Beobachtungsfehler beging, daß seine Verwendung ungeeigneterschien. Wenige Jahrzehnte später wurde in diesem Vorkomm-niß nur eine besonders auffällige Bestätigung jener, in derOrganisation eines jeden Beobachters begründeten Ursache zufehlerhaften Beobachtungen erkannt, welche heute bei allen feine-ren Untersuchungen als die persönliche Gleichung des Beob-achters Berücksichtigung findet. Unter dieser persönlichen Gleichungversteht man diejenige Abweichung in "der Thätigkeit der Sinnes-organe bei verschiedenen Personen, infolge deren sie zur Auf-fassung desselben Ereignisses durch Gesicht und Gehör verschiedeneZeit brauchen. Von zwei Beobachtern, die unter gleichen Um-ständen den Durchgang eines Sterns durch das Fadenkreuz einesFernrohrs beobachten, bemerkt der eine diesen Moment inbezugauf den Schlag einer Pendeluhr etwas früher als der andere.Dieser Unterschied in den Bewußtseins-Empfindungen der beidenBeobachter heißt ihre persönliche Gleichung. Dieselbe bleibt beizwei geübten Beobachtern ziemlich konstant, kann aber bis zueiner halben Secunde steigen. In enger Verbindung mit ihrsteht die sogenannte physiologische Zeit, welche die Zeitdauer an-giebt, die zwischen einem äußern Eindruck und einer hierdurchso schnell wie möglich veranlaßten Action verfließt und derenBestimmung in neuester Zeit der Gegenstand zahlreicher, inter-essanter Versuche geworden ist. So hat das in der Astronomiegesammelte und mittelst der Wahrscheinlichkeitsrechnung geordneteMaterial der Beobachtungsfehler einen Anlaß zur Entdeckungund Ausbeute wichtiger physiologischer Thatsachen gegeben. Jezahlreicher derartige Fehlerbeobachtungen vorliegen und auf jeweitere Zeiträume sich dieselben für das einzelne Individuumvertheilen, desto eher dürfen wir hoffen, auch an ihnen Gesetz-mäßigkeiten zu entdecken, welche vielleicht eine spätere Generationzur charakteristischen Werthschätzung für die sachliche Tüchtigkeit
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Ueber Wahrscheinlichkeitsrechnung : Vortrag, gehalten im Lese-Verein zu Tarnowitz am 17. Februar 1879
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