Druckschrift 
Bd. 17 (1879) Stichlinge - Vacanz
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

Stiftung Stigmatisation. 7

gen Stämme; frei von Vorliebe für eines der beidenReiche, gelten ihm beide in ihrer Vereinigung alsTräger des religiösen Ideals; daher läßt er denOholiab aus dem Stamme Dan, wie den Bezalel,den Urenkel (!) des 40jährigen Kaleb aus demStamme Juda an der S. beschäftigt sein; er stößtsich auch nicht daran, woher die Israeliten in derWüste das Akazienholz u. alle die Kostbarkeiten hat-ten. Nach späterer Sage soll Jeremia die S. ineiner Höhle auf dem Berg Nebo verborgen habennebst der Bundeslade (s. 2. Makkab. Cap. 2, V. 4).Nach dem Talmud hätte der König Josia die Bun-deslade nebst dem heiligen Salböl vergraben (Ho-rajoth 12, Joma 23). Vgl. Popper, Der biblischeBericht über die S., Lpz. 1862. Fürst.

Stiftung, eine durch Schenkung unter Leben-den od. Bermächtniß sür den Todesfall (durch Testa-ment) im Sinne des Gebers gegründete Anstalt, seies zu kirchlichen, bildenden Zwecken, zur Unterstütz-ung von Armen, Kranken u. Waisen rc. sür die All-gemeinheit oder nur für gewisse Kreise, Familien.Vgl. Milde Stiftungen.

Stigel, Jo ha nn, neulat. Dichter, geb. 13. Mai1515 in Gotha oder in Friemar bei Gotha, studirtein Leipzig und Wittenberg Humaniora, wo er sichbald als lat. Dichter auszeichnete u. Melanchthonsu. Luthers Freundschaft genoß. 1542 inRegeusburgvom Kaiser als Dichter gekrönt, las er nun in Wit-tenberg kküloiogiea, ging 1547 nach Weimar undwurde bei der neu begründeten Universität JenaProfessor, bei deren Eröffnung 2. Febr. 1558 er dieWeiherede hielt. S., der 11. Febr. 1562 st., schr.bes.Reden u. Oarmina, letztere Jena 1660,4 Bändchen.Vgl. K. Göttling, Vita stoll. LtiAsiii, ebd. 1858.

Stiglmaier, Johann Baptist, berühmterErzgießer, dann Bildhauer u. Medailleur, geb. 18.Oct. 1791 in Fürstenfeldbruck bei München, st. 2.März 1844 in München; zeichnete sich schon frühdurch Anlage zum Zeichnen aus, kam nach Münchenzu einem Goldschmied in die Lehre u. erwarb in derSonntagsschule den ersten Preis, wodurch der Di-rektor des Mllnzwesens, Leprieur, auf ihn aufmerk-sam wurde u. 1810 seine Aufnahme in die Akademieder Bildenden Künste bewirkte. S. wurde 1819 alsMllnzgraveur angestellt, besuchte im Austrage derRegierung Italien u. machte in Rom seinen erstenGuß: die Büste des Königs Ludwig nach Thorwald-sen. 1822 kehrte er nach München zurück u. wurdeJnspector der königl. Erzgießerei, baute in Münchenein Gießhaus nach dem Muster des Pariser, liefertemeist Büsten u. Monumente, u. führte in Bayerndie Kunst, in Erz zu gießen, wieder ein. Werke:Standbild des KönigsMaximilianI. nach Rauch; dereherne Obelisk in München nach L. Klenze; Schillerin Stuttgart u. Reiterstatue Kurfürst Maximiliansin München nach Thorwaldsen; Markgraf Friedrichin Erlangen; 12 vergoldete Statuen bayerischer Für-sten im Thronsaale zu München (von seinem NeffenMiller vollendet); Goethe in Frankfurt, Jean Paulin Bayreuth, Mozart in Salzburg, Großherzog Lud-wig von Hessen-Darmstadt in Darmstadt, sämmtlichnach Schwanthaler; der Großherzog Ludwig vonBaden in Karlsruhe, Bolivar rc., die Bavaria inMünchen (letztere drei vollendete erst Miller). Vongrößeren eigenen Plast.Werken ist seineBüste desKö-nigs Max Josef im Bade Kreuth zn nennen. Regnet.'

Stigma (gr.), 1) Brandmal, welches in Grie-chenland u. Rom den Verbrechern, bes. Sklaven,eingebrannt wurde; 2) ein den Hexen eingebranntesZeichen am Leib; 3) überhaupt Wundenmal; 4)(Bot.), so v. w. Narbe, s. u. Blüthe.

Ltigmsria, stammähnliche, gabelförmig verzweigtePflanzentheile, welche fast cylindrisch, auf einer Seiteabgeflacht u. etwas eingedrückt sind, im Innern mitexcentrischer Achse, auf der Oberfläche mit kreis-runden, im Quincunx gestellten Narben, an denenoft noch lange, lineale, einfache od. verzweigte Fi-brillen sitzen; sind die Wurzeln der Sigillarien u.haben an der Bildung der Kohlenflötze wesentlichenÄntheil genommen. 8. üeoiäss im Devon

u. Carbon. Lehmann.

Stigmatisation (v. gr. arc/xt«)ist nach Auf-fassung der Katholischen Kirche eine göttliche Aus-zeichnung, die darin besteht, daß auserwählten Men-schen die Gnade zu theil wird, die Wunden (Stig-mata) an ihrem Leibe zu tragen, welche Christo beiseiner Kreuzigung beigebracht wurden. Diese Wun-den, heißt es, bluten von Zeit zu Zeit von selbst(Blutschwitzen, Blutwunder), es ist mit diesem Pro-ceß gewöhnlich ein Zustand hoher Ekstase (s. d.) ver-bunden, außerdem sollen solche Begnadigte Monateu. selbst Jahre laug leben können, ohne, mit Aus-nahme der Eucharistie (s. d.), etwas zu sich zu neh-men. Die erste Person, von der man weiß, daß sieder Gnade der S. theilhaftig geworden, ist der h.Franz v. Assisi (s. u. Franz). Später kommen fastnur noch weibliche Personen als Stigmatisirte vor;ihre Zahl mag etwa 6070 betragen. Von älterensind zu nennen: Katharina v. Siena um 1380; einMädchen in Unna, welches der durch seine Bekämpf-ung der Hexenprocesse berühmte Arzt Wier beobach-tete u. das so viel Aufsehen erregte, daß darüber1551 in Florenz ein Buch erschien; ferner Ortolade Valenzia um 1592, Johanna von Jesu MariainBurgos (1613) u.Benedict vonRhegio um 1602;von neueren: Anna Maria Klinker zu Borgloh beiOsnabrück um 1800, die Nonne Emmerich zn Dül-men bei Münster um 1825, eine Stigmatisirte zuLlltzeneder bei Marburg um 1845, Theresia Stä-deln in Wenzingen in der Schweiz. Diese letztge-nannten vier wurden als Betrügerinnen entlarvt,die Klinker wurde zu halbjähriger, die Städelu zudreijähriger Zuchthausstrafe verurtheilt, s. die Gar-tenlaube Nr. 21 von 1875. In neuester Zeit hatdie Belgierin Louise Lateau, ein Bauernmädchenaus Bois d'Haiue im Arr. Charleroi der belg. Prov.Hennegau als Stigmatisirte das größte Aufsehenerregt. Geb. 1851, wurde sie bes. seit 1868 vielgenannt, war bald das Ziel vieler Tausenden vonWallfahrern aus allen Ständen und verschiedenenLändern, und wurde dann Gegenstand eines groß-artigenjournalistischenu. literarischenStreites. Übereine halbosficielle Untersuchung i. 1.1869 imBeiseindes Arztes Lefebvre u. des Professors Schwann ausLüttich,imÜbrigennurGeistlichen,brachtedie Germa-nia voml2.Oct. 1874 ein Protokoll,dessen Charakterals osficielles Dokument jedoch von Prof. Schwannbestritten wurde. In Buchform schrieben über sie:Majunke, L. Lateau, ihr Wunderleben u. ihreBedent-ung im deutschen Kirchenconflicte, Berl. 1874; Le-febvre, I,. I,atsau äs Bois ä'Haiue, oa vis, oso sx-tasss, ses stigmatss.Ltuäs msäicals, Löwen 1873,