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Über die Aufgabe der modernen Thiergeographie ; ein im geographischen Verein zu Frankfurt a/M. im October 1878 gehaltener Vortrag
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Thiere auf bedingende Ursachen, die naturnothwendig wirkenmußten, zurückzuführen.

Und in diesem Sinne ist die Zoologie eine Geschichtswissen-schaft, da sie versucht durch Feststellung des geschichtlichen Werdensder jetzt lebenden Thierfvrmen die Ursachen aufzudecken, welchediese allmählich und nothwendig werden ließen. Das System derZoologie ist nur der mehr oder minder gelungene Ausdruck fürunsere Kenntniß und unser Verständniß, die wir von diesemWerden gewonnen haben und so mit Recht eigentlich ein Ge-schichtssystem.

Was aber für das ganze Gebiet einer durch ihren Inhaltin sich abgeschlossenen Wissenschaft gilt, muß nothwendig auchGeltung haben für einzelne Theile derselben.

Es giebt nun aber einen Abschnitt unserer Zoologie, welchersich in der That bis in die neueste Zeit hinein dieser Forderungwissenschaftlich, d. h. geschichtlich zu verfahren, fast vollständigentzogen hat: es ist die Thiergeographie. Sie hat bisher als ihrevornehmste oder gar als ihre einzigste Aufgabe die ungesehen,die Thatsachen, wie sie der jetzige Verbreitungszustand der leben-den Thiere bietet, aufzusuchen und zu schildern. Wenn sie dabeizu sogenannten Gesetzen der Thierverbreitung kam, so enthieltendiese fast ausnahmslos nichts anderes, als willkürlich in größereGruppen zusammengefaßte Einzelheiten solcher Thatsachen derVerbreitung. Von einem ausgebildeteu Verständniß derselben istkeine Spur zu finden und nur äußerst selten sind die Versuche,ein solches zu gewinnen.

Dieser Ausspruch möchte vielleicht Manchem als zu harterscheinen. Zu seiner Rechtfertigung will ich kurz auf dasneueste Werk über Thiergeographie Hinweisen: das Buch vonWallace. Es ist meines Wissens dieses Werk das erste,welches sich klar die Aufgabe stellt, den im Augenblick herrschen-den Zustand in der Verbreitung der Thiere auf frühere zurück-zuführen und die Ursachen aufzudecken, welche aus jenem älteren

(SSS)