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Bd. 17 (1879) Stichlinge - Vacanz
Entstehung
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Stil

deutsch Paderb. 1874; Johnen, L.Lateau, kein Wun-der, sondern Täuschung, Köln u. Lpz. 1874; Jox,L. Latean, Regensb. 1878; Berens, L. Lateau,Paderb. 1878; I. B. Meyer, Der Wunderschwindelunserer Zeit, Bonn 1878; Die Stigmatisirten des19 . Jahrh. rc., nach authentischen Quellen, heraus-geg. von einem Curatpriester, Regensb. 1877. t.

Stil (Styl, v. lat. otilns, der Griffel), die Artzu schreiben, also die Art n. Weise, seine Gedan-ken, Ansichten, Erfahrungen, Ergebnisse seiner Beob-achtungen u. Studien rc. durch die Schrift zum Aus-druck zu bringen. Je nach dem zu behandelndenStoffe unterscheidet man den erzählenden (histori-schen), rhetorischen, philosophischen, geschäftlichen(kaufmännischen, amtlichen) u. poetischen S. Beiletzterem spricht man wieder von einem epischen, di-daktischen, lyrischen u. dramatischen S. Von einemBrief-S. als fester Form kann man kaum sprechen,da hier die gegenseitigen persönlichen Verhältnisse zusehr einwirkenu. das individualistische Elementzn starkvorwiegt. DiesElementverläugnetsichiedoch nie ganzauch bei den anderen S-arteu, und der AusspruchBnffons, daß der S. der Mensch sei, will eben sagen,daß jeder Mensch einigermaßen seinen eigenen S.habe u. daß man auch am S. den Menschen erken-nen könne. Weiterhin spricht man von einem nüch-ternen u. blühenden, einem prägnanten (knappen)u. weitschweifigen, einem trockenen (matten) n. le-bendigen S. rc. Erfordernisse eines gutes S«s sind:Deutlichkeit n. Klarheit des Gedankens bei wohlbe-mcssener Abrundung desselben, Reinheit u. Richtig-keit der Sprache, Bestimmtheit u. richtige Wahl desAusdrucks, möglichste Vermeidung eines zu großenGleichklanges der Vocale u. einer zu starken An-häufung der Consonanteu u. einsilbiger Wörter, so-wie der Einförmigkeit in der Satzbildnng. Stilistik istdie Theorie des S-s. Vgl. W. Wackernagel, Poetik,Rhetorik u. Stilistik, Halle 1873; Fischer, Lehrbuchder Stilistik, Metrik u. Poetik, Langensalza 1879.In der Kunst versteht man unter S. das Eigen-thümliche n. Charakteristische des Hervorgebrachtenin Bezug auf eine gewisse Richtung od. einen Ty-pus; dann auch das bei dem Kunstwerk hervortre-tende individuell Eigenthümliche, also die jedesma-lige künstlerische Manier. Dann sagt man auch voneinem Kunstwerk, es habe S., um damit seine Voll-endung nach einer gewissen Richtung anzndeuten.Amhäufigsten wird derAusdrnck S. bei derBaukunst(s. d.) angewendet. Vgl. Semper, Der S., 2. A.München 1878, 2 Bde. Endlich braucht man ihn zurBezeichnung der verschiedenenZeitrechnung nachdeni Julianischen (Alter S.) u. Gregorianischen Ka-lender (Neuer S.); elfterer noch in Rußland ge-bräuchlich, obwol mit der Einführung des NeuenS-saus dem Gebiete der Astronomie und Meteorologieschon der Anfang gemacht worden ist. Beide weichen

um 12 Tage von einander ab; so datirt man ^

Febr., d. h. den 11. Febr. nachdem alten u.den 23.nach dem neuen S. t.

Stilbit (Heulandit, Blätterzeolith),Mineral, kry-stallisirt im monoklino'edrischen System; die Kry-stalle sind meist tafelartig, selten säulenförmig, ein-zeln ausgewachsen od. zu Drusen vereinigt; auch inkrystallinischen blätterigen Massen; Bruch uneben;Härte 3 bis 4, spec. Gew. 2,i bis 2,?; farblos, gelb-

Stilicho.

lichweiß, graulichweiß, ziegelroth, braun, Perlmut-ter- n. glasglänzend, durchsichtig bis durchscheinend;besteht ans kieselsaurer Thonerde, kieselsaurem Kalku. Wasser; erhitzt gibt er Wasser ab, vor dem Löth-rohr blättert u. bläht er sich auf u. schmilzt zu einemweißen Email; Salzsäure zersetzt ihn unter Abscheid-ung von Kieselerde. Findet sich häufig in Blasen-räumen der Mandelsteine auf den Färöer, auf Is-land , Nertschinsk in Sibirien, Kilpatrik in Schott-land, Fassathal.

Stilet (v. Jtal.), so v. w. Dolch.

. Stilfs (Stelvio), Dorf im Tiroler Bez. Meran(Österreich),amTrafoibach; etwa700Ew.; brannte21. Nov. 1882 zum großen Theile ab. Es liegt ander Straße über dasStilfserjoch (Monte Stelvio,WormserJoch, ein nordwestl. vomOrteler gelegenerGebirgsrücken der Orteler Alpen), der höchsten fahr-baren Straße in Europa, welche über das DorfTrafoi (1548 m) auf die Paßhöhe zu 2782 m Höhein 48 Windungen hinauf u. von dort in 38 Wind-ungen in das Braugliothal u. von da weiter durchmehrere Galerien in das Thal von Worms (Bormio,1223 m) in der ital. Prov. Sondrio hinabführt. Aufder Paßhöhe steht ein Arbeiterhaus u. in dessen Näheeine Säule, welche die Grenze zwischen Tirol undItalien bezeichnet. Auf der ital. Seite in 2535 mMeereshöhe liegt die Cantoniera S. Maria, zugleichital. Mauthamt. Die Straße, welche den Vintschgauin Tirol mit dem Veltlin in Italien verbindet, wurdeunter Franz I. 182025 angelegt u. seitdem bis1834 Lurch das Veltlin zum Comersee bis Leccoweitergeführt. Der Oberingenienr Carlo Donegani,unterstützt von Francesco Dominici u. Philipp Fer-renti, hat die Straße gebaut. Hier 28. Juni 1848zwischen den österreichischen Truppen u. den Mai-länder Freischaaren ein Gefecht, in welchem die Letz-teren znrückgeschlagen wurden. H- Berns.

Stilrcho (Stilico), Vandale, erhielt, nachdem erbei einer wichtigen Gesandtschaft an den persischenHof sich große Verdienste erworben hatte, nach sei-ner Rückkehr von Theodosius dem Gr. die Handseiner von ihm adoptirten Nichte Serena. Er stiegdann allmählich von der Stufe eines Befehlshabersder Reiterei u. eines Commandeurs der Haustrup-pen bis zur höchsten Würde eines Generalissimusüber sämmtliche abendländische Truppen des Reiches.Bei der Theilung des Reiches nach Theodosius' Tode395 n. Chr. wurde S. Vormund des Honorius,der erst S-s ältere Tochter Maria, dann nach derenTode die jüngere, Thermantia, heirathete. S.sicherte zunächst die Grenze gegen die Germanen,kämpfte i. I. 397 erfolglos im Peloponnes gegenLen Westgothenkönig Alarich u. dämpfte im folg. I.den Aufstand der Mauren unter Gildo. Des Ala-rich u. seiner Gothen, welche auf des Arcadius Ver-anlassung seit 400 stete Einfälle in Italien machten,entledigte sich S. nach mehreren unentschiedenenSchlachten durch Jahrgelder u. durch die Übertrag-ung der Statthalterschaft von Westillyrien. Als imJahre 406 zahllose Völkerschwärme vom Rhein u.von der Donau her unter Führung des heidnischenGothen Radagais über die Alpen brachen, retteteS. Italien durch seinen Sieg bei Fäsulä. Trotz-dem erlag der große Mann, die letzte Stütze dessinkenden Römerreiches, denHofintriguen; er wurdeam 23. Aug. 408 zu Ravenna ermordet. S. ist.