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Ueber Wahrscheinlichkeitsrechnung : Vortrag, gehalten im Lese-Verein zu Tarnowitz am 17. Februar 1879
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bekannt, daß mehr Knaben wie Mädchen geboren werden. Folge-rungen über das Ueberwiegen eines Geschlechts dürfen an dieseThatsache nicht angeknüpst werden, da Knaben und Mädchen inverschiedenen Gegenden der Sterblichkeit in sehr verschiedenemGrade ausgesetzt sind. Das Ueberwiegen der Knabengeburtenfindet jedoch allgemein statt; so werden im deutschen Reiche aufM Mädchen etwa 106 Knaben geboren. Laplace, welcherdieses Verhältniß zu Beginn des Jahrhunderts für Frankreichaufsuchte, fand, daß für alle Departements, die genaue Geburts-listen liefern konnten, sich die Geburten der beiden Geschlechterwie 22: 21 verhielten. Eine Ausnahme bildete nur Paris, fürivelcbe Stadt sich ein Verhältniß 25:24 vorfand. Der Unter-schied der beiden Verhältnisse schien dem sorgsamen Mathematikergroß genug, um der Ursache desselben nachzuspüren. Durcheine geschickte Rechnung fand derselbe, daß man mit einer Wahr-scheinlichkeit gleich also mit nahezu voller Gewißheit, be-haupten könne, diese Abweichung der Verhältnisse finde in keinemZufall, sondern in einer gesetzmäßig wirkenden Ursache ihre Be-gründung. Es gelang ihm, diese Ursache zu ermitteln. Diedem Findelhause in Paris zugeführten Kinder riefen für Parisdie ausgefallene Ausnahme hervor. In dieses wurden auchKinder ausgenommen, welche außerhalb der Stadt geboren waren,und zwar, wie die Liften der Anstalt zeigten, zumeist Mädchen.Hierdurch wurde bei Einrechnung der Findelkinder ein abweichen-des Geburtsverhältuiß hervorgerusen. Als die Findelkinder ausder Rechnung fortgelassen wurden, ergab sich für Paris dasselbeVerhältniß, wie für die überigen Departements.

Gewiß lockt dieses Beispiel des berühmten Mathematikers,welcher die scheinbare Ausnahme bei einer statistischen Regel durcheine regelmäßig wirkende Ursache erklärte, dazu an, auch ans anderenGebieten der Statistik das Gleiche zu versuchen. Wohl wäre es

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