizontale n. die beiden unter 45" ge-l gen den Horizont geneigten schrägen benutzt; alsohat man beim Regulator vier Stellungen zur Ver-fügung: horizontal, vertical, rechts schräg, linkss schräg; bei jedem Flügel dagegen sieben, da die Stell-' ung, wo der Flügel die Verlängerung des- Regnla-1 tors bildet, beim Tclcgraphiren nicht milbenutztwird, damit sie nicht mit der Stellung, wo er denRegulator deckt, verwechselt werden kann. Denkt mansich also den Regulator u. den ersten Flügel in einerbestimmten Stellung, so kann der zweite Flügel sie-ben verschiedene Stellungen cinnehmen; es sind alsobei jeder Stellung des Regulators 7X7 verschie-i PiererL Universal-ConversationL-kcrilvn. K. Aufl. XV
dene Flügelstellungen möglich, u. es stehen dem Te-legraphisten demnach im Ganzen 4x7x7— 196verschiedene Zeichen zu Gebote. Um indessen dernächsten Station zugleich Gewißheit über die Cor-rectheit der gezogenen Signale zu verschaffen, setzteChappe fest, jedes Zeichen solle nur bei einer schrä-gen Lage des Regulators formirt werden und nichteher Giltigkeit haben, als bis der Regulator mit Bei-behaltung des Zeichens in die verticale od. horizon-tale Lage zurückgebracht worden wäre; auf dieseWeise lassen sich ebenfalls 196 verschiedene Signaleaufstellen, und hiervon waren die auf der rechtenschrägen Stellung gebildeten 98 für die eigentlichetelegraphische Korrespondenz, und zwar znin Theilzur Bezeichnung ganzer Wörter u. Sätze, die an-dern 98 dagegen lediglich zu dienstlichen.Notizen be-stimmt. Die auf einer Station befindlichen beidenTelegraphisten mußten bei jedem Zeichen der Reihenach folgende Arbeiten ausführen: Beobachtung desauf der vorhergehenden Nachbarstation in der schrä-gen Stellung sormirten Zeichens, Nachmachen des-selben mit dem eigenen T-en, Beobachtung, ob esin die horizontale oder verticale Stellung nmgesetztwurde, gleiches Umsetzen des eigenen Zeichens, Nie-derschrciben des Zeichens, Nachsehen, ob die nächst-folgende Station dasZeichen richtig nachgemachr hat.Für jedes Zeichen erfordern diese sechs Arbeiten etwa20 Secunden. Im Durchschnitt konnte man täglich6 Stunden teiegraphiren. 1838 legte man den Re-gulator in seiner horizontalen Stellung fest n. deu-tete durch einen höher gestellten Flügel (das Mobile)die Stellung an, in welche er eigentlich zu bringenwäre; man erlangte so eine einfachere Bewegungder Flügel u. vermied Störungen, welche früher oftdadurch herbeigefllhrt wurden, daß ein od. der an-dere Flügel sich bei der Bewegung des Regulatorsmitdrehte, d) Die englischen T-en, System desLord Murray, bestehen aus einem auf dem Sta-tionsgebäude anfgcrichtcteu viereckigen Rahmen, inwelchem drei Paar achteckige Tafeln übereinanderum Achsen derart drehbar angebracht sind, daß siedem Beobachter bald die schmale, bald die vollebreite Fläche znwenden. Jede Tafel hat zwei Stell-ungen, daher sind im Ganzen 2 x 2 x 2 x 2 x2 x 2 — 64 Zeichen möglich. Die Tafeln oderKlappen werden ebenfalls vom Beobachtungszim-mer aus durch um ihre Achseu gelegte Schnuren ohneEnde bewegt. 0) Die schwedischen T-en glichenden englischen, nur hatten sie nicht sechs, sondern zehnsolcher Tafeln, gestatteten daher 1024 verschiedeneZeichen, ck) Die holländischen T-cn haben aneinem Maste drei Querstangen; an der oberen sindzwei, an der mittleren vier, an der unteren sechsTeller so befestigt, daß sie, auf die Seite geklappt,in der Ferne unsichtbar sind, wieder hcrabgeklapptdagegen sich in ihrem ganzen Durchmesser zeigen.Dieser T..ermöglicht 64 x 64 —4096 verschiedeneZeichen. Ähnlichwarendie dänischenT-cn. 0) Diepreußischen T-cn (Fig. 1) trugen auf einem 6 inhohen Maste an drei übereinander liegenden Achsendrei Paar l,^ in lange u. 0,^ in breite Flügel (Jn-dicatoren), welche sich durch über Rollen gelegteSchnuren vom Bcobachtungsranme aus, der einelinks, der andere rechts hervortrctend, in vier ver-schiedene Lagen gegen den Mast bringen ließen, indenen sie mit dem unteren Mastende einen Winkel11. Band. 15