Auswüchse einer im Zersetzungsproceß begriffenen ästhetischenEntwicklungsphase, sich selber als objektiv-ironische Formenzum ideellen Inhalt der Kunst verhalten; eine Art unbewußterästhetischer Selbstironie, welche sich, da sie auf ethisch kultur-geschichtlicher Basis beruht, d. h. alle Verhältnisse des verdorbenenKulturlebens berührt, sogar in den Künsten zweiten und drittenRanges erkennen läßt, z. B. wenn der Gartenkunst der Zopf-stylperiode es besonders geschmackvoll erschien, die Anmuth derfreien Natur zu verhunzen, indem man die Gebüsche, Sträucherund Bäume in architektonisch steife Formen (Pyramiden, Obe-lisken u. s. f.) zwängte oder gar in Thiergestaltungen (Elephanten,Pfauen u. dgl.) verschnitt. — Sondern hier kann lediglich vondenjenigen ästhetisch-berechtigten Formen der Ironie die Redesein, in denen dieses Mittel in bewußter Weise zum Ausdrucksubstanzieller Ideen angewandt wird, d. h. von den subjektiv-ironischen Formen in den verschiedenen Künsten.
Was zunächst die Architektur, als die erste, ideenärmsteund daher abstrakteste in der Reihe der sogenannten bildenden,d. h. auf die räumliche (simultane) Anschauung sich beziehendenKünste, betrifft, so finden wir Spuren solcher subjektiven Ironiezuerst in derjenigen Baukunst, welche als die architektonische Ver-körperung des mittelalterlichen Ideals zu betrachten ist, in dergothischen nämlich; Spuren, welche offenbar auf dasselbe Be-dürfniß einer heiteren Versöhnung mit dem als sündhaft per-horrescirten Diesseits zurückzuführen sind wie die gleichzeitigen„Narren- und Fastnachtsspiele" und die „Travestien derPassionsgeschichte": es sind jene absichtlichen Häßlichkeits-
bildungen, jene Dachtraufen- und Wasserspeier, Tauf-steinträger und Säulenknaufe in Form von Fratzen undDrachenleibern, welche zum Theil als ornamentale Verkleidungender gemeinen Zwecke des Baus fungiren, znm Theil aber auch