88
zustande abhängigen Druck auf hie sie umschließenden Wändeüben, ist gewiß ein höchst eigenthümliches; es tritt dies nochdeutlicher hervor, wenn man an die Eigenschaften der festen undflüssigen Körper denkt, welche auf den ersten Blick nichts Analogeszeigen. Unserer Generation ist durch die vielfachen Anwendun-gen des Mariotte'schen Gesetzes, durch den Gebrauch, welchedas praktische Leben von den Eigenschaften der verschiedenstenGase macht, das Gefühl der Verwunderung über die merk-würdigen Erscheinungen der gasförmigen Körper sehr gemindert.Zu Zeiten Daniel Bernoulli's aber, wo nur wenige Gase be-kannt waren und man eben begonnen hatte, ihre eigenthümlicheuEigevschaften zu studiren, trat dies Gefühl in voller Stärke aufund drängte zu Annahmen, welche das Äbweichen im Verhaltender Gase von dem der festen und flüssigen Körper erklärlichmachen sollten.
Griechische Philosophen hatten bereits eine Ansicht ausge-bildet, welche die Eigenschaften, Einwirkungen und Aenderungeneines jeden Körpers aus der Annahme herzuleiteu suchte, derKörper sei keine stetige Masse, sondern bestehe aus sehr kleinen,durch Zwischenräume getrennten Theilchen. Diese Theilchen,Atome genannt, sind keiner Aenderung mehr fähig, sondern nurder Bewegung unterworfen; und alle Erscheinungen der Körper-Welt beruhen nach dieser Ansicht auf Mischungen und Ortsver-änderungen der Atome. Die sich entwickelnde Naturwissenschaft hatdiese Hypothese nicht nur zulässig, sondern für die Erklärung unzäh-liger, besonders chemischer Erscheinungen unentbehrlich gefunden.Nur setzen sich nach den Aufschlüssen der Chemie die meisten Stoffenicht direct aus einfachenAtomen, sondern aus gesetzmäßig gebildetenAtomgruppen zusammen, so daß die Natur eines Körpers wenigerdurch die in ihm enthaltenen Atome, wie durch die von diesen ge-bildeten Atomgruppen bedingt wird. Eine solche Atomgruppe heißt
<sic)