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Bd. 17 (1879) Stichlinge - Vacanz
Entstehung
Seite
11
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Stimme.

II

ten wird die eine od. die andere als primäre Krank-heit beobachtet. Vgl. Guttmann, Gymnastik der S.,

з. A. Wien 1876. »- M-ring.

Stimme (Musik), 1) (ital.karto, franz. kartis),

der bestimmte Antheil, welcher jedem einzelnen aus-führenden Organ an einem Musikstücke zufällt; esgibt in diesem Sinne Sopran-, Alt-, Tenor-, Baß-,Violin-,Flöten-, Clarinett- u. a., Haupt- ».Neben-,Ober-, Mittel-, Unter-, erste, zweite rc., Solo-, Ri-pien-, Chor- u. Füll-S-n. Stimmführung wirdder bestimmte Gang jeder einzelnen Stimme einesmehrstimmigen Tonstückes genannt. Dieselbe richtetsich darnach, ob das Musikstück für Singstimmen od.Instrumente geschrieben ist; im ersteren Falle sollendieS-n sangbar, d.h. melodisch abgerundet geführtfein, im letzteren Falle wird die Stimmführung durchdie Technik der Instrumente bestimmt: so ist dieStimmführung für Streichinstrumente eine andere,als für Tasteninstrumente, die für Orgel wieder eineandere, als für Pianoforte rc. 3) (frauz. lleu), dieRegister einer Orgel. 3) (franz. Lms), Seele,Stimmstock, das bei der Violine zwischen Boden u.Decke eingekeilte Hölzchen, welches bestimmt ist, dieSchwingungen von der Decke auf den Boden zu lei-ten u. dadurch den Ton voller zu machen. 4) Diemenschliche S. (lat. vox, franz. voix, ital. voos).Sie ist das einfachste, dabei vollkommenste, an Bieg-samkeit, Farbenreichthum und Beseeltheit des Aus-drucks von keinem andern übertroffene Musikinstru-ment. Zur Erzeugung des Tones dienen hauptsäch-lich die Stimmbänder, wobei die Stimmritzeverengert, die Stimmbänder je nach der zu erzielen-den Tonhöhe stärker oder schwächer angespannt unddurch die aus der Lunge durch die Luströhre ausströ-mendeLuft inVibratiou versetzt werden. Die mensch-liche S. stellt demnach weder eine einfache Pfeifemit hindurchdrängendem, je nach der engeren oderweiteren Öffnung der Stimmritze einen höheren od.tieferen Ton gebenden Luftstrom, noch einSaiten-instrument, wobei die Stimmbänder gleichsam dieSaiten, derLuftstrom gleichsam dertonerregendeBo-gen, sondern eine Art Zuugenpfeife dar, wobeidie Stimmbänder membranösen Zungen, Schlund-,Mund- und Nasenhöhle dem Ansatzrohr gleich kom-men. Je nach Alter, Geschlecht und Individualitätzeigt die S. verschiedene Gattungen u. Arten. Esgibt Frauen-S-u (denen jene der Knaben ziemlichähnlich sind) u.Männer-S-n; davon besitzen dieS-nder Frauen wegen des kleineren u. weicheren Kehl-kopfes eine höhere Tonlage und helleren, weicherenCharakter, die S. der Männer dagegen mehr Kraft

и. Fülle des Tones. Außerdem werden dieFrauen-S-n in den Sopran^e, bisa-,, beiSolistinueumeh-rere Töne, in seltenen Fällen sogar 1 bis 1H Octa-ven darüber), den Alt (kleines k bis 62 u. darüber)und den dazwischen liegenden Mezzosopran, dieMännerstimmen in den Tenor (kleines 0 bis a, u.darüber), den Baß (großes t' bis o, u. darüber) u.den dazwischen liegenden Bariton unterschieden.Nicht alle Töne des ganzen Umfanges einer u. der-selben S. zeigen den gleichen Klangcharakter, könnenauch nicht durch denselben Schwinguugsmechanis-mus erzeugt werden. Die Reihen unter sich gleicherTöne nennt man (nach den Orgel-S-n) Register,und die Stelle, wo ein Register aufhört, das andereanfängt, Stimmbruch od. Stimmwechsel. Es

gibt ein Brust- oder erstes Register, auch Brust-oder Kehl-S. genannt, mit vollen, kräftigen Tönen,wobei die weniger angespannten Stimmbänder derganzen Breite nach schwingen, u. ein Falsett- od.2. Register, auch Falsett-, Fistel-, Hals- od.Kopf-S.,mit schwächeren, flötenartigen Tönen, wobei durchstärkere Spannung nur die inneren Ränder derStimmbänder schwingen. Manchmal werden auch3 Register angenommen u. diese mit Brust-, Falsett«u. Kopfregister bezeichnet. Die Lage der einzelnenRegister u. bei den beiden Stimmgattungen ist imAllgemeinen wie folgt. Frauen-S-n: Brustregisterkleines ä bis A,, Falsettregister kleines Ii bis a? u.Kopf-S. kz bis s-g; Männer-S-n: Brustregister gro-ßes 0 bis k,, Falsettregister kleines ü bis o?. DerTon, wie ihn der einfache Natursänger hervorbringt,kann wol zufällig Wohlklang hesitzen, ist aber fürkünstlerischeZwecke ungeeignet, muß erst durch zweck-mäßige Übungen soweit gestärkt u. veredelt werden,daß er als etwas von dem Mechanismus der S.Unabhängiges, Freies erscheint, in jeder Lage u. injedem Verhältniß den höchstmöglichen Grad vonWohllaut, Kraft u. Elasticität darbietet. Die ersteBedingung zur Bildung eines kunstgemäßen Tonesist die Ausnahme einer genügenden Luftmeuge undderen richtig bemessene Verwendung im Verhältnißzur Spannung der Stimmbänder. Ein Mißverhält-nis) des Luftstromes zur Spannung der Stimmhän-der bringt einen heulenden oder unreinen Ton her-vor. Auf der richtigen Athemführung beruht auchdie Elasticität des Tones u. demnach die Lebendig-keit und Ausdrncksfähigkeit des Gesanges. Dieselbesoll ruhig, unbeirrt von den Luftschwiugungeu vorsich gehen u. dabei immerhin die verschiedenstenMo-dificationen anzunehmeu im Stande sein. Das vor-züglichste Stimmbildungsmittel, das sog. messa, äivoos, heruht einzig u. allein auf einer richtigen Öko-nomie desAthems, indem derTon bei vollemAthemleise angesetzt, zu immer größerer Kraft angeschwelltund nach und nach wieder zum Verklingen gebrachtwird. Zur Verstärkung ».Verschönerung des Tonesdient eine entsprechende Mundstellung. Während dieThätigkeit der Stimmbänder ohne directe Einwirk-ung des Sängers vor sich geht, vermag er dem Toneje nach der verschiedenen Muudstellung einen baldschneidenden u. scharfen, bald wohlklingenden Cha-rakter zu geben; insbesondere ist dieZunge mitZun-genwurzel sehr leicht geneigt, der freien Entfaltungdes Tones hindernd in den Weg zu treten und jenefalschen Bildungen hervorzubringen, welche unterden Namen Kehl-, Gaumen- u. Nasenklang verpöntsind. Die Zähne u. Lippen dienen dazu, dem Tonemehr Halt ».Festigkeit zu verleihen. Eine nothwen-dige Eigenschaft einer künstlerisch geschulten S. istdie Ausgleichungder verschiedenen Register. Da-von sind Brust- und Falsettregister in der Naturdes Stimmorgans begründet, während alle übri-gen, also auch das sog. Mittelregister des Soprans,auf einer veräudertenMundstellung beruhen. Zweck-entsprechende Übungen müssen nun darin ihr Zielfinden, die Übergänge von einem Register in dasandere bis zur Unmerklichkeit auszugleichen und soden vollen Umfang einer S. als ein harmonischesGanze erscheinen zu lassen. Die Voix mixte ist eineans Brust u. Falsett gemischte Tonbildungsart mitgeringerer Anspannung der Stimmbänder n. stär-