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John Howard und die Pestsperre gegen Ende des 18. Jahrhunderts
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2) Von Richard Mead, dem Leibarzt Georg I. und Verfassereiner noch zu Anfang dieses Jahrhunderts hochgeschätzten Abhandlung überdie Pest, berichtet sein französischer Uebersetzer Theodore PierreBerlin nach englischer Quelle eine Anekdote, die ihres culturgeschicht-lichen Interesses wegen, hier erwähnt werden mag.

Ein Freund von Mead hatte 1722 im Nnterhause die KöniglicheRegierung so heftig angegriffen, daß er unter der Anschuldigung des Hoch,verraths im März des folgenden Jahres in den Tower gesetzt wurde.Einige Zeit nachher ward ein Mitglied des Ministeriums krank und ließvr. Mead rufen, um von ihm behandelt zu werden. Der königlicheLeibarzt erklärte, daß er bestimmt Heilung verspreche, aber kein GlasWasser verabreichen würde, bevor das ihm befreundete Unterhausmitgliedans dem Tower entlassen sei. Da die Krankheit des Ministers sich ver-Wimmerte und der König ersucht wurde, in die Freilassung zu willigen,erfüllte sich die von Mead gestellte Bedingung, und dieser heilte denMinister. Am Abend der Freilassung überreichte Mead seinem Freunde5000 Guineen an ärztlichem Honorar, die er für die Behandlung desPatienten seines eingesperrt gewesenen Collegen in der Zwischenzeit be-zogen hatte.

3) Die Namen der betheiligten Aerzte waren: Raymond, Arzt,und DesmoulienS, Chirurg, beide zu Marseille, Giovanelli vonLivorno, They von Malta, Morandi zu Venedig, Verdoni zu Triest,ein nicht näher bezeichnter jüdischer Arzt zu Smyrna und Fra Luigidi Pavia, Prior des Hospitals von St. Antonio, ebendaselbst.

4) Or. Morandi, der in Venedig jedenfalls Gelegenheit zu häufigerenBeobachtungen hatte, versicherte Howard, daß es zwei Arten von Pestvon ähnlichem Charakter gebe, die eine von Luftverderbniß herrührend,theile sich auf alle Entfernungen mit, die andere wirke nur durchContact oder sehr nahe Annäherung an Personen. Die ersten nenne manPestfieber", die zweiteAnsteckungsfieber". Daraus geht hervor,daß er alle Malariafieber zurPest" im weiteren Sinne rechnete. Leiderfinden wir bei Howard ebensowenig wie bei anderen zeitgenössischenSchriftstellern, genauere Mittheilungen darüber, wie sich die sog. ägyptischePest in gewissen Gegenden nach ihrem Auftreten zu endemischen Malaria-fiebern verhielt. Morandi scheint jedenfalls das Venezianische sog. Lagunen-fieber zur Pest im weitesten Sinne gerechnet zu haben.

5) Die Angaben, die Howard erhielt, waren sehr verschieden. Ziehtman aber den Durchschnitt, so ergeben sich etwa zwei Drittel Todesfälleim Verhältniß zu den Erkrankungen, was der Cholera ungefähr gleich.

(17S)