Stieringm-Wendel — Stift. 5
sind in Spanien, wo sie schon zu der Römer Zeitenüblich waren. Meist findet das S. in größeren Städ-ten in eigenen Amphitheatern mit Logenreihen (inMadrid in dem Oiroo Os los torsros) statt; um dieArena herum läuft eine 5 Fuß hohe Barriere (La-rancin) von starken Bohlen, welche von Strecke zuStrecke enge Zwischenräume hat, um die fliehendenKämpfer aufzunehmen. Ost überspringt der Stiersolche Barrieren. In anderen Städten, wie sego-via u. Vitoria, sind die Hanptplätze der Stadt zusolchen S - en vorgerichtet. Die Stiere werden inAndalusien durch Kühe (Mandarinen) in ein Gehegegelockt n. die wildesten u. unbändigsten ansgewählt.Den Tag vor dem S. halten sie ihren feierlichen Ein-zug (Lnoisrro) und werden jeder in ein besonderesBehältniß dicht am Circus der königlichen Loge ge-genüber gesperrt. Die Kämpfer (st'oroaäorss zuPferde, Porsros zu Fuß) sind gewöhnlich gemie-thet, oft aber auch freiwillig; eine ganze Kämpfer-schaar heißt OuaäriUa, sie haben einen Führer undlassen sich oft gleich im Ganzen zu S-en engagi-ren. Zuerst erscheinen die kioaäorss auf schlechtenPferden, denen die Angen verbunden sind, peloton-weise reitend, in alter spanischer Tracht, bewaffnetmit einer langen Lanze (6nrrooston). Die Picadoresumreiten den Platz u. stellen sich den Behältern derStiere in der Mitte des Circus gegenüber auf. Mitden Picadores zugleich erscheinen in Quadrillen dieOllulos (Lapsaäoros) zu Fuß, mit Bändern bedecktu.eiue lange aufgerollte seidene, meist rothe, himmel-blaue od. gelbe Schärpe in der Hand tragend, sie um-schreiten den Platz ».verlieren sich durch die Zwischen-räume derBarriere. Endlich kommen die Espadas,dieHauptfechter, seingekleidet, in der Rechten den bloßenStoßdegen, in der Linken die Llulstn (einen kleinenStab mit einem glänzenden Seidenzeug), umziehenden Circus u. verlassen ihn. Auf einen Trompeten-stoß öffnen sich die Flügelthüren des ersten Stalles,der Stier stürzt in den Circus, stutzt über die Zu-schauer, welche ihn mit Freudengeschrei u. Schwen-ken der Tücher bewillkommen, sucht einen Ansgangu. rennt, da er diesen nicht findet, auf den nächstenPicador zu. Dieser empfängt ihn mit der Lanze u.sticht ihn ein wenig in die Schulter, u. so geht es beiden andern, bis einer stürzt u. sein Pferd vom Stierzerrissen wird. Um den Picador zu retten, kommenjetzt die Chulos hervor, umschwärmen den Stier n.werfen ihm die Schärpen an den Kopf. Bei denS-en besteht ein großer Theil der Sicherheit derKämpfer in der Geschicklichkeit der den Stier Rufen-den (Oiamars). Versteht ein solcher Clamar seineKunst gut, so läßt auch der wllthendste Stier von sei-ner Beute ab u. wendet sich gegen jenen. Ost tödtetein Stier 9 bis 12 Pferde, ehe er ermattet. Scheintdiese Ermattung einzutreten, so ziehen sich die Pica-dores zurück u. die Chulos ergreifen die Lancisril-los (kleine, 2 Fuß lange Stöcke, mit einer, wie einAngelhaken umgekrümmten Spitze, welche im In-nern mit Schwärmern od. anderen Feuerwerken ge-füllt sind) und werfen dieselben von vorn über dieHörner weg auf den Stier. Endlich setzt sich einEspada, von einer Quadrille Chulos unterstützt,gegen ihn in Marsch. Er bewegt seine Muleta, aufwelche der Stier mit geschlossenen Augen losrennt.Indem er nun unter dem linken Arme durchrennt,stößt ihm der Espada den Degen durch die Brust,
der Stier fällt nieder, der Espada aber zieht denDegen wo möglich sogleich aus der Wunde u. salu-tirt mit demselben das Publikum. Vivats u. Bra-vos grüßen den Sieger, ein Regen von Bonbons,Confect u. Blumen, ja selbst von Gold- u. Silber-münzen überschüttet ihn, während, wenn der Stiernoch nicht völlig getödtet mit dem Degen im Nackenden Circus dnrchrennt, der Espada ausgezischt undder Stier von Knechten, die nicht zu den Stier-kämpfern gehören und Matadores heißen, vollendsgetödtet wird. Ost werden so 8 bis 12 Stiere aneinem Tage bekämpft. Auch in Spanien schaffteKönig Karl IV. die S-e ab, aber als Joseph 1808König wurde, stellte er sie, um sich die Gunst desVolkes zu erwerben, wieder her u. sie bestehen bisheute. Napoleon III. versuchte nach seiner Verhei-rathung mit Eugenie von Montijo, einer geborenenSpanierin, die S-e auch in Frankreich einzuführcn,fand aber damit keinen Anklang. Auch in SAmerikahat man S-e u. die dortigen Eingeborenen wissendie Stiere mit dem Lasso zu umschlingen u. zu san-gen. Hemie-Am Rhyn.*
Stieringen-Wendel, Fabrikdorf im KreiseForbach des deutschen Negbez. Lothringen (Elsaß-Lothringen) , Station der Saarbrücker und Elsaß-Lothring. Eisenbahnen; bedeutende Eisenwerke, na-mentlich mit sehr beträchtlicher Fabrikation von Ei-senbahnschienen u. Langschwellen; 1875: 3671 Ew.In der Nähe zahlreiche Stcinkohlcngruben.
Stiersucht (Brüllerkrankheit), eine bei Kühenvorkommende Krankheit, die sich durch häufige undsehr heftige Äußerungen des Geschlechtstriebes zuerkennen gibt. Sie ist in der Regel eine Folge krank-hafter Entartungen der Eierstöcke u. stellt sich bes.häufig bei der Perlsucht ein. Sie läßt sich nur durchCastration beseitigen.
Stift, das (Mehrzahl die Stifter), 1) eigentlichGestift, ein Capital oder Grundstück, dessen Zinsenoder Renten von dem Geber zu einem bestimmten,bes. zu einem öffentlichen Gebrauch, zu Hospitälern,Armenhäusern u. dgl. vermacht od. geschenkt wordensind; 2) ein auf ewige Zeiten zu gottesdienstlichemGebrauche bestimmtes Gebäude und zu eben diesemBehnfe geschenkte Güter; 3) die Corporation vonhöheren Geistlichen (Capitel) an einer Metropole,Kathedrale, Collegiat- oder Klosterkirche, dann auchdie solchen Corporationen gehörenden Gebäude,Grundstücke. Je nachdem das S. sich am Sitze einesErzbischofs od. Bischofs od. anderswo befindet, heißtes Erz°S., Hoch-S. (Dom-S., s. d.) od. Col-legiatstift. Der Ursprung der S-er ist im 8. u.9. Jahrhundert zu suchen, wo die den Rath deS Bi-schofs bildenden Geistlichen ein gemeinsames Ge-bäude (Llonastsrimn, Münster, daher die S-skircheauch Mllnsterkirche) unter einem Propst zu gemein-samem Leben bezogen. Sie bildeten die Domcapitelu. führten den Namen Canonici. In ähnlicher Weiseorganisirten sich die Collegiat-S-er. Da derRcich-thum dieser S-er, welcher meist von Stisungen desAdels herrührte, bald zu bedeutender Höhe stieg, sogeschah es, daß nachgeborue Söhne von Königen,Herzögen, Grafen und Freiherren in denselben Auf-nahme fanden u. bald die größte Zahl der Canonicibildeten, ja sogar in vielen Hoch-S-ern nur solcheAdelige ausgenommen werden konnten, stiftsfähigwaren, welche 16 Ahnen aufzuweisen hatten. Selbst